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Kultur Amazon-Serie ?Alex Rider“

Der Bond-Bourne-Smoothie für die ganze Familie

| Lesedauer: 4 Minuten
Redakteur Feuilleton
Neue Serie ?Alex Rider“ auf Amazon Prime

Als sein Onkel und Vormund stirbt, erf?hrt Schüler Alex, dass dieser Spion war. Um herauszufinden, wer ihn ermordet hat, wird auch Alex zum Agenten. Die actionreiche Spionage-Serie auf Amazon Prime basiert auf der Bestsellerreihe von Anthony Horowitz.

Quelle: Amazon

Autoplay
20 Millionen Mal haben sich die 13 B?nde der Abenteuer des jugendlichen Geheimagenten Alex Rider weltweit verkauft. Jetzt gibt es die Suspense-Serie dazu bei Amazon Prime. Klingt nach Ende der Verwertungskette. Ist aber weit mehr.

Das Brainstorming für eine neue Serie bei Amazon, Netflix & Co. k?nnte man sich wie folgt vorstellen: Eine Menge nicht v?llig unkreativer Menschen sitzt in einem Raum und klickt im Angebot eines Streamingdienstes beispielsweise ?Die Bourne-Identit?t“ an. Oder James Bond.

Und dann blinkt so eine Liste auf, die irgendein ?hnlichkeitsalgorithmus generiert hat. Und Filme empfiehlt, die man unbedingt schauen muss, weil man gerade ?Die Bourne-Identit?t“ hinter sich gebracht hat. Oder James Bond. Oder beides.

Und aus der Quersumme all dieser Vorschl?ge macht man dann eine neue Serie, die natürlich mega-erfolgreich wird, weil sie ungef?hr jedem Streamingkunden vorgeschlagen wird.

?Alex Rider“ k?nnte man für eine solche zielgruppenangesch?rfte Writersbox-Idee halten. Weil der von Andreas Prochaska (?Das Boot“, ?Das finstere Tal“, ?Spuren des B?sen“) inszenierte, produzierte und gestylte, von Anthony Horowitz (?Inspector Barnaby“, ?Sherlock Holmes“, ?James Bond“, ?Hercule Poirot“) geschriebene Achtteiler für alle passt, die ?Hanna“ gestreamt haben und ?Treadstone“ und ?Bourne-Identit?t“. Und James Bond. Harry Potter eigentlich auch. Und Percy Jackson. Also eigentlich alle zwischen zw?lf und zweiundachtzig.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war es natürlich umgekehrt. Anthony Horowitz, einer der gr??ten Virtuosen des Genreelementge- und missbrauchs und des Weiterschreibens literarischer Legenden, engagiert von der Conan Doyle-Gesellschaft, den Fleming- und den Christie-Erben, hatte Ende der Neunziger mit einer Jugendbuchreihe für Anfangspubertierende begonnen. Da konnte vom Ende des linearen Fernsehens noch keine Rede sein konnte.

Alex Rider - Season 1 - Episode 108
Freunde Alex (Otto Farrant) und Tom (r.). Brennock O'Connor ist Tom. Er war Olly in "Game of Thrones"
Quelle: Des Willie/Eleventh Hour Films/Sony Pictures Television

Sollte Einstiegsdroge für Zw?lfj?hrige ins literarische und cineastische Spionageressort werden. Es wurde – mit 20 Millionen verkauften Exemplaren – sein gr??ter Erfolg. Und, sagte er, seine gr??te Entt?uschung, als 2006 die zu gro?en Teilen von ihm selbst verantwortete Kinoerstverfilmung des ersten der inzwischen 13 ?Alex Rider“-B?nde sang- und klang- und folgenlos in der Versenkung verschwand.

Letzteres konnte so natürlich nicht bleiben. Weil auf Dauer zwanzig Millionen ehemaligen Zw?lfj?hrigen, aus denen seit 2000 der erste ?Alex Rider“ erschien, natürlich l?ngst zahlungskr?ftige Dauerstreamer geworden sind, nicht unversorgt bleiben dürfen. Und weil Horowitz – was er ganz besonders gut kann – in seinem literarischen Genremixer geradezu idealtypischen Smoothie für alle m?glichen ?hnlichkeitsalgorithmen hergestellt hatte.

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Den ?sterreicher Andreas Prochaska für die stilbildende erste Staffel zu verpflichten, war ein gewisserma?en naheliegender Coup. Im ?Boot“ hat Prochaska bewiesen, dass er gewaltige Menschenmassen und exorbitante Etats gewinnbringend bewegen kann.

Im ?Fernen Tal“, dass er sich wie kein zweiter darauf versteht, wilde Stilmischlinge reinrassig wirken zu lassen. Und in den ?Spuren des B?sen“, wie man ?ffentlich-rechtliches Fernsehen und Arthouse vers?hnt und was mit Heino Ferch passiert, wenn man ihn in die Tiefe einer Figur schickt.

Alex Rider - Season 1 - Episode 101
Die Feinde von Alex lauern im Untergrund: Szene aus "Alex Rider"
Quelle: Des Willie/Eleventh Hour Films/Sony Pictures Television

Die erste Staffel der von Sony finanzierten und anschlie?end an Amazon Prime verkauften Serie basiert auf dem zweiten Band der Rider-Reihe. ?Gemini-Projekt“ hei?t der. Alex Rider, ein zw?lfj?hriger Waisenjunge, w?chst bei einem Onkel auf, der jeden Tag in die Bank zum Arbeiten geht. Sagt er jedenfalls.

Ging er aber nicht, stellt sich raus, als er tot ist. Angeblich verunfallt, in Wahrheit erschossen. Er war Geheimagent der Krone. Und Alex Rider ist es auch, er wusste es bisher nur noch nicht.

Jetzt soll er für einen Spezialeinheit eingeschleust werden in eine sinistre Organisation. Die rekrutiert ihre jugendlichen Terroristen in einem Internat für verzogene Milliard?rskinder. Hoch oben in der Einsamkeit der franz?sischen Alpen liegt es. Point Blanc hei?t es.

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Alex Rider wird vom britischen Geheimdienst mit technischen Gimmicks ausgestattet wie sein gro?er Bruder James. Seine Familiengeschichte ist so finster wie die von James und Bruce Wayne und Jason Bourne. Prochaska und Horowitz haben ihn – zur Gewinnmaximierung – auf der Pubert?tsskala ein paar Jahre weiter nach oben geschoben. Was der Geschichte keinen Abbruch tut, sie eher plausibler macht und der Serie eine viel gr??ere Physis erlaubt.

Otto Farrant ist Alex Rider
Otto Farrant ist Alex Rider
Quelle: Des Willie/Eleventh Hour Films/Sony Pictures Television

London – gegenw?rtig ohnehin die Hauptstadt des Serien-Verbrechens – sieht sehr gothamesk und düster aus. Der Rest auch. Der National Trust konnte wieder herrliche Herrenh?user untervermieten. Die Erwachsenen, die sich in deren hohen Hallen von h?chst ?Downton Abbey“-haften Bedienten das Essen servieren lassen, sind angemessen finster, undurchsichtig und weitgehend wenig vertrauenerweckend. Die Farben sind eher – sagen wir – gedeckt.

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Die Musik treibt alles vor sich her. Das Tempo ist ausgewogen. Es bleibt viel Zeit in die Tiefe von Verzweiflung und Freundschaft und Erwachsenwerden zu leuchten.

Kann die ganze Familie gucken. Kann so weiter gehen – ohne Andreas Prochaska allerdings wahrscheinlich, der kein Mann für zweite Staffeln ist und nur den ?Spuren des B?sen“ wahrscheinlich bis zum Ende folgt. Und wer das gesehen hat, dem k?nnte auch… Aber das wird ja gerade erst aus den Resten von ?Alex Rider“ entwickelt.

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