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Meinung Landwirtschaft und Leben

Besinnt Euch auf Erntedank!

| Lesedauer: 3 Minuten
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Landwirte fahren drittes Jahr in Folge unterdurchschnittliche Ernten ein

Das dritte Jahr in Folge fahren Landwirte eine unterdurchschnittliche Ernte ein. Es gibt regionale Unterschiede, doch die Entwicklung ist nach Ansicht des Bauernpr?sidenten besorgniserregend.

Quelle: WELT/ Peter Haentjes

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Der Herbst tut gut. Erntedank k?nnte ein besonderes Fest sein – auch für Gro?stadtkinder und Nicht-Christen. Denn es zeigt den Sinn von Dankbarkeit und dass nichts selbstverst?ndlich ist.

Heute ist Erntedank. Einen Tag nach den Feiern zur Einheit, am ersten Sonntag des Oktober, wird in Deutschland der Ernte gedacht. Wie in vielen Teilen der Welt, und dies seit Hunderten, ja Tausenden von Jahren. Immer noch gibt es den Hunger in der Welt. Das Gedenken an die Lebensmittel, die uns am Leben halten, sollte ein stolzes und frohes sein. Doch stattdessen droht es, vergessen zu werden. Die letzten Feiern wurden abgesagt, dem einen oder anderen Ministerpr?sidenten überreichten Landwirte eine ?hrenkrone, kein Fest nirgends, vielleicht der ein oder andere Gottesdienst.

Natürlich ist eine Verherrlichung des Bauern in Zeiten von Melkrobotern und Ackerdrohnen nicht angebracht. Lange gab die Versorgung der Gesellschaft mit Lebensmitteln dem Berufsstand etwas fast Unantastbares. Davor sind Bauern heute gefeit. Sie müssen enorm lernf?hig sein, um zu überleben. Nachhaltigkeit und Modernit?t dürfen jedenfalls keine Gegens?tze sein.

Dieses Jahr haben selbst Frostsch?den, Trockenheit und eine M?useplage der Produktion nicht ernsthaft geschadet. Corona f?rderte sogar die Improvisation im Frühjahr, als die Erntehelfer aus Osteuropa fehlten. Vielerorts sprangen Studenten, Kurzarbeiter oder Selbstst?ndige beim Erdbeerpflücken ein und waren verwundert, dass man so auch Geld verdienen kann. Auch den Bauern gefiel diese schnelle Hilfe übers Internet. Es gibt also genug Kartoffeln, genug Mehl und auch der Wein harrt seiner Lese.

Die Jahreszeiten kommen und gehen in wundersamer Regelm??igkeit. Und auch im 21. Jahrhundert wird nach denselben Regeln ges?t und geerntet wie immer, auch wenn der junge Bauer eine Wetter-App benutzt und hochresistentes Saatgut. Das Wissen hat sich verfeinert, die Sensibilit?t für das ?kosystem w?chst, wenn auch zu langsam. Besonders dem Tierwohl muss immer wieder auf die Sprünge geholfen werden.

Erntedank k?nnte, w?re Halloween nicht dazwischengekommen, ein besonderes herbstliches Fest sein, auch für Gro?stadtkinder und Nicht-Christen. Der Herbst ist, besonders nach diesem von vielen gierig aufgesogenen Sonnen-Sommer, eine Erleichterung – und kein Drama. So wie das letzte Obst geerntet wird, steigen die Nebel auf, die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken.

Nicht nur Melancholiker lieben diese Abkühlung. Herbst tut den Augen und der Lunge gut, die F?rbungen der Bl?tter und der feuchte Duft der Erde wirken auf das Gemüt. Etwas neigt sich, geht zu Ende, braucht eine Auszeit. Auch die Menschen ziehen sich nach drinnen zurück. Wie wird Corona damit spielen, wie werden die Menschen ohne Sehnsucht nach Abgeschiedenheit alles meistern?

Auch wenn die Lebensmittel aus dem Supermarkt kommen: Nichts ist selbstverst?ndlich. Dankbarkeit ist ein gro?es Gefühl in diesen so selbstgef?lligen wie destruktiven Zeiten, in denen die einfachsten Dinge der Welt missachtet werden.

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