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Trinken Wein aus Südafrika

?Ich sah Rebst?cke und dachte, was sind das für kleine B?ume?“

| Lesedauer: 6 Minuten
Ein Hauch Holz, Noten von Pflaumen und roten Beeren: der Aslina Bourdeaux Blend, ein Rotwein von Ntsiki Biyela Ein Hauch Holz, Noten von Pflaumen und roten Beeren: der Aslina Bourdeaux Blend, ein Rotwein von Ntsiki Biyela
Ein Hauch Holz, Noten von Pflaumen und roten Beeren: der Aslina Bourdeaux Blend, ein Rotwein von Ntsiki Biyela
Quelle: NIC BOTHMA/EPA-EFE/Shutterstock
Weinbau hat in Südafrika eine lange Tradition. Aber nur für Wei?e. Ntsiki Biyala ist eine der ersten schwarzen Winzerinnen. Dabei wusste sie anfangs nicht einmal, was eine Rebe ist.

Ihr erstes Glas Wein trank die Weinmacherin Ntsiki Biyela, da war sie schon über 20 Jahre alt. Und es schmeckte ihr überhaupt nicht. ?Da war dieser Mann, der ein Glas in die Luft hielt, daran roch, davon trank und in blumiger Sprache beschrieb, wie es nach Pflaumen, Waldbeeren und was wei? ich noch was alles schmeckt“, erz?hlt die Südafrikanerin, ?und ich dachte mir: Wow, das klingt ja toll. Aber als ich den Wein dann kostete, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, wovon er überhaupt sprach.“

Seitdem sind über 20 Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hat die heute 42-J?hrige eine Ausbildung an der renommierten Weinbauschule im südafrikanischen Stellenbosch abgeschlossen, war die erste schwarze Weinmacherin des Landes und seine erste schwarze Winzerin des Jahres. Und, vor drei Jahren, auch die erste Schwarze, die einen Wein unter ihrem eigenen Label namens Alsina auf den Markt brachte. Ein Werdegang, der alles andere als vorgezeichnet war.

Vier Jahre nach der Apartheid

Aufgewachsen ist sie in KwaZulu-Natal, einer mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Provinz im Osten des Landes, weit entfernt von den geschniegelten Weinbaugebieten der Kapregion. Nach der Schule jobbte sie als Haushaltshilfe und hütete die Kühe ihrer Gro?mutter. Eines Tages h?rte sie von einem Stipendium, das zu vergeben war. Das war im Jahr 1998, gerade einmal vier Jahre nach der Abschaffung der Apartheid und der Einführung der Demokratie in Südafrika.

?Bei dem Stipendium ging es um eine Ausbildung in Landwirtschaft – zumindest hatte ich das so verstanden“, erz?hlt Biyela, ?und da ich mich schon immer für Landwirtschaft interessierte, bewarb ich mich.“ Kurz darauf erhielt sie die schriftliche Zusage und las darin etwas von ?nologie, von Weinbau und von Wein. Zu dem Zeitpunkt, erz?hlt sie l?chelnd, wusste sie noch nicht einmal genau, was Wein eigentlich ist. ?Ich dachte, das sei eine Art Cidre, also Apfelwein. Den gab’s bei uns. Sowie hausgebrautes Bier und Schnaps. Aber von Wein hatte ich damals überhaupt keine Ahnung.“

Dennoch trat sie die Reise in den Westen an, um dort an der Weinbauschule zu studieren. Als sie im Weinbauort Stellenbosch ankam, mit seinen adretten H?usern und den gepflegten Weinbergen, war es für sie, als betrete sie eine andere Welt. ?Ich sah die Rebst?cke und dachte mir noch, was sind denn das für kleine B?ume? Was bauen die den hier wohl an? Aber zu fragen traute ich mich anfangs nicht, weil ich spürte, es würde wohl eine ziemlich dumme Frage werden“, sagt sie. Dann fragte sie doch. Es war der Anfang einer ziemlich gro?en Karriere.

Ihr Stipendium sponserte die nationale Fluggesellschaft South African Airways. Mit dem Ziel, die ethnische Vielfalt in Südafrikas Weinbau zu f?rdern. Der ist n?mlich bis heute zu überw?ltigender Mehrheit in wei?er Hand. Schon lange vor der Machtübernahme der Apartheid-Regierung im Jahr 1948 war es für Schwarze hier unm?glich, Land zu erwerben oder Wein zu erzeugen.

Weinbau mit Tradition

üblicherweise spricht man vom südafrikanischen Wein als ?Neue-Welt-Wein.“ Dabei wurde im milden Klima des Kaps bereits viel früher mit dem kommerziellen Weinbau begonnen als etwa in Argentinien, in Chile, Australien, Neuseeland oder sogar in den USA, wo man nach der Prohibition in der ersten H?lfte des 20. Jahrhunderts praktisch bei null beginnen musste. Bereits um 1650 wurden nahe Kapstadt die ersten Reben angepflanzt, bald darauf entwickelte sich der kommerzielle Weinbau, und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde schon Wein nach Europa exportiert.

Dabei wurde die Schwarzen über Jahrhunderte ausschlie?lich für die harte k?rperliche Arbeit in den Weing?rten eingesetzt, anfangs als Sklaven und sp?ter, unter dem Apartheidregime, als minderwertige und schlecht bezahlte Arbeitskr?fte. Anstatt eines Lohns erhielten sie h?ufig nur Wein, und davon nur die Ausschussware.

Dementsprechend verbreitet waren Alkoholismus und h?usliche Gewalt. Nach Abschaffung der Apartheid setzte die Regierung dem System der Entlohnung durch Wein ein Ende. Dennoch kann von Chancengleichheit bis heute keine Rede sein. Noch immer erledigen die Schwarzen vorwiegend die minderen k?rperlichen Aufgaben und leben und arbeiten unter schwersten und zum Teil unwürdigen Bedingungen. Doch es gibt auch eine wachsende Zahl unter ihnen, die Biyelas Beispiel folgt.

Heute erzeugt Ntsiki Biyela neben einem Bordeaux-Blend auch einen sortenreinen Cabernet Sauvignon sowie zwei Wei?weine
Heute erzeugt Ntsiki Biyela neben einem Bordeaux-Blend auch einen sortenreinen Cabernet Sauvignon sowie zwei Wei?weine
Quelle: Getty Images/GIANLUIGI GUERCIA

?Es tut sich was, wenn auch sehr langsam“, sagt die Weinmacherin, w?hrend sie in ihrem Verkostungsraum eine Flasche ihres Weins entkorkt, ?als ich damals an die Weinbauschule kam, waren unter den 60 Schülern gerade einmal vier Schwarze“. Heute gebe es laut dem Dachverein Wines of South Africa (WOSA) immerhin an die 60 Weinlabels, die im Besitz von Schwarzen seien – bei einer Gesamtzahl von circa 3500 Weinproduzenten landesweit.

?Selbstverst?ndlich sollte die Entwicklung schneller gehen, aber das Weinbusiness ist mehrheitlich in Besitz von Familien. Und die rücken eben zusammen und blockieren, wenn Ver?nderungen drohen oder neue Leute hineindr?ngen“, sagt Biyela diplomatisch und füllt die Gl?ser mit Rotwein. Für ihre Rotweine war sie schon bekannt, als sie nach der Weinbauschule 12 Jahre im Weingut Stellekaya als Weinmacherin arbeitete und damit Beachtung und mehrere Auszeichnungen erzielte.

Ihr nun eigener im Glas ist ein sogenannter Bordeaux-Blend, also ein Verschnitt aus Sorten, die aus der renommierten franz?sischen Weinregion stammen, in diesem Fall Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot. Benannt hat sie ihn Umsasane, nach dem Spitznamen ihrer Gro?mutter. Es ist ein wunderbar ausbalancierter Wein, mit ausreichend K?rper, unaufdringlicher Frucht, einem Hauch Holz und sehr langem Abgang. Und zudem Noten von Pflaumen und roten Beeren. Womit er ein wenig an den Wein erinnert, den sie zuvor beschrieb. Jener erste Wein also, den sie in ihrem Leben trank – und der ihr so überhaupt nicht schmeckte.

?Stimmt!“, sagt Biyela und lacht laut, ?es hat ein wenig gebraucht, bis ich den Geschmack von Wein zu lieben begann. Zu einem bestimmten Moment erkannte ich, dass nicht ich mir den Wein ausgesucht hatte, sondern er mich.“ In diesem Moment begann auch die Leidenschaft. Doch zuvor musste sie sich noch mit dem Unterricht an der Weinbauschule anfreunden, mit Chemie und Mikrobiologie und den ganzen wissenschaftlichen F?chern, mit denen sie sich anfangs sehr schwer tat.

?Ich dachte ja, ich würde Landwirtschaft studieren“, erkl?rt sie, ?deswegen verstand ich zuerst gar nicht, wieso ich mich da mit Chemie und solchen Dingen besch?ftigen sollte.“ Erschwerend hinzu kam, dass der Unterricht in Afrikaans abgehalten wurde, das sie nicht beherrschte. ?Ich sagte: ?Okay, keine Problem, dann werde ich das eben lernen‘“, erinnert sich Biyela. Das war natürlich weit weniger einfach, als sie dachte. Doch mit Hilfe eines der Professoren und mit hohem Arbeitseinsatz schaffte sie es. ?Zum Glück wechselte der Professor w?hrend des Unterrichts immer wieder mal ins Englische, auch wenn dann sofort einige wei?e Studenten protestierten“, sagt sie.

Heute erzeugt sie neben dem Bordeaux-Blend Umsasane, ihrem Flaggschiff, auch einen sortenreinen Cabernet Sauvignon sowie zwei Wei?weine – einen frischen und leichteren Sauvignon blanc und einen cremigen, dichteren Chardonnay, den sie teilweise im Holzfass ausbaut. Ihren Aussto? hat sie rapide gesteigert. Von ihrem ersten Jahrgang füllte sie 12.000 Flaschen ab, 2018 waren es bereits 18.000 Flaschen. Und bald sollen es 30.000 werden.

?Bislang geht das allermeiste davon ins Ausland“, betont die Weinmacherin, ?in die USA, nach Japan und auch nach Deutschland.“ Aber auch in Südafrika selbst steigt die Nachfrage. Biyela begrü?t das. Es beweise, dass auch die stetig wachsende schwarze Mittelklasse des Landes zunehmend den Genuss von Wein zu sch?tzen lerne. Sie selbst hat ja auch ein bisschen Zeit gebraucht.

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