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Zweiter Weltkrieg Luftkrieg

Wer warf die Bomben auf den Vatikan?

Am 5. November 1943 detonierten vier Bomben aus einem unbekannten Flugzeug im Vatikan und verletzten die Neutralit?t des Heiligen Stuhls. Drohung, Irrtum oder ein Angriff auf das p?pstliche Radio?
| Lesedauer: 4 Minuten
Rom, von einem Bomber aus gesehen: Bei dem schweren Angriff der US Air Force vom 19. Juni 1943 regierte noch der Diktator Mussolini. Im November hielten die Deutschen die Stadt besetzt Rom, von einem Bomber aus gesehen: Bei dem schweren Angriff der US Air Force vom 19. Juni 1943 regierte noch der Diktator Mussolini. Im November hielten die Deutschen die Stadt besetzt
Rom, von einem Bomber aus gesehen: Bei dem schweren Angriff der US Air Force vom 19. Juni 1943 regierte noch der Diktator Mussolini. Im November hielten die Deutschen die Stadt bes...etzt
Quelle: US Air Force

Am 19. Juli 1943 erreichte der Luftkrieg Rom. 320 amerikanische Flugzeuge vom Typ B-24 ?Liberator“ warfen mehr als 680 Tonnen Bomben über der Ewigen Stadt ab, in der noch der faschistische Diktator Mussolini regierte. Man z?hlte 1492 Tote und Tausende Verletzte.

Fünf Monate sp?ter, am 5. November 1943, war es nur ein einziges Flugzeug, das sich der Stadt n?herte. Gegen 20.10 Uhr kreiste es über dem Petersdom. Mussolini war inzwischen gestürzt worden und führte ein Marionettenregime in Salò am Gardasee. 100 Kilometer südlich von Rom hielten deutsche Truppen in der Gustavlinie die alliierten Invasionsverb?nde in Schach. Die italienische Armee war zuvor von den Deutschen entwaffnet und interniert worden.

Das Flugzeug, das am 5. November über Rom flog, klinkte fünf Bomben aus, von denen vier auf dem Gel?nde des Vatikans detonierten. Es sollte die einzige Verletzung der Neutralit?t des Heiligen Stuhls im Zweiten Weltkrieg bleiben.

Tote oder Verletzte gab es nicht – doch der Schaden war betr?chtlich: Die Geb?ude von Radio Vatikan, die Werkstatt für Mosaike, der Bahnhof sowie andere Palazzi wurden besch?digt. Die Einschlagl?cher in der Bahnhofsfassade sind noch heute zu sehen. Im hinteren Teil des Petersdoms zersplitterten die Fensterscheiben.

Eine Mitteilung der US Air Force

Wer hinter dem Bombardement stand, ist bis heute unklar. Waren es die Amerikaner, die Engl?nder, die Faschisten von Mussolinis Repubblica Sociale Italiana – oder gar die Deutschen? Auch die m?glichen Motive geben R?tsel auf: Sollte Papst Pius XII. für den Fall gewarnt werden, dass er seine Neutralit?t aufgeben würde. Handelte es sich gar um ?Bomben-Grü?e an den Papst“? Oder war es die Tat einer verirrten Crew, die ihre Sprengk?rper loswerden wollte?

Es gibt im Wesentlichen zwei Versionen der Geschichte: Die eine geht davon aus, dass es sich um ein amerikanisches Flugzeug gehandelt hat. Dessen Pilot soll sich verirrt und aus unbekannten Motiven schlie?lich die Bomben abgeworfen haben. Die Vertreter dieser These führen als Beleg eine vertrauliche Mitteilung an Kardinalstaatssekret?r Luigi Maglione an. Der US-Stabschef habe ihn darüber informiert, dass der Abwurf ?vermutlich auf einen amerikanischen Piloten zurückgeht, der sich verirrt hat“, soll Maglione wenige Tage nach dem Angriff einem p?pstlichen Diplomaten anvertraut haben, der seinerzeit in Algerien Dienst tat. Danach habe ein anderer Pilot beobachtet, wie dieser seine Bombenlast abgeworfen habe.

Die andere Version sieht in dem italienischen Faschisten Roberto Farinacci den Hauptschuldigen. Demnach soll das Flugzeug in Viterbo n?rdlich von Rom aufgestiegen sein. Ziel des Angriffs soll Radio Vatikan gewesen sein. Dass der p?pstliche Sender unzensierte Nachrichten ausstrahlte und diese auch von den USA geh?rt werden konnten, soll Farinacci ein Dorn im Auge gewesen sein.

1944 traf es die Sommerresidenz

Einen überzeugenden Beweis bleiben die Vertreter dieser These allerdings schuldig. Ihre einzige Stütze ist ein angeblich abgeh?rtes Telefonat von einem Priester aus Viterbo. ?Aber diese Amerikaner haben jetzt wirklich übertrieben“, soll sein Gegenüber darin gesagt haben. Die überlieferte Antwort lautet: ?Welche Amerikaner? Die Flugzeuge starteten in Viterbo. Es sind die Faschisten, die dahinter stecken.“

Die Emp?rung war in jedem Fall gro?. Der Vatikan protestierte. Eine Untersuchung der Bombensplitter brachte keine Hinweise auf die Schuldigen. Die diplomatischen Vertreter des Deutschen Reiches, Gro?britanniens und der USA beim Heiligen Stuhl machten derweil jeweils den Kriegsgegner verantwortlich: Die Alliierten behaupteten, die italienischen Faschisten oder die Deutschen h?tten erbeutete britische Bomben eingesetzt, um den Alliierten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Deutschen beschuldigten ihrerseits Engl?nder und US-Amerikaner.

Papst Pius XII. hatte schon nach dem Kriegseintritt Italiens im Sommer 1940 vergeblich versucht, die Alliierten zu einem schriftlichen Verzicht auf eine Bombardierung Roms zu bewegen. Die schweren Angriffe der Alliierten vom 19. Juli und 13. August 1943 konnte er aber nicht verhindern. Der Vatikan selbst wurde zwar dabei nicht bombardiert. Allerdings traf es am 1. Februar 1944 die p?pstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo sowie ein zum extraterritorialen Vatikangebiet z?hlendes Priesterkolleg in Rom.

Dieser Artikel wurde erstmals 2013 ver?ffentlicht.

KNA/bas

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