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Meinung Angriff in Hamburg

Ein Pl?tzchen für Antisemiten findet sich immer

| Lesedauer: 2 Minuten
WON Kombo Hamburger Synagogo - Henryk M. Broder linkes Foto: ARCHIV - 05.10.2020, Hamburg: Passanten haben Blumen und Kerzen am Tatort vor dem Eingangsbereich der Synagoge abgelegt. Ein 29-J?hriger hatte am 4. Oktober einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge mit einem Spaten attackiert und erheblich verletzt. Foto: Jonas Walzberg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ ? WON Kombo Hamburger Synagogo - Henryk M. Broder linkes Foto: ARCHIV - 05.10.2020, Hamburg: Passanten haben Blumen und Kerzen am Tatort vor dem Eingangsbereich der Synagoge abgelegt. Ein 29-J?hriger hatte am 4. Oktober einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge mit einem Spaten attackiert und erheblich verletzt. Foto: Jonas Walzberg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ ?
Antisemitismus ist eine Krankheit, die sowohl Individuen wie ganze Gesellschaften befallen kann, meint Henryk M. Broder
Quelle: Jonas Walzberg/dpa, Martin U.K. Lengemann
Folgt man der Logik der Hamburger Generalstaatsanwaltschaft, gibt es einen ?gesunden“ Antisemitismus, der politisch motiviert ist und einen ?kranken“, der auf ?Schuldunf?higkeit“ beruht. Ich muss zugeben, diese Differenzierung ist mir zu filigran.

Am 4. Oktober letzten Jahres kam es in Hamburg zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen zwei jungen Menschen. Der eine, 29 Jahre alt, hatte einen Tarnanzug der Bundeswehr an und einen Klappspaten bei sich. Der andere, 25 Jahre alt, trug eine Kippa auf dem Kopf und ?war als Jude erkennbar“, wie es sp?ter in Presseberichten hie?.

Die Begegnung endete damit, dass der ?ltere Mann von der Polizei überw?ltigt und festgenommen wurde, w?hrend der jüngere wegen einer schweren Kopfverletzung, die ihm der andere mit seinem Klappspaten zugefügt hatte, in einem Krankenhaus behandelt werden musste.

Von Anfang stand ein schrecklicher Verdacht im Raum: K?nnte es sich um eine antisemitisch motivierte Tat gehandelt haben? Dafür sprach unter anderem, dass sie vor einer Synagoge stattgefunden hatte – an einem Tag, an dem Juden das Laubhüttenfest feiern.

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Die zust?ndige Staatsanwaltschaft nahm umgehend die Ermittlungen auf und kam nach drei Monaten zu dem Ergebnis, die Tat habe ?keinen politischen Hintergrund“, vielmehr sei davon auszugehen, dass ?der T?ter psychisch krank“ sei. Aufgrund der Krankheit liege ?Schuldunf?higkeit“ vor. Es werde keine Anklage wegen versuchten Mordes und gef?hrlicher K?rperverletzung erhoben, sondern der T?ter nach einem Sicherungsverfahren ?dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung“ untergebracht.

Das Resultat der Ermittlungen würde ein wenig überzeugender klingen, stünde es am Ende eines ordentlichen Gerichtsverfahrens, statt eine für die ?ffentlichkeit nicht nachvollziehbare staatsanwaltschaftliche Entscheidung zu sein.

Folgt man der Logik der Hamburger Generalstaatsanwaltschaft, gibt es zwei Arten von Antisemitismus. Erstens einen ?gesunden“, der politisch motiviert ist. Zweitens einen ?kranken“, der auf ?Schuldunf?higkeit“ beruht, die es dem T?ter unm?glich macht, sein Tun als Unrecht zu begreifen.

Ich muss zugeben, diese Differenzierung ist mir zu filigran. Antisemitismus ist eine Krankheit, die sowohl Individuen wie ganze Gesellschaften befallen kann, unabh?ngig von Bildung, Herkunft, Einkommen, Stand und Religion. Eine Art von Seuche, deren Ursprung r?tselhaft ist und gegen die noch kein Impfstoff gefunden wurde.

Das sollte sich inzwischen in einer Republik, in der jedes Bundesland mindestens einen eigenen Antisemitismus-Beauftragten hat, herumgesprochen haben. Dabei h?ren wir fast jeden Tag, dass es ?für Antisemitismus keinen Platz in Deutschland“ gibt. Aber ein Pl?tzchen für Antisemiten findet sich immer.

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