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Meinung 30 Jahre deutsche Einheit

Einheitsfeiern in Vollnarkose – So schlimm war es lange nicht

| Lesedauer: 2 Minuten
So verlief der Festakt unter Corona-Bedingungen

Die Feierlichkeiten zu ?30 Jahre Deutsche Einheit“ fanden in der Corona-Pandemie unter starken Einschr?nkungen statt. Bundespr?sident Steinmeier mahnte, die Ostdeutschen mehr in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um den Zusammenhalt zu st?rken.

Quelle: WELT/ Eybe Ahlers

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Leidenschaftslos lauschte die Politprominenz den Ansprachen des Bundespr?sidenten und klatschte so, wie man in der Kirche klatscht. Wenn Sparkassen feiern, ist mehr los. Wen wundern da wachsendes Misstrauen und br?ckelnder Zusammenhalt in diesem wunderbaren Land?

Klopfer, der niedliche Hase aus dem Walt-Disney-Klassiker ?Bambi“, zitiert gern die Weisheiten seiner Hasenmutter, zum Beispiel: ?Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten!“ Bezogen auf die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit m?chte man diesen Merksatz variieren: Wenn einem nichts Nettes und auch nichts Wesentliches und nicht einmal etwas Unterhaltsames einf?llt, dann kann man sich Feierstunden sparen.

Deutschland steht ohnehin in dem Ruf, das Land der narkotisierenden Gru?worte und implodierenden Tischreden zu sein. Aber so schlimm wie am Samstag (Tag der Deutschen Einheit) war es lange nicht. In einem Ambiente, das vage an die Gru?kartenabteilung einer von Schlie?ung bedrohten Karstadt-Filiale erinnerte, wetteiferten Bundesratspr?sident Dietmar Woidke und Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier darum, wer sein Redemanuskript am emotionslosesten vorlesen konnte.

Beiden gelang das gut, denn ihre Dateien waren g?nzlich frei von Anschauung, überraschenden Gedanken, literarischen Zitaten oder Humor. Verlinkt hingegen waren in den Texten Schlagworte wie Freude, Erinnerung, Ermutigung, Klima, Digitalisierung, Gestaltungsmacht, Ideen, Freiheit, Zukunft, Miteinander und Leidenschaft.

Leidenschaftslos lauschte die bundesdeutsche Politprominenz den Ansprachen und klatschte so, wie man in der Kirche klatscht, wenn ausnahmsweise Applaus erlaubt ist. Dass die musikalische Umrahmung des Ereignisses jedes Pathos und jeden Anspruch vermissen lie? und überwiegend aus deutschen Schlagern zweiter Ordnung bestand, mag ins samst?gliche Sendekonzept der direkt übertragenden ARD gepasst haben. Wenn Sparkassen feiern, ist aber in der Regel mehr los.

?Wir sind viel weiter, als wir denken“

Die zentrale Gedenkfeier zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit findet in Potsdam statt. Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier betont in seiner Rede, was Deutschland inzwischen schon alles erreicht habe.

Quelle: WELT

Dem Bundespr?sidenten m?chte man nach dieser Corona-gerechten Feier gern bei der L?sung eines R?tsels helfen, das ihn umzutreiben scheint: Warum steigt in einem unbestreitbar tollen Land wie Deutschland – und hier ist seitens der Autorin keine Ironie intendiert – das Misstrauen in die Politik, warum br?ckelt der Zusammenhalt, warum w?chst der N?hrboden für extremistische Parteien?

Es k?nnte damit zu tun haben, dass wohlmeinende Leute wie Steinmeier ihren Mitbürgern st?ndig androhen, auf ?Augenh?he“ mit ihnen reden zu wollen. Doch wer von Augenh?he spricht, der signalisiert in Wahrheit, dass er sich gleich zum Gegenüber hinabbeugen wird.

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