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Mehr als 100.000 Demonstranten gegen Lukaschenko, Polizei setzt Wasserwerfer ein

| Lesedauer: 3 Minuten
Wei?russische Polizisten setzen in Minsk einen Wasserwerfer gegen Demonstranten ein Wei?russische Polizisten setzen in Minsk einen Wasserwerfer gegen Demonstranten ein
Wei?russische Polizisten setzen in Minsk einen Wasserwerfer gegen Demonstranten ein
Quelle: dpa/Uncredited
Am Sonntag protestierten mehr als 100.000 Menschen gegen den wei?russischen Machthaber Alexander Lukaschenko. In Minsk kamen auch Wasserwerfer zum Einsatz, das Menschenrechtszentrum Wesna spricht von weit mehr als 100 Festnahmen.

Mehr als 100.000 Menschen haben bei einem gro?en Protestmarsch in Wei?russland für ?Freiheit“ und gegen Machthaber Alexander Lukaschenko protestiert. ?Die ganze Welt sieht: Die Wei?russen wollen in Freiheit leben und nicht in einem Gef?ngnis“, sagte die 38-j?hrige Swetlana Tichanowskaja am Sonntag mit Blick auf die neuen gro?en Proteste in ihrer Heimat.

Die von der Demokratiebewegung in Wei?russland als Siegerin der Pr?sidentenwahl vom 9. August angesehene Bürgerrechtlerin wird an diesem Dienstag auch in Berlin erwartet. Dort trifft sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Der Zustrom unerschrockener Menschen bei den gr??ten und l?ngsten Protesten in der Geschichte des Landes sei ungebrochen, teilte die Opposition in Minsk mit. Lukaschenkos Machtapparat setzte einmal mehr auch die Armee sowie mehrere Panzerfahrzeuge ein, um die Menschen abzuschrecken. Das unabh?ngige Nachrichtenportal ?tut.by“ berichtete von Gefangenentransportern und gesperrten zentralen Pl?tzen der Stadt. Besonders gro? war demnach das Aufgebot am Pr?sidentenpalast.

Auch Journalisten wurden festgenommen

Metrostationen waren gesperrt. Das mobile Internet funktionierte nicht. Trotzdem fanden sich die Menschenmengen aus unterschiedlichen Richtungen der Stadt zu einem Protestzug zusammen. Viele schwenkten dabei die historische wei?-rot-wei?e Fahne – die Farben der Revolution.

In Minsk kamen auch Wasserwerfer zum Einsatz, wie die Beh?rden best?tigten. Uniformierte in Sturmhauben und ohne Erkennungszeichen gingen erneut brutal gegen die friedlichen Demonstranten bei der nicht genehmigten Kundgebung vor. Schon zu Beginn der traditionellen Nachmittagsdemonstration gab es zahlreiche Festnahmen, darunter waren auch Journalisten. Das Menschenrechtszentrum Wesna sprach am sp?ten Nachmittag von weit mehr als 100 Festnahmen.

Eine unabh?ngige Berichterstattung über die Proteste war nun das erste Mal kaum m?glich, weil das Au?enministerium allen Auslandskorrespondenten am Freitag die Arbeitserlaubnis entzogen hatte. Das war eine von mehreren Reaktionen auf Sanktionen der EU gegen Unterstützer von Lukaschenko. Etwa 40 Funktion?re des Landes sind von Reise- und Kontosperren betroffen. Auch die USA hatten mehrere Gefolgsleute von Lukaschenko bestraft.

Ein 41-J?hriger starb im Gef?ngnis

Der EU-Au?enbeauftragte Josep Borrell kritisierte das Vorgehen der Regierung scharf. ?Die EU unterstützt weiter das demokratische Recht des wei?russischen Volkes, seinen Pr?sidenten durch neue freie und faire Wahlen zu bestimmen“, erkl?rte er am Sonntag in Brüssel. Tichanowskaja, die sich auch schon mit Borrell getroffen hat, fordert den Rücktritt Lukaschenkos und rasche Neuwahlen um das Pr?sidentenamt.

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Der Protest war diesmal vor allem den politischen Gefangenen im Land gewidmet. Die Menschen forderten die Freilassung der Inhaftierten. Auch in anderen St?dten des Landes gab es Aktionen. Besonders Tichanowskaja ruft aus ihrem Exil im EU-Land Litauen heraus zu den Massenprotesten auf. Sie beklagte am Sonntag, dass es ein weiteres ?Opfer des Regimes“ Lukaschenko gebe.

Im Gef?ngnis starb, wie die Beh?rden best?tigten, ein 41-j?hriger Mann. Nach offiziellen Angaben war er aus einem Doppelstockbett gefallen und hatte sich dabei t?dliche Verletzungen zugezogen. Dagegen warf Tichanowskaja den Beh?rden ?Lügen“ vor. ?rzte h?tten eine eingeschlagene Sch?deldecke mit offenem Sch?delbruch, gebrochene Rippen und Blutergüsse sowie andere Verletzungen am K?rper des Mannes festgestellt, sagte sie.

Lukaschenko erhielt angeblich 80 Prozent der Stimmen

Der Vorfall ereignete sich demnach in dem berüchtigten Gef?ngnis an der Okrestin-Stra?e in Minsk. Dort hatten Augenzeugen zuletzt von massenhaften Prügelattacken und anderen schweren Misshandlungen von Gefangenen berichtet.

Seit der umstrittenen Pr?sidentenwahl Anfang August erlebt Wei?russland die gr??ten Proteste in der Geschichte der Ex-Sowjetrepublik. Lukaschenko hatte sich bei der Wahl 80,1 Prozent der Stimmen zusprechen lassen. Er lie? sich nach 26 Jahren an der Macht zum sechsten Mal in Folge vereidigen. Die EU erkennt den 66-J?hrigen nicht mehr als Pr?sidenten an.

Der russische Pr?sident Wladimir Putin hatte Lukaschenko dagegen zum Sieg gratuliert und ihm Unterstützung zugesichert. Menschenrechtler werfen Lukaschenkos Machtapparat Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Es gab bereits mehrere Tote, Hunderte Verletzte und mehr als 10.000 Festnahmen.

dpa/jr

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