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Zweiter Weltkrieg Auschwitz

So gelang es zahlreichen SS-T?tern unterzutauchen

Zwischen 7200 und 8500 SS-Leute waren von 1940 bis 1945 im Vernichtungslager Auschwitz eingesetzt. Etwa 6000 von ihnen lebten am 8. Mai 1945 noch. Dennoch wurden nur rund 800 von ihnen verurteilt. Ein überblick.
| Lesedauer: 4 Minuten
Leitender Redakteur Geschichte
Deportationen in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das gr??te deutsche Vernichtungslager. Es wurde am 27. Januar 1945 durch Truppen der Roten Armee befreit. Bis dahin wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet.

Quelle: WELT/Sven Felix Kellerhoff/Sabrina Bracklow

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Das Zahlenverh?ltnis ist atemberaubend schrecklich: Wenigstens eine Million Menschen starben 1940 bis 1945 im Komplex Auschwitz, dem gr??ten Konzentrations- und Todeslager des Dritten Reiches. Verantwortlich für ihr oft grausames Ende waren insgesamt jedoch nur rund 8500 Angeh?rige der Lagermannschaft (nach anderen Angaben sogar nur 7200). Rein statistisch kamen also auf jeden SS-Mann (und auf jede der wenigen Frauen aus dem SS-Gefolge), der jemals hier eingesetzt war, 120 bis 150 Morde.

Mitte Januar 1945 z?hlte die KZ-Verwaltung kurz vor ihrer Aufl?sung noch 4487 SS-Mitglieder. Sie bildeten den Stab der Kommandantur, das für Selektionen, Vergasungen und Menschenversuche zust?ndige ?Sanit?tswesen“ und vor allem die Wachmannschaften. Was wurde aus diesen wenigen Tausend T?tern von Auschwitz?

Josef Kramer und die KZ-Aufseherin Irma Greese im Sommer 1945 in britischem Gewahrsam
Ex-Auschwitz-Kommandant Josef Kramer und die KZ-Aufseherin Irma Greese im Sommer 1945 in britischem Gewahrsam
Quelle: IWM / Public Domain

Etwa 6000 von ihnen erlebten das Kriegsende am 8. Mai 1945. Ganz genau wei? man das nicht, denn einige Hundert blieben in den Endk?mpfen vermisst. Von diesen Hauptt?tern mussten sich seit 1945 nur rund 800 vor Gericht verantworten. Die weitaus meisten davon, etwa 700, wurden in Polen angeklagt und verurteilt.

Darunter waren mit Rudolf H?? und Arthur Liebehenschel zwei der insgesamt sechs Kommandanten; beide erhielten die Todesstrafe und wurden gehenkt, H?? sogar in Auschwitz selbst. Von den übrigen vier Lagerkommandanten des KZ-Komplexes wurden drei andernorts zum Tode verurteilt; zwei von ihnen, Josef Kramer und Heinrich Schwarz, starben durch den Strang und der Dritte, Friedrich Hartjenstein, erlitt vor der Vollstreckung in einem Pariser Gef?ngnis einen t?dlichen Herzanfall.

Nur ein früherer Auschwitz-Kommandant, n?mlich Richard Baer, konnte untertauchen – als Landarbeiter auf dem Familiengut der Bismarcks im Sachsenwald. Er wurde erst 1960 festgenommen und starb zweieinhalb Jahre sp?ter in Untersuchungshaft vor Beginn seines Prozesses in Frankfurt am Main.

W?hrend alle Kommandanten von Auschwitz zur Verantwortung gezogen wurden, gelang es M?nnern auf den folgenden Ebenen der SS-Hierarchie ?fter, mit falschen Papieren unterzutauchen. Etwa dem Adjutanten von H??, Karl H?cker, oder dem für die H?ftlinge zust?ndigen ?Schutzhaftlagerführer“ Franz Johann Hofmann. Immerhin wurden beide sp?ter verurteilt; H?cker sa? rund zehn Jahre hinter Gittern, Hofmann starb nach 14 Jahren Haft. Dagegen konnte der Leiter der Lager-Gestapo, Hans Schurz, untertauchen und wurde nie verhaftet, ebenso der erste Verwaltungsleiter des KZs, Max Meyer.

Richard Baer, Josef Mengele und Rudolf H?ss
Massenm?rder unter sich: Richard Baer, Josef Mengele und Rudolf H?? (v. l.) im Sommer 1944 nahe Auschwitz
Quelle: Wikimedia / Public Domain

Von den Lager?rzten konnte etwa Hans-Wilhelm K?nig untertauchen. Seine Frau wanderte nach Schweden aus; ihren Mann hatte sie für tot erkl?ren lassen. K?nig lebte und praktizierte als ?Dr. Ernst Peltz“ als Landarzt. 1962 flog er auf und verschwand, m?glicherweise nach Schweden. Jedenfalls verlor sich seine Spur. Ganz offiziell nicht verfolgt wurde Kurt Uhlenbrook – es fehlte an Belastungszeugen. Hans Münch, der wohl als einziger SS-Arzt den m?rderischen Dienst an der Rampe von Birkenau verweigert hatte (wofür ihm rein gar nichts geschah) und der vielen H?ftlingen versucht hatte zu helfen, wurde freigesprochen.

Unter ihren echten Namen lebten nach 1945 die Lager?rzte Horst Schumann und Horst Fischer, beide an Menschenversuchen und Selektionen beteiligt. Schumann wurde 1951 in Nordrhein-Westfalen erkannt, flüchtete nach ?gypten und weiter nach Ghana. 1966 wurde er in die Bundesrepublik ausgeliefert und angeklagt, doch wegen angeblicher Verhandlungsunf?higkeit brach man den Prozess 1971 ab. Schumann lebte noch zw?lf Jahre.

Anders Fischer: Als die SED 1965 ihren eigenen Auschwitz-Prozess führen wollte, wurde er festgenommen, zum Tode verurteilt und hingerichtet; der Prozess folgte einem von der Parteiführung genehmigten, im Vorhinein festgelegten ?Drehbuch“. Fischers wahre Identit?t war der Stasi zum Zeitpunkt der Festnahme schon seit mehr als einem Jahr bekannt gewesen.

Die spektakul?rste Flucht eines Auschwitz-T?ters gelang Josef Mengele. Der berüchtigte Leitende Arzt des ?Zigeunerlagers“ von Birkenau hatte bestialische ?Experimente“ vor allem an Zwillingspaaren durchgeführt und an der Rampe unz?hlige Menschen in die Gaskammern geschickt.

Quelle: Infografik Die Welt

Im Frühjahr 1945 wurde er wie beinahe jeder deutsche Mann im wehrf?higen Alter zuerst interniert, aber rasch wieder freigelassen: Seine wahre Identit?t war nicht erkannt worden. Mit manipulierten Papieren schlug er sich in seine Heimatstadt Günzburg durch; es folgten fast drei Jahre als Knecht auf einem Hof in Oberbayern. Dann verzichtete er formal auf sein Erbe und flüchtete über Seilschaften von NS-Sympathisanten nach Genua, von hier aus weiter nach Südamerika. In Argentinien lebte er, finanziert von seiner Familie in Günzburg, in Buenos Aires. Hier lernte er auch Adolf Eichmann kennen. Sogar einen Pass unter seinem echten Namen bekam Mengele.

Anfang 1959 erwirkten Freiburger Staatsanw?lte einen Haftbefehl, und Mengele floh nach Paraguay, wechselte dann nach Brasilien. Nun nannte er sich ?Peter Hochbichler“, sp?ter ?Wolfgang Gerhard“. 1979 ertrank er kurz vor seinem 68. Geburtstag; seine Identit?t wurde 1985 aufgedeckt und sp?ter durch einen DNA-Test best?tigt.

Früherer SS-Mann Oskar Gr?ning laut Medienberichten tot

Gr?ning war im Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 F?llen im Vernichtungslager Auschwitz zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden.

Quelle: Reuters

Der letzte verurteilte SS-T?ter von Auschwitz war Oskar Gr?ning, auch ?Buchhalter des Todes“ genannt, weil er das Eigentum der ermordeten Menschen verwaltete. Kurz vor seinem 94. Geburtstag begann 2015 das Verfahren gegen Gr?ning; er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, starb aber, bevor er die Haft antreten musste. Einige weitere angeklagte frühere Auschwitzer SS-Leute wurden wegen Verhandlungsunf?higkeit von der Strafverfolgung verschont, zuletzt Anfang 2019.

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