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Meinung Coronavirus

Die Fallzahlen sind nicht das Problem, ihr Zustandekommen ist es

| Lesedauer: 2 Minuten
Chefkorrespondent Wissenschaft
Was Urlauber jetzt wissen müssen

In vielen europ?ischen L?ndern steigt die Zahl der neuen Corona-F?lle kritisch. Die Bundesregierung warnt deswegen jetzt auch vor Reisen nach Wien sowie weiteren Teilen von Frankreich.

Quelle: WELT/Lea Freist

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Erstmals seit April gibt es wieder mehr als 2000 Neuinfektionen am Tag. Diesmal trifft es vermehrt junge Leute, bei denen die Krankheit oft nicht so schwer verl?uft. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Entwarnung.

Runde Zahlen haben für uns gemeinhin eine gr??ere Bedeutung als irgendwelche krummen Werte. Das gilt für Geburtstage ebenso wie für Corona-Infektionszahlen. Erstmals seit April hat jetzt die Zahl der hierzulande an einem Tag registrierten Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 die magische Zahl von 2000 überschritten. Geht nun alles wieder von vorne los? Droht ein neuer Lockdown mit all seinen Folgen?

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Zum Glück hat die Zahl 2000 heute eine andere Bedeutung als vor knapp fünf Monaten. Weil mittlerweile viel mehr Corona-Tests durchgeführt werden als damals, ist heute die Dunkelziffer der nicht erkannten F?lle sehr wahrscheinlich deutlich geringer als damals. Und von diesen Personen, insbesondere m?glichen Superspreadern, geht schlie?lich das gr??te Risiko für ein unkontrolliertes Wachstum der Infektionsf?lle aus.

Anders als im Frühjahr 2020 infizieren sich derzeit eher jüngere Menschen mit dem Coronavirus, was die deutlich kleinere Zahl von schweren Krankheitsverl?ufen und Todesf?llen erkl?rt. Steigende Infektionszahlen und eine niedrig bleibende Zahl von Corona-Todesf?llen sind also keinesfalls ein Widerspruch.

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Es ist nicht die aktuelle H?he der Fallzahlen, die Anlass zu erh?hter Sorge gibt, sondern es ist vielmehr der Mechanismus, wie diese steigenden Fallzahlen dieser Tage zustande kommen. Das Virus scheint sich in der Fl?che des Landes festgesetzt zu haben, sodass es praktisch überall zu gr??eren lokalen Ausbrüchen kommen kann.

Bislang funktioniert die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Infizierten noch ausreichend gut, sodass in Deutschland ein neuerliches exponentielles Wachstum der Fallzahlen verhindert werden konnte.

Gerade in diesem exponentiellen Wachstum, das sich der menschliche Geist nicht so recht veranschaulichen kann, liegt aber die gro?e Gefahr. Jeder gr??ere Corona-Ausbruch birgt in sich die Gefahr, dass er Startpunkt für eine neue Welle, also eine exponentielle Zunahme der Fallzahlen sein k?nnte. Kippt das System in eine solche Dynamik, dann k?nnten recht schnell wieder die Intensivstationen voll und die Liste der Verstorbenen l?nger werden.

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Kaum ein Land hat die Corona-Krise bisher so gut bew?ltigt wie Deutschland. Nun gilt es, mit aller Kraft ein Abrutschen in den Exponentialmodus zu verhindern. Besonders wichtig ist es, auf den Rat der WHO zu h?ren und die bisherige Quarant?nedauer von 14 Tagen nicht zu verkürzen. Angesichts der Inkubationszeit von Covid-19 würden nur fünf Tage das Risiko für exponentielle Entwicklungen deutlich erh?hen.

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