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Kultur Axel-Springer-Neubau er?ffnet

?Die Idee ist einigerma?en verwegen“

| Lesedauer: 4 Minuten
Bundespr?sident Steinmeier betont Verantwortung der Medien in einer Demokratie

In Berlin wurde der Axel-Springer-Neubau feierlich er?ffnet. Geladen war unter anderem Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Rede die Verantwortung der Medien in einer Demokratie betonte.

Quelle: WELT/Marcus Tychsen

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In seiner Rede zur Er?ffnung des Springer-Neubaus auf dem ehemaligen Mauerstreifen würdigt der Bundespr?sident den Architekten Rem Koolhaas und Axel Springer. Koolhaas offenbart ein ?unerh?rtes“ Detail seines Designs.

Das Haus arbeitet l?ngst. W?hrend der Bundespr?sident auf der Plattform über dem Newsroom seine Ansprache h?lt, treten Angestellte an Glasw?nde in den h?heren Etagen und schauen auf die ungewohnte Szenerie.

Andere wiederum bekommen von dem feierlichen Akt der Einweihung gar nichts mit, weil sie mit ger?uschabsorbierenden Kopfh?rern zwischen Umzugskartons sitzen und auf Bildschirme blicken. ?Die Idee, das Internet in einem Geb?ude zu materialisieren klingt einigerma?en verwegen“, sagt Steinmeier nun - die Architektur um ihn beweist, dass genau das passiert ist.

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In seiner Rede zur Er?ffnung des Springer-Neubaus würdigt der Bundespr?sident den Architekten Rem Koolhaas und Axel Springer, der sich mit der deutschen Teilung nie abfinden wollte, die er nie akzeptierte. Deshalb steht das Haus nun auf dem ehemaligen Mauerstreifen - eine sp?te Genugtuung. Pr?sident Steinmeier spricht dann sehr grunds?tzlich über Journalismus im digitalen Zeitalter. Alles verwandele sich in Daten, zitiert er Frank Schirrmacher, ?alles wird zum Medium, Auto, Haus, der eigene K?rper….“.

Dann aber müsse man sich fragen ?ob der Journalismus in diesem, wenn sie so wollen, revolution?ren Umfeld überleben kann oder wie sich journalistische Inhalte gegen den Zugriff der Plattformen behaupten k?nnen, kurz, wie journalistische Arbeiten unter den Bedingungen der Digitalisierung aussehen soll und wie sie finanziert wird.“

?Die Demokratie braucht den professionellen Journalismus“

Den Gedanken ?aus den Kindertagen der social media, jeder sei nun neuerdings zugleich Leser, Journalist und Redakteur“, dieser Gedanke sei wahrscheinlich eher naiv gewesen, so der Bundespr?sident. ?Die Demokratie braucht den professionellen Journalismus den politisch und wirtschaftlich unabh?ngigen Journalismus, der angstfrei agieren kann, der die Balance wahrt zwischen Distanz und Empathie“.

Dass Wirklichkeit tats?chlich keine rein subjektive Angelegenheit ist und auch kein postmodernes Spiel, das spürt man ja im achten Monat des globalen Ausnahmezustandes. Das Auf- und Absetzen der Masken ist den siebzig zur Einweihung geladenen G?sten und Pressevertretern zur Gewohnheit geworden. Niemand streckt mehr die Hand aus und die F?higkeiten, Menschen nur anhand ihrer oberen Gesichtsh?lfte zu identifizieren hat sich unter Homo sapiens sapiens rasant entwickelt. Aber wie sollte es auch anders sein? ?Sp?testens wenn der hartn?ckige Maskenverweigerer sich infiziert hat“, sagt Steinmeier, ?schl?gt die Realit?t zurück.“ Klar, wer damit gemeint ist.

Axel-Springer-CEO Mathias D?pfner, Friede Springer, Rem Koolhaas und Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier
Axel-Springer-CEO Mathias D?pfner, Friede Springer, Rem Koolhaas und Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier
Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

Es ist also mehrfacher Hinsicht ein passender Moment, um ein Medienhaus einzuweihen, ein Geb?ude, in dem die Realit?t die Arbeitsgrundlage ist oder sein sollte. Am 6. Oktober 1966 wurde der damalige Neubau des Axel Springer Verlags er?ffnet, erinnert CEO Mathias D?pfner, der Bürgermeister hie? damals Willy Brandt, der Bundespr?sident Heinrich Lübke. Genau fünfzig Jahre sp?ter wurde nach einem internationalen Architekturwettbewerb mit dem Bau des Koolhaas-Geb?udes begonnen und am 6. Oktober 2020, also heute, wird er?ffnet.

Nicht, denkt man, dass bei so viel Zahlensymbolik noch einer anf?ngt zu viele überlegungen anzustellen, etwa die Quersumme der Er?ffnungjahre mit der Zahl der Fahrstühle zu multiplizieren, geteilt durch die Hutgr??e von Bill Gates, um damit zweifelsfrei zu beweisen, dass – ja, es ist lustig, was sie Leute sich so ausdenken, aber man hat in den vergangenen Monaten erleben müssen, dass es nicht lustig bleibt.

DDR-M?bel im Springer-Hauptquartier

Bei einer anschlie?enden Führung durch das Geb?ude wird noch einmal klar, wie geschickt es in Berlin und an diesem Bauplatz verankert ist, aber auch in der Geschichte der Architektur in diesem Land. Rem Koolhaas ist ein Fan des Architekten der Neuen Nationalgalerie, Mies van der Rohe, dem der Springerbau immer wieder Referenzen erweist - so geht das Muster auf der ?u?eren get?nten Glasfassade auf eine Kreidezeichnung von Mies zurück, in der er einen Glasturm für die Friedrichstra?e skizzierte.

Die hier und da aufgestellten Barcelona-Chairs von Mies van der Rohe sind so gesehen auch ein Zitat, aber Rem Koolhaas w?re nicht Rem Koolhaas wenn er dieses Zitat nicht einen entscheidenden Dreh geben würde. Er führt kurz in ein leeres Büro mit zwei Freischwingern.

Der wei?e, man merkt es erst ehrlicherweise erst jetzt, ist gar kein Barcelona-Chair, sondern ein ostdeutsche Designikone. Entworfen hat sie Rudolph Horn in der DDR. Platziert werden beide Sessel nun einander gegenüber - zwischen Ost und West tut sich kein Graben mehr auf, h?chstens ein Beistelltisch.

DDR-M?bel im Springer-Hauptquartier? Für manchen unerh?rt. Für andere nicht . CEO Mathias D?pfner sagte im Anschluss an die Rede Steinmeiers, er sei davon überzeugt, ?dass dieses Geb?ude Axel Springer ver?ndern werde ?und – ich arbeite daran – auch verbessern.“

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