1. Home
  2. Geschichte
  3. Zweiter Weltkrieg
  4. Sizilien-Invasion: Die ?Operation Husky“ l?utete Mussolinis Ende ein

Zweiter Weltkrieg Sizilien-Invasion

Die ?Operation Husky“ l?utete Mussolinis Ende ein

Mit der Landung auf Sizilien am 10. Juli 1943 er?ffneten die Alliierten eine zweite Front in Europa. Als nach wenigen Tagen der italienische Widerstand zusammenbrach, entwickelte Hitler eigene Pl?ne.
| Lesedauer: 5 Minuten
Leitender Redakteur Geschichte

Gelingt die Generalprobe, ist die Premiere gef?hrdet. Praktisch kampflos waren den britischen und amerikanischen Truppen im Mittelmeer Mitte Juni 1943 die Pelargischen Inseln und das schwer befestigte Eiland Pantelleria in die H?nde gefallen, nach wochenlangem Bombardement. Aber was bedeutete dieser Erfolg für die geplante Landung in Sizilien, die ?Operation Husky“? Würden die Soldaten in eine Falle laufen? Die strategische Bedeutung der riesigen Insel mitten im Mittelmeer war unübersehbar. Viele alliierte Milit?rs machten sich Sorgen.

Auch Colonel James M. Gavin, Kommandeur des 505. Fallschirmj?ger-Regiments, seinerzeit der einzigen einsatzf?higen US-Luftlandeeinheit. Der 36-j?hrige Berufsoffizier bereitete seine knapp 3400 M?nner gut vor. Er wusste, dass sie die erste amerikanische Kampfeinheit sein sollten, die auf europ?ischem Boden eingesetzt würde.

Dennoch ging die Landung schief, die am sp?ten Abend des 9. Juli 1943 bei hellem Mondschein stattfand. Die unerfahrenen Piloten seiner Transportmaschinen hatten nur vage Angaben über den Kurs zu den Landezonen; festgelegte und dokumentierte Orientierungspunkte gab es kaum. Au?erdem war der Wind mehr als doppelt so stark wie angenommen, was die Flieger abdriften lie?.

Gavins C-47 ?Dakota“ nahm einen Kurs ?nach Gefühl“ des Piloten. Schon war sich der Regimentskommandeur unsicher, ob seine M?nner und er Sizilien überhaupt jemals erreichen würden, da setzte Artilleriefeuer ein, das auf vor ihnen liegende Str?nde gerichtet war. Schiffsoffiziere würden doch wohl nicht die falsche Insel angreifen? Gavin entschied, den Absprung im Hinterland des Strands zu wagen.

?Wir sind wohl in Sizilien“

Doch nach der Landung brauchte der Regimentskommandeur erst einmal einige Zeit, um wenigstens zwei Dutzend seiner verstreuten Soldaten zu versammeln. Sie waren meilenweit von ihrem Ziel entfernt. So würde das 505. Regiment keinesfalls bis zum Morgengrauen die Nachschublinien der italienischen und deutschen Verteidiger unterbrechen k?nnen, wie es geplant gewesen war.

Aber, immerhin: ?Wir sind wohl in Sizilien“, sagte Gavin. Jedenfalls erz?hlte er das so wenig sp?ter dem Reporter einer Armeezeitung. In den folgenden zwei Tagen eroberten seine Soldaten den strategisch wichtigen Bergrücken von Biazza und verteidigten ihn sogar gegen anrückende deutsche ?Tiger“-Panzer. Trotz des Chaos’ rund um den Absprung hatten seine Fallschirmj?ger einen taktischen Sieg errungen.

Die Landung von See aus verlief viel glatter. Fast 3000 Schiffe waren im Einsatz, die in den ersten 48 Stunden etwa 80.000 Mann und 7000 Fahrzeuge, darunter 600 Panzer, an Land bringen sollten. Sechs Schlachtschiffe und zwei Flugzeugtr?ger unterstützten den Angriff. Es war die bis dahin gr??te Invasion der Geschichte.

Die amerikanische 7. Armee unter George S. Patton steuerte die sanft geschwungene Südwestküste Siziliens beiderseits der Hafenstadt Gela an, die britische 8. Armee unter Bernard Montgomery die südliche Ostküste zwischen Pachino und Syrakus. Zwar er?ffneten einzelne italienische Posten das Feuer auf die an den Strand watenden Soldaten. Doch meist gab es zun?chst keinen nennenswerten Widerstand.

Befreier vom Mussolini-Regime

Bei Licata am nordwestlichen Rand der US-Landungszone fanden die GIs einen fluchtartig verlassenen Gefechtsstand der italienischen Armee vor. Gerade als die Soldaten ihn durchsuchten, klingelte das Telefon. Der Kriegsberichterstatter Michael Chinigo hob ab und fragte in perfektem Italienisch: ?Wer ist da?“ Der Anrufer, ein hoher Offizier, fragte, ob tats?chlich Amerikaner gelandet seien? Chinigo antwortete: ?Aber nein.“ Der italienische Offizier war zufrieden und legte auf.

Allerdings fingen sich die Verteidiger rasch wieder – jedenfalls die deutschen. W?hrend ein Gro?teil der italienischen, oft einheimischen Soldaten schon in den ersten zwei Tagen jede Gegenwehr einstellten und ebenso wie die Zivilbev?lkerung in den gelandeten Amerikanern und Briten Befreier vom Mussolini-Regime sahen, hielt die neu aufgestellte und gut ausgestattete Panzerdivision ?Hermann G?ring“ bald dagegen.

Für gro?e Teile dieses Verbandes, der formal zur Luftwaffe geh?rte, de facto aber ein Heeresverband war, sollte es der erste Kampfeinsatz sein. Teile der Division waren zwar noch Ende 1942 nach Nordafrika verschifft worden, hatten aber in Tunesien im Mai 1943 kapitulieren müssen. Die restlichen Einheiten waren im Juni nach Sizilien verlegt und verst?rkt worden, unter anderem mit ?Tiger“-Panzern. Insgesamt standen am 10. Juli 1943 knapp 28.000 deutsche und etwa 175.000 italienische Soldaten auf der Mittelmeerinsel. Weitere 34.000 Wehrmachtssoldaten waren auf dem Weg nach Süditalien.

Doch schon am 12. Juli 1943 meldete der deutsche Oberbefehlshaber Süd Generalfeldmarschall Albert Kesselring an das Oberkommando der Wehrmacht, die ?Last des Kampfes“ ruhe fast ausschlie?lich auf den deutschen Truppen, eine Gegenoffensive sei unm?glich: ?Mit den jetzigen deutschen Kr?ften allein ist die Insel nicht zu halten.“

Allerdings kam es zu einzelnen heftigen Gefechten. So detonierte der Transporter ?Robert Rowan“, ein Liberty-Schiff, am 11. Juli 1943 in der Bucht von Gela, nachdem eine deutsche Bombe ihn getroffen hatte. Beim Kampf um die Ponte Grande, eine wichtige Brücke über eine Bucht, fielen neun Zehntel der eingesetzten britischen Fallschirmj?ger oder wurden schwer verletzt. Trotzdem hielten die letzten 19 Mann die Stellung, bis Entsatz kam.

Unauff?llige Ausschaltung des Verbündeten

Entschieden wurde der Feldzug in Sizilien letztlich nicht in Gefechten, sondern durch divergierende strategische überlegungen. Schon vor der Landung hatte ein hoher US-Nachrichtendienstler vermutet: ?Wenn es hart auf hart geht, dann zieht der Boche den Itakern den St?psel raus und l?sst sie im Ausguss verschwinden.“

Genau das geschah am dritten Tag der Invasion, dem 13. Juli: Hitler befahl dem deutschen Befehlshaber vor Ort, ?unter unauff?lliger Ausschaltung“ des Verbündeten Italien und seiner Kommandostellen die ?Gesamtführung im Brückenkopf Sizilien zu übernehmen“. Daraufhin kam es sogar zu bewaffneten Konfrontationen zwischen Wehrmachts-Soldaten und italienischen Offizieren. Der bevorstehende Bruch der ?Achse Berlin-Rom“ deutete sich an.

Benito Mussolini hatte Hitler derweil um mehr deutsche Flugzeuge gebeten. Die ?moralischen und milit?rischen Rückwirkungen einer Niederlage“, die der Feind beim ersten Versuch, in Europa einzufallen, davontrage, würden ?unabsehbar sein“.

Mehr aus politischen denn aus milit?rischen Gründen entschied Hitler, das kampferprobte und schlagkr?ftige II. SS-Panzerkorps aus der laufenden Schlacht um Kursk zu l?sen und auf den Weg nach Süditalien zu schicken. Zwar würden die schweren Panzer Wochen brauchen, bis sie eintreffen würden. Aber eigentlich handelte es sich auch gar nicht um eine milit?rische Entscheidung: ?Hitler wollte ein politisches Signal setzen, um den Abfall des italienischen Bundesgenossen zu verhindern“, urteilt der Milit?rhistoriker Karl-Heinz Frieser. Es war zu sp?t, wie sich keine zwei Wochen sp?ter zeigen sollte.

Themen

KOMMENTARE WERDEN GELADEN
汤姆叔叔-官网