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Geschichte Reisl?ufer vs. Landsknechte

Die Schweizer Fu?truppen machten ?keine Gefangenen“

Im Sp?tmittelalter waren die Eidgenossen eine Gro?macht. Im Schwabenkrieg gegen Maximilian I. verabschiedeten sie 1499 einen Befehl, der ihren Truppen noch mehr Durchschlagskraft verleihen sollte.
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Leitender Redakteur Geschichte
Schlacht bei Dorneck Schlacht bei Dorneck
So stellten sich die Zeitgenossen die K?mpfe zwischen Eidgenossen und Rittern vor
Quelle: Wikipedia/Public Domain

Es gab eine Zeit, da stand die Schweiz nicht für Frieden und Neutralit?t, sondern für Gewalt und brutalen Machtanspruch. ?Schweizer“ waren in ganz Europa gefürchtet, galten sie doch als die besten Fu?soldaten, die keine Gnade mit ihren Gegnern kannten. Obwohl sie als S?ldner verschiedenen Herren dienten, führten sie auch skrupellose Machtpolitik auf eigene Rechnung.

Wie sie das taten, zeigt ein Beschluss der Tagsatzung vom 11. M?rz 1499. Auf dieser Versammlung waren alle Kantone durch Abgesandte vertreten, hier wurden vor allem Fragen er?rtert und entschieden, die die Eidgenossenschaft als Ganzes betrafen, wobei das letzte Wort zur Ausführung allerdings den einzelnen Mitgliedern vorbehalten war. Am 13. M?rz 1499 fassten die Abgeordneten einen weitreichenden Beschluss: Alle Gefangenen, die im Krieg gemacht werden würden, sollten umgehend ?abgetan“, also umgebracht werden.

Tagsatzung in Baden im Jahr 1531
Sitzung der eidgen?ssischen Tagsatzung im Jahr 1531
Quelle: Wikipedia/Public Domain

Kaum eine Ma?nahme der frühen Eidgenossenschaft hat sich ?hnlich tief in die Erinnerungskultur ihrer Nachbarn eingepr?gt. Das mag auch daran liegen, dass die Opfer auf der anderen Seite des Rheins lebten, in Schwaben. Als Schwaben-, Schweizer oder Engadiner Krieg ist denn auch die zwar kurze, aber au?erordentlich blutige Auseinandersetzung in die Geschichtsbücher eingegangen, in der die Eidgenossen 1499 den Habsburgern noch einmal eindrücklich vor Augen führten, dass sie die ma?gebliche Gro?macht im Alpenraum waren.

Dass die Schweiz nicht einfach nur ein h?chst attraktives S?ldnerreservoir darstellte, sondern eigene Ambitionen entwickelte, hatten die Kriege gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund gezeigt. Obwohl jener über die modernste Armee der Zeit verfügte, verlor er die Schlachten von Grandson und Murten 1476 und schlie?lich vor Nancy 1477 sein Leben.

Erbe wurde am Ende der Ehemann von Karls Tochter, der r?misch-deutsche K?nig Maximilian I. aus dem Hause Habsburg. Maximilian war entschlossen, zumindest einige Positionen im Alpenraum zurückzugewinnen, die sich die Eidgenossen seit dem 14. Jahrhundert angeeignet hatten. Ein weiteres Ziel Maximilians war eine Reichsreform, die die Macht der Zentrale gegenüber St?nden und Regionalgewalten wieder st?rken sollte. Dazu geh?rte die Einrichtung eines Reichskammergerichts, die Einteilung der Reichskreise sowie eine Reichssteuer. Das aber provozierte den Widerstand der Eidgenossenschaft, die ihren Autonomiestatus bedroht sahen.

Einen m?chtigen Verbündeten fand Maximilian im Schw?bischen Bund, einem Zusammenschluss schw?bischer St?nde, der zun?chst gegen Expansionsbestrebungen Bayerns gerichtet war. Aber Schwaben war auch als Rekrutierungsgebiet für Landsknechte von gro?em Interesse. Seit Jahrzehnten folgten Schweizer Reisl?ufer gern dem Ruf der franz?sischen K?nige und stellten sich in ihren Dienst. Als alternatives Reservoir wurde der Oberrhein immer interessanter. Dessen Landsknechte, obgleich weniger erfahren und daher weniger gesch?tzt, stellten sich der Konkurrenz, die im Austausch von Schimpfw?rtern – ?Kuhschweizer“ gegen ?Sauschwaben“ – verbal die Runde machte.

Lokale Antagonismen zwischen einzelnen St?dten taten ein übriges, um die Stimmung aufzuladen. Als im Januar habsburgische Truppen in Südtirol aktiv wurden, um die Passstra?en nach Mailand zu sichern, schlug die Eidgenossenschaft im Norden los. Es entspann sich ein Kleinkrieg, der vor allem im Hegau n?rdlich des Bodensees ausgetragen wurde. In mehreren Gefechten bewiesen die Reisl?ufer, dass sie den Landsknechten an Erfahrung und Kampfkraft nach wie vor überlegen waren.

Kaiser Maximilian I, 1519. Maximilian I (1459-1519), seen here wearing a fur cape and holding a pomegranate, was king of Germany (1486-1519) and Holy Roman Emperor (1508-1519). He established the Habsburg dynasty as an international European power. From the collection of the Kunsthistorisches Museum, Vienna, Austria. (The Print Collector / Heritage-Images / Heritage Images) | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverk?ufer.
Maximilian I. (1459-1519), seit 1486 r?misch-deutscher K?nig, seit 1508 Kaiser
Quelle: picture alliance / Heritage Imag

Doch offenbar erkannten die Schweizer Führer die Gefahr, von der milit?rischen Entwicklung abgeh?ngt zu werden. Heere aus Tausenden leicht bewaffneten Infanteristen hatten l?ngst die traditionellen Aufgebote aus Panzerreitern auf den Schlachtfeldern abgel?st. Doch einen taktischen Mangel zeigten Angeh?rige beider Waffengattungen. Sobald der Sieg in greifbarer N?he schien, verlie?en Ritter wie Fu?soldaten die Linie und machten sich an die Jagd nach Beute, menschliche Beute. Denn hochrangige Gefangene brachten ein hohes L?segeld.

Schon in den Burgunderkriegen war vereinzelt Befehl gegeben worden, Gefangene zu t?ten. Wenn 1499 die Tagsatzung der Eidgenossenschaft anordnete, ?keine Gefangenen“ zu machen, war das einmal mehr ein Versuch, die Disziplin unter den Reisl?ufern zu st?rken. Denn damit wurde sichergestellt, dass die Linien auch nach einem Zurückweichen des Gegners intakt blieben und nicht bei einem neuerlichen Gegensto? ins Wanken gerieten. Die Entscheidung sagt daher auch einiges über die Achtung vor den milit?rischen M?glichkeiten der Landsknechte und überhaupt der Heere aus, die die Habsburger inzwischen ins Feld stellen konnten.

Das sind die Superwaffen des Mittelalters

Der Ritter beherrschte die Schlachtfelder des europ?ischen Mittelalters. Aber er war nicht allein. Zahlreiche technische Innovationen st?rkten seine Stellung – und zerst?rten sie schlie?lich.

Quelle: WELT

In diese Richtung zielte ein weiterer Entschluss der Tagsatzung: Der Blutharsch wurde als ?unzimlich Wesen“ verboten. Unter ?Knechten des Blutharsch“ wurden irregul?re K?mpfer bezeichnet, die auf eigene Rechnung und nur um des Beutemachens willen die Heere der Schweizer begleiteten. Wenn ihnen ?gross Smach und Schand“ zugeschrieben wurde, darf dies als weiterer Versuch gewertet werden, die Truppen zu disziplinieren.

Tats?chlich konnten sich die Schweizer wiederholt gegen zahlenm??ig überlegene Heere Maximilians und des Schw?bischen Bundes durchsetzen. Anthropologen der Universit?t Bern haben Soldatenskelette aus dem Schwabenkrieg untersucht. Sie konnten zeigen, dass die Schweizer ihre Gegner regelrecht zerhackt haben, also dicht geschlossen und diszipliniert in Linie k?mpften. Auch belegen die Verstümmelungen, dass die Verwundeten nach dem Kampf ?abgekeult“, also erschlagen wurden.

Selbst Eidgenossen beklagten die Brutalit?t

Die Unsitte, das Land des Feindes anschlie?end auszuplündern, kam dennoch nicht aus der Welt. Ein Berner Chronist berichtet vom einer gro?en Zahl Kinder, Weiber, Kindbetterinnen, Alten, Kranken, die der Feuersbrunst gerade ?nackend im Schnee entfliehen“ konnten, um in der ?K?lte zu verderben“. Ein anderer Schweizer Zeuge beklagte das Wüten der eigenen Truppen, weil es ?uns Eidtgnossen Unlob und mergklich Nachred geberen“ werde.

Einige Monate und entsetzliche Verwüstungen und Opfer sp?ter musste Maximilian mit den Eidgenossen seinen Frieden machen, zumal die Schwaben dem K?nig die Gefolgschaft verweigerten. Nachdem kurz darauf auch Basel und Schaffhausen der Eidgenossenschaft beigetreten waren, blieb ihre Nordgrenze bis ins 19. Jahrhundert weitgehend unver?ndert. Autonomie und Selbstbewusstsein der Schweizer wurden gest?rkt, sie blieben aber noch bis zum Westf?lischen Frieden 1648 weitgehend autonome Mitglieder des Heiligen R?mischen Reiches.

Das Bemühen der Reisl?ufer um Disziplin sollte aber nicht ausreichen, um im Kampf gegen die aufstrebenden Territorialstaaten bestehen zu k?nnen. Dass sie ohne starke Artillerie, Kavallerie und Spezialtruppen gegen moderne Armeen bald keine Chance hatten, offenbarte die schwere Niederlage beim lombardischen Marignano im Jahr 1515, in der sie gegen Franz I. von Frankreich den Kürzeren zogen. Damit endeten die Gro?machttr?ume der Eidgenossenschaft.

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