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Trinken Tipps vom Profi

So bauen Sie sich einen eigenen Weinkeller auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Der eigene Weinkeller ist aus der Mode gekommen. Dabei kann er ein Leben lang Freude bereiten, ohne dass man sich dafür gleich ruinieren muss. Ein Leitfaden für Einsteiger.
Fast k?nnte man vergessen, wo oben und unten ist: Der Weinkeller der "Hospiz Alm"
Fast k?nnte man vergessen, wo oben und unten ist: Der Weinkeller der "Hospiz Alm"
Quelle: Arlberg1800Resort

Zweimal dreht sich der Schlüssel im alten Eisenschloss. Dann gibt die massive Holztür den Weg zur Treppe frei, die in den Keller der ?Hospiz Alm“ in St. Christoph am Arlberg führt. Man betritt ein Paradies für Weintrinker, die kühlen Gew?lbe von Adi Werner, dem weinseligsten aller Tiroler Gastronomen. Mehrere Tausend Flaschen liegen hier, darunter unz?hlige Magnum- und Doppelmagnumgebinde, die meisten davon aus dem Bordelais. Aus Platzmangel muss Werner Teile seiner Sammlung an die Decke klemmen.

Adi Werner hat vor über vierzig Jahren mit dem Jagen und Sammeln angefangen. Dabei hat er sich stets von seinen pers?nlichen Vorlieben leiten lassen. In seinen Achtzigern steht er nun vor der Gewissheit, all diese wertvollen Weine niemals austrinken zu k?nnen. Seit Jahren schon kauft er lediglich für seinen Gastronomiebetrieb ein, aber nicht mehr für den eigenen Bedarf. So kommt er meist nur zum Betrachten in sein Refugium, zum Flaschenstreicheln: ein Mann, der zum Lachen in den Keller geht.

Seit über 40 Jahren sammelt Adi Werner Weine
Seit über 40 Jahren sammelt Adi Werner Weine
Quelle: Arlberg1800Resort

Für viele andere tr?gt der eigene Weinkeller heute den Geruch des Spie?ertums der Eltern- oder Gro?elterngeneration. Und wer dieser Tage mit seiner prall gefüllten Schatzkammer an die ?ffentlichkeit geht, wie etwa der Investor Carsten Maschmeyer, z?hlt oft zu jener Sorte Etikettentrinker, die sich nur mit teuren Weinen besch?ftigen und für diese viel Geld zu zahlen bereit sind, selbst wenn sie aus schlechten Jahrg?ngen stammen.

Zudem wei? jeder, der leidenschaftlich gerne Wein trinkt und kein Million?r ist, dass ein mittelgro?er Weinkeller mit bis zu 1000 Flaschen viele andere Anschaffungen hinten anstellt. Neue Unterhaltungselektronik? F?llt nicht ins Gewicht, wenn es die alte auch noch tut und man für das Geld zehn Kisten Burgunder einlagern kann. Auch sollte der Lebenspartner die Liebe teilen, sonst sitzt man über Stunden alleine im eigens angelegten ?nologie-Hobbyraum – ein echter Beziehungskiller.

Das Einlagern von Weinen ist auch deshalb aus der Mode gekommen, weil etliche namhafte und gute Weine, die noch vor wenigen Jahren nur direkt vom Winzer zu beziehen waren, nun ganz selbstverst?ndlich zum Sortiment gut bestückter Vinotheken geh?ren. Zudem bieten Firmen wie das ?sterreichische Start-up ?Trinkreif“ gereifte Flaschen an, die für diese Art Handel in den Kellern der Winzer und H?ndler zurückgelegt werden. Warum also einen Weinkeller einrichten, wenn ohnehin alles gleich verfügbar ist? Ganz einfach: um die Zeit zu fangen, um einen Prozess zu begleiten, um der Lust nachgeben zu k?nnen, sich und seine Begleitung spontan glücklich zu machen.

Im Idealfall teilt der Lebenspartner die Liebe - sonst sitzt man über Stunden alleine im ?nologie-Hobbyraum
Im Idealfall teilt der Lebenspartner die Liebe - sonst sitzt man über Stunden alleine im ?nologie-Hobbyraum
Quelle: Getty Images

Doch wie beginnen? Mit einem Blick auf die eigene Kellersituation. Wie sieht es dort aus? Altbau? Neubau? Landhaus? Was liegt im Keller herum? Kann das alles weg? Und wie viel Platz wird frei? Nur eine Wand für ein Weinregal? Oder doch eine Enklave, die man bis obenhin befüllen kann? Ist mein Keller überhaupt geeignet, ein Weinkeller zu werden?

Niedrige Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit

Das bestimmt vor allem das Thermometer, denn ein guter Weinkeller muss eine konstante Temperatur aufweisen, am besten zwischen acht und zehn Grad. Die von der Jahreszeit bedingten Schwankungen sollten maximal vier Grad ausmachen, die Luftfeuchtigkeit muss relativ hoch sein und sich etwa bei siebzig Prozent einpendeln – besser h?her als niedriger. Die Feuchtigkeit schadet jedoch Etiketten auf den Weinflaschen, Profis wickeln ihre Kostbarkeiten daher in durchsichtige Folien ein, auch weil sie die leeren Flaschen eventuell als Andenken aufheben wollen, Auch m?glich: den Weinkeller mit n?tiger Ger?tschaft befeuchten oder entfeuchten – das macht sich vor allem bei wertvollen Weinen bezahlt.

Um den Keller herum sollten weder Wasserrohre noch Heizungsrohre verlaufen. Heizungsrohre strahlen unerwünschte W?rme ab, Wasserrohre k?nnen nach strengen Wintern platzen. Wichtig auch: Der Keller sollte erschütterungsfrei sein. Wein braucht Ruhe.

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Macht ein w?rmerer Keller das Lagern von Weinen unm?glich? Keineswegs, denn wer plant, seine gelagerten Weine innerhalb von fünf bis sieben Jahren auszutrinken, der kann auch einen Keller mit Temperaturschwankungen von bis zu acht Grad startklar machen. Mehr als 15 Grad sollte ein solch eingeschr?nkter Lagerraum aber nie haben.

Wie man den Weinkeller einrichtet ist Geschmackssache
Wie man den Weinkeller einrichtet ist Geschmackssache
Quelle: picture alliance / imageBROKER

Wie man seinen Weinkeller einrichtet, einfaches Stapeln, stabile Regale oder gar ein kitschiges Gew?lbe, ist Geschmackssache. Welche Flaschen man lagert, h?ngt vom finanziellen Spielraum und von den pers?nlichen Vorlieben ab. Champagner, Sekt und andere Schaumweine sowie alle jung zu trinkenden Partyweine haben ihren Platz allerdings im Kühlschrank – mit Ausnahme mancher Jahrgangs-Champagner, die aber auch nicht ewig im Weinkeller reifen sollten. Dafür gibt es reichlich Weine zwischen 15 und 25 Euro, die man für Jahre in der Dunkelheit vergessen kann, um sie dann zur absoluten Trinkreife wieder hochzuholen.

Ein solcher Wein ist der Grand Village. Er wird vom Chateau Lafleur gekeltert, das in unmittelbar Nachbarschaft des sehr teuren und hoch renommierten Chateau Petrus liegt. Dieser Bordeaux ist einer von vielen Weinen aus dem Bordelais, den erfahrene H?ndler wie Hendrik Thoma, Heiner Lobenberg oder der K?lner Weinkeller einkaufen, weil viele andere namhafte Weine aus der Gegend um Bordeaux, aber auch aus dem Burgund und der Toskana l?ngst die Schallmauer durchbrochen haben und für Normalverdiener nicht mehr zu bezahlen sind.

Es muss nicht immer Bordeaux sein

Es müssen auch nicht nur franz?sische Weine sein, denn der Hype und die Spekulation mit Weinen aus prominenten Anbaugebieten haben viele andere europ?ische Weinbaugebiete schlicht übersehen, etwa das italienische Trentino, die spanische Rioja, das portugiesische D?o-Gebiet, die Region um Verona (Amarone), fast alle gro?en ?sterreichischen Anbaugebiete oder auch die ungarische Region Villány, die für gro?e Rotweine steht. Und nicht zuletzt ist da auch noch Deutschland, wo man die besten Rieslinge der Welt noch immer zum Spottpreis bekommt – Weine, die man auch 15 Jahre und l?nger lagern kann.

Wer extrem lang lagerf?hige, edelsü?e Auslesen mag, der wird mit deutschen Weinen auch richtig glücklich werden. Und wer erfahren will, was die Klimaerw?rmung bewirkt, der sollte in deutsche Rotweine aus Baden, Württemberg (hier vor allem aus dem Remstal), der Pfalz, von der Ahr und neuerdings auch von der Mosel investieren.

Denn Deutschland – auch wenn man das im Lande selbst noch nicht bemerkt hat – z?hlt mittlerweile zu den fünf führenden Weinnationen der Welt.

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