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  4. Kamala Harris auf dem ?Vogue“-Cover sorgt für Aufsehen – zu Recht?

Gesellschaft Kamala Harris in der ?Vogue“

?Nicht das Bild, das man für die erste Vizepr?sidentin w?hlt“

| Lesedauer: 4 Minuten
Das Cover von Kamala Harris für die US-?Vogue“ sorgt wie erwartet für Aufsehen – nur aus den falschen Gründen. Vielen sieht die gew?hlte Vizepr?sidentin auf dem Bild nicht erhaben genug aus. Das sagt mehr über die Stimmung im Land aus denn über das Foto.
Chucks und Brokat: Kamala Harris auf dem Cover der neuen US-"Vogue"
Chucks und Brokat: Kamala Harris auf dem Cover der neuen US-?Vogue"
Quelle: Tyler Mitchell/Vogue

Es h?tte ein Zeichen von Zuversicht sein k?nnen. Von Aufbruchsstimmung, Selbstbewusstsein und Widerstandskraft, erst recht angesichts der verst?renden Ereignisse, die sich vergangene Woche im Kapitol in Washington abgespielt hatten. Doch viele Menschen haben es vorgezogen, das erste Cover von Kamala Harris für die US-?Vogue“ – das erste ?Vogue“-Cover einer Vizepr?sidentin überhaupt, einer Schwarzen noch dazu – erneut zum Anlass zu nehmen, um im Internet herumzutoben.

Bereits am Samstag zirkulierte das Foto auf Social Media, noch bevor der Coverstar der Februar-Ausgabe offiziell vom Magazin am Sonntag verkündet wurde. Zu sehen ist Harris, gekleidet in einem schwarzen Hosenanzug des amerikanischen Designers Donald Deal und mit – erster Aufreger – Chucks der Marke Converse. Sie steht vor einem Vorhang aus rosafarbenem Taft, der sich am Boden zu einem schimmernden Teppich ausbreitet, dahinter ein pistaziengrüner Brokatstoff.

Fehlgriff oder Scoop?

Harris steht breitbeinig und selbstbewusst da, ihr gesamter K?rper ist sichtbar, die H?nde auf Bauchnabelh?he ineinander verschlungen. Der Look wirkt gepflegt, aber eher sportlich und schlicht. Nicht das, was die Internet-Community von einer Frau in diesem Amt erwartet. Auf Instagram und Twitter traf das Cover auf heftige Kritik und Emp?rung von Usern, die dem Magazin vorwerfen, die neu gew?hlte Vizepr?sidentin auf eine Weise darzustellen, die ihrer Position nicht würdig sei.

?Sieht aus wie ein Foto, das ich in der neunten Klasse h?tte aufnehmen k?nnen. Schrecklich“, hie? es da. ?Das entspricht nicht dem Standard der ?Vogue’“, kommentierte ein User. ?Das ist nicht das Bild, das man für die erste Vizepr?sidentin ausw?hlt. Totaler Fehlgriff. Gebt VP Harris das Cover, das sie verdient“, ein anderer. Manche bem?ngelten, wie Harris’ Haut auf dem Foto aussehe: wie ausgewaschen und viel zu blass, als habe jemand mit Photoshop-Aufheller rumgepfuscht.

Diese Bilder zogen ?hnliche Kritik auf sich

Nun scheint das eher unwahrscheinlich, wurde das Foto doch von Tyler Mitchell aufgenommen, selbst ein junger schwarzer Fotograf, der 2018 mit einem ?Vogue“-Foto von Beyoncé als erster schwarzer Cover-Fotograf des Heftes Geschichte schrieb. Dass seine Aufnahmen von Kamala Harris für Aufsehen sorgen würden, stand von Anfang an fest – ein Scoop, wie ihn sich ein Hochglanzmagazin eigentlich nur wünschen kann.

Die US-?Vogue“ fotografiert seit Jahrzehnten alle First Ladys für ihre Umschlagseite – mit Ausnahme von Melania Trump. Nun konnte man endlich eine Frau ehren, die selbst ein politisches Amt innehat, und nicht nur irgendeines, sondern den zweitwichtigsten Job der USA.

Umso trauriger ist es, dass bei der Kommunikation so viel schiefgegangen ist. Ein Journalist des ?New York Magazine“ stachelte die Kritiker noch mehr an, als er auf Twitter erkl?rte, eine Quelle habe ihm verraten, dass das ausgew?hlte Foto nicht das sei, das Harris’ Team erwartet habe.

Die ?New Pork Post“ lieferte noch mehr saftiges Insiderwissen: ??Vogue‘-Quellen“ h?tten erkl?rt, dass Styling und Outfit vom Team der gew?hlten Vizepr?sidentin sowie von ihr selbst bestimmt worden seien. Die Farben des Hintergrunds stünden für die Farben der Studentinnenverbindung, der Harris zu Collegezeiten angeh?rte. Dass man ohne Wissen der Harris-Entourage ein Foto gew?hlt habe, das die Politikerin gar nicht wollte oder dass man ihre Haut gar aufgehellt habe, wird dementiert.

Ein Anzug mit Symbolik

Puh. Seit vergangener Woche dürfte niemandem mehr entgangen sein, wie aufgeheizt die politische Stimmung in den USA auch Wochen nach der Pr?sidentschaftswahl noch ist. Und nur so kann man sich erkl?ren, dass ein eigentlich durch und durch hoffnungsvoll stimmender Presseauftritt die Gemüter so erregt.

Gleichzeitig zehrt der ?rger auch von der Tatsache, dass die amerikanische ?Vogue“ und ihre Chefredakteurin Anna Wintour im Zuge der ?Black Lives Matter“-Proteste viel Kritik einstecken mussten. Wie und wie oft Schwarze in dem Heft dargestellt wurden, wie schwarze Mitarbeiter behandelt und vergütet wurden – in der Hinsicht gibt es tats?chlich viel zu tun.

Chefredakteurinnen zogen Konsequenzen

Die eher natürliche und leise Inszenierung einer Politikerin, die auch im wahren Leben nun mal gerne schwarze Blazer und Chucks tr?gt und es ganz eindeutig eher schlicht als pomp?s mag, verdient diese Art von Wut und schlecht gelaunte Attacken jedoch nicht. Ob man ein Foto nun mag oder nicht: Es steht für einen Moment in der Geschichte eines Landes, in dem es um mehr geht als um ein Outfit oder die richtige Beleuchtung.

Es gibt übrigens noch ein zweites Cover, das allerdings nur als ?digitale Titelseite“ dient und das einige Kommentatoren wohl lieber auf dem Heft gesehen h?tten. Darauf sieht man Harris von der Hüfte an aufw?rts, sie tr?gt einen himmelblauen Blazer von Michael Kors, ihre Arme hat sie vor der Brust verschr?nkt. Ihre Augen strahlen Zuversicht und Tatendrang aus. Egal, ob sie das nur digital tun oder auf Papier gedruckt sind.

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