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Gesundheit Humane Papillomviren

So gut hilft die HPV-Impfung wirklich gegen Krebs

| Lesedauer: 6 Minuten
Junge Patientin beim Arzt: Wie gut die Impfung gegen HP-Viren wirkt, h?ngt vom Alter der Frau ab Junge Patientin beim Arzt: Wie gut die Impfung gegen HP-Viren wirkt, h?ngt vom Alter der Frau ab
Junge Patientin beim Arzt: Wie gut die Impfung gegen HP-Viren wirkt, h?ngt vom Alter der Frau ab
Quelle: Getty Images/Cultura RF
Die Impfung gegen HP-Viren soll das Risiko für Geb?rmutterhalskrebs senken. Eine gro?e Langzeitstudie hat nun untersucht, wie gut der Schutzeffekt ist. Es zeigt sich: Das Vakzin hilft besser als gedacht – doch das Alter der Frau spielt dabei eine wichtige Rolle.

Impfen gegen Krebs – das geht bislang nur in ganz wenigen F?llen. Denn nur die wenigsten Krebsarten werden von Erregern ausgel?st, gegen die es ein Abwehrvakzin gibt. Geb?rmutterhalskrebs geh?rt dazu. Gegen die ausl?senden HP-Viren gibt es einen Impfstoff. Lange Zeit war aber umstritten, ob und wie gut diese Impfung wirkt.

Nun zeigt eine Langzeitstudie aus Schweden auf einer gro?en Datenbasis, dass die HPV-Impfung bei Frauen viele Geb?rmutterhalstumoren verhindert. Das Ausma? des Schutzeffekts h?ngt demnach stark vom Alter ab, in dem die Impfung erfolgt: Erhielten die Teilnehmerinnen sie im Alter von 17 bis 30 Jahren, sank das Erkrankungsrisiko binnen elf Jahren im Mittel um gut die H?lfte, wie das Team um Jiayao Lei vom Stockholmer Karolinska-Institut im ?New England Journal of Medicine“ berichtet. Erfolgte die Impfung schon vor dem Alter von 17 Jahren, sank das Tumorrisiko sogar um knapp 90 Prozent.

HPV-Impfung kann gef?hrliche Karzinome verhindern

Bislang hatten gro?e Studien lediglich gezeigt, dass die Impfung Vorstufen von Geb?rmutterhalstumoren verhindern kann. ?Wir zeigen zum ersten Mal auf Bev?lkerungsebene, dass die HPV-Impfung nicht nur vor Zellver?nderungen schützt, die Vorl?ufer von Geb?rmutterhalskrebs sind, sondern vor Geb?rmutterhalskrebs selbst“, sagt Erstautorin Lei in einer Mitteilung ihres Instituts.

?Jetzt haben wir den Nachweis dafür, dass die HPV-Impfung auch lebensbedrohliche Karzinome verhindert“, betont Michael Wojcinski vom Berufsverband der Frauen?rzte (BVF), der nicht an der Arbeit beteiligt war. Die Resultate seien auf Deutschland übertragbar, sagt der Gyn?kologe.

Hierzulande erkranken pro Jahr etwa 4400 Frauen an einem sogenannten Zervixkarzinom. Etwa 1500 Patientinnen sterben j?hrlich an der Erkrankung, die oft schon früh beginnt: Diagnostiziert werden solche Tumore im Frühstadium in Deutschland nach Angaben des Krebsinformationsdienstes (KID) im Alter von durchschnittlich 35 Jahren.

Verursacht wird der Gro?teil dieser Karzinome durch Humane Papillomviren (HPV). Von diesen Viren sind mehr als 200 Varianten bekannt: Manche von ihnen verursachen normale Hautwarzen, etwa 40 befallen vor allem Genitalbereich und After und werden haupts?chlich durch Sexualkontakte übertragen.

Impfstoffe wirken gegen verschiedene Virenst?mme

Manche HP-Viren k?nnen Geb?rmutterhalskrebs ausl?sen – insbesondere die beiden Hochrisikovarianten HPV16 und 18, die etwa 70 Prozent dieser Karzinome verantworten.

Allerdings tragen auch andere Einflüsse zu solchen Tumoren bei: Risikofaktoren sind etwa Rauchen, die langj?hrige Einnahme der Antibabypille, ein geschw?chtes Immunsystem sowie andere Erreger wie Viren vom Typ Herpes simplex 2 und Chlamydien.

In Deutschland bieten Kinder- und Frauen?rzte derzeit zwei HPV-Impfungen an: einen Zweifach-Impfstoff gegen HPV16 und 18 sowie einen Neunfach-Impfstoff, der sich gegen sieben weitere HPV-Typen (6, 11, 31, 33, 45, 52 und 58) richtet.

In Schweden wurde 2006 ein Vierfach-Impfstoff gegen die HPV-Typen 16 und 18 sowie 6 und 11 zugelassen. Um die Schutzwirkung dieser Impfung zu kl?ren, werteten die Forscher nun die Daten von rund 1,7 Millionen Frauen in Schweden im Zeitraum von 2006 bis 2017 aus. Knapp 528.000 Teilnehmerinnen, die zu Beginn der Studie zehn bis 30 Jahre alt waren, hatten mindestens eine der gew?hnlich insgesamt zwei Impfungen bekommen, 83 Prozent von ihnen vor dem Alter von 17 Jahren.

Krebsrisiko um mehr als 50 Prozent gesenkt

In Schweden wird Frauen eine Früherkennung auf Geb?rmutterhalskrebs ab dem Alter von 23 Jahren angeboten. Gleichzeitig führt das skandinavische Land ein Krebsregister, was solche gro?en Studien ungemein erleichtert: Von den geimpften Frauen erkrankten im Untersuchungszeitraum 19 an Geb?rmutterhalskrebs, bei den ungeimpften waren es 538.

Berücksichtigten die Wissenschaftler m?gliche Einflussfaktoren wie Ern?hrung, Tabakkonsum, Bewegung oder das Krebsrisiko in der Familie, so senkte eine Impfung zwischen dem 17. und 30. Lebensjahr das Erkrankungsrisiko um 53 Prozent. Bei den Frauen, die schon früher geimpft worden waren, war das Risiko um 88 Prozent reduziert.

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Diesen deutlichen Unterschied erkl?ren die Autoren damit, dass die Impfung bei einer erfolgten HPV-Infektion keinen therapeutischen Effekt hat. Daher sei sie am sinnvollsten vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Das unterstreicht auch Nobila Ouédraogo von der Stabsstelle Krebspr?vention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: ?Die Wirkung der Impfung ist dann optimal, wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt, da HP-Viren haupts?chlich über sexuelle Kontakte übertragen werden.“

Geb?rmutterhalskrebs entsteht über Jahrzehnten

Weil die Entstehung eines Tumors nach einer Infektion Jahrzehnte dauern kann, erwartet der deutsche Gyn?kologe Wojcinski, dass der Schutzeffekt bei l?ngerer Beobachtungsdauer sogar noch deutlicher ausf?llt. Davon geht auch der DKFZ-Experte Ouédraogo aus: ?Geb?rmutterhalskrebs entsteht über einen Zeitraum von meist zehn bis deutlich über 20 Jahren. Der Beobachtungszeitraum von elf Jahren liegt im unteren Bereich.“ Bei l?ngerer Beobachtungszeit, so erwartet der Forscher, würde nicht nur die Zahl der erfassten F?lle deutlich steigen, sondern vermutlich auch die St?rke des Schutzeffekts.

Aber auch so werten die schwedischen Autoren die Studienresultate als klaren Beleg für den Erfolg der Impfung: ?Unsere Daten deuten stark darauf hin, HPV-Impfungen für Kinder und Jugendliche als Teil nationaler Impfprogramme fortzuführen“, sagt Studienleiter P?r Sparén.

Ende 2019 hatten den Forschern zufolge 124 L?nder und Territorien nationale HPV-Impfpl?ne umgesetzt. Die schwedischen Forscher schreiben, dass sich bei Impfraten über 50 Prozent bereits eine Herdenimmunit?t bemerkbar macht – dass also auch Menschen davon profitieren, die selbst nicht geimpft sind. In Schweden und Australien liegt die Impfrate nach Angaben von Wojcinski bei 70 bis 80 Prozent der M?dchen.

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Ein gewisse Herdenimmunit?t sei in Schweden bereits in Hinsicht auf Genitalwarzen erkennbar, schreibt das Team um Lei – allerdings noch nicht mit Blick auf Geb?rmutterhalstumoren selbst. Da diese oft erst nach Jahrzehnten entstünden, sei der bisherige Zeitraum dafür noch zu kurz.

In Deutschland empfiehlt die St?ndige Impfkommission (Stiko) die HPV-Impfung für das Alter von neun bis 14 Jahren, m?glichst aber vor dem 18. Geburtstag. Hierzulande sind nach Angaben des DKFZ-Experten Ouédraogo zufolge zurzeit lediglich 43 Prozent der M?dchen im Alter bis 15 Jahren vollst?ndig geimpft. ?Das ist ein Manko“, sagt er. Wünschenswert w?ren ihm zufolge mindestens 70 Prozent. ?Dann würde die H?ufigkeit von HPV-Infektionen in der Bev?lkerung deutlich sinken.“

Zudem verweist der Forscher auf deutliche Unterschiede zwischen den Bundesl?ndern: Relativ hohe Impfquoten haben demnach in der Altersgruppe bis 15 Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit etwa 61 und 56 Prozent. Schlusslichter sind Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 34 und knapp 36 Prozent.

Kaum Nebenwirkungen, keine Sch?den

Seit 2018 wird die Impfung auch für Jungen empfohlen, die die Erreger vor allem sexuell übertragen. Bei ihnen k?nnen HPV-Infektionen zwar auch Karzinome verursachen, betroffen sind aber eher seltene Tumorarten wie Anal-, Penis-, Mund- und Rachenkrebs.

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Etwaige Nebenwirkungen der Impfung untersuchte die Studie nicht. Der Krebsinformationsdienst nennt ?R?tungen, leichte Schmerzen, Schwellung und ?hnlichen Folgen, wie sie viele Menschen von Spritzen und Impfungen ganz allgemein kennen“. Hinzukommen k?nnten Kopfschmerzen, selten auch übelkeit, Schwindel, Fieber und Abgeschlagenheit. ?Die Impfstoffe gelten als sicher und gut vertr?glich“, so das Fazit.

Eine Auswertung der Cochrane Collaboration von mehr als 20 Studien fand 2018 keinen Hinweis darauf, dass die Impfung zu ernsthaften Nebenwirkungen führt. Wojcinski best?tigt das: ?Bleibende Sch?den sind bisher nicht gesehen worden.“

dpa

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