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Ausland US-?rzte berichten

?Ich habe bei der Covid-Impfung eigentlich nichts gespürt“

| Lesedauer: 4 Minuten
USA-Korrespondent , Birmingham/Alabama
Logistische Herausforderung – So wird in Deutschland geimpft

Die über 80-J?hrigen und Schwerkranke sind zuerst dran. L?uft alles wie geplant, geht es am 27. Dezember mit den Corona-Impfungen los. Doch wie erf?hrt man, wann man dran ist mit dem rettenden Piks?

Quelle: WELT/ Achim Unser

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In der Klinik, in der sie arbeiten, sollen 170 Menschen am Tag geimpft werden. Zwei amerikanische ?rzte, die soeben selbst gegen Covid geimpft worden sind, sprechen über ihre Erfahrungen, den Neid von Verwandten – und die Ungeduld der Europ?er.

Drei über 90-j?hrige ehemalige Kriegsgefangene waren die ersten Patienten, die am Dienstag die Anti-Covid-Impfung im Veteranen-Krankenhaus in Birmingham (US-Bundesstaat Alabama) erhalten haben. Nun werden dort neben ?lteren ehemaligen Milit?rangeh?rigen die ?rzte und Krankenschwestern geimpft.

WELT sprach am Donnerstag mit zwei ?rzten, nachdem sie die Pfizer/Biontech-Impfung erhalten haben. Zun?chst will das Krankenhaus, das dem Veteranen-Ministerium untersteht, 170 Menschen am Tag impfen. Der Impfstoff wird strikt gesichert.

Sean R. Hatton, Internist und Chef mehrerer Ambulanzstationen im Birmingham VA Medical Center in Birmingham/Alabama
Sean R. Hatton, Internist und Chef mehrerer Ambulanzstationen im Birmingham VA Medical Center in Birmingham/Alabama
Quelle: Daniel Friedrich Sturm

WELT: Wie haben Sie die Covid-Impfung erlebt?

Sean R. Hatton, Internist und Chef mehrerer Ambulanzstationen: Für mich pers?nlich war es sehr gut. Ich lasse mich jedes Jahr gegen die Grippe impfen. Gestern bekam ich die Covid-Impfung, und es war eigentlich weniger als die Grippeimpfung, die ich dieses Jahr schon l?ngst hatte. Ich habe bei der Covid-Impfung eigentlich nichts gespürt. Mein Arm hat gestern Abend und heute Morgen ein bisschen geschmerzt. Das war‘s aber dann auch.

WELT: Haben Sie in den letzten Monaten Covid-Patienten behandelt?

Hatton: Ja. Wir haben eine ganze Reihe von Covid-Patienten behandelt, sowohl hier im Krankenhaus als auch extern, also bei den Patienten zu Hause.

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WELT: Was sagen Sie dazu, dass Umfragen zufolge viele Menschen in den USA wie in Europa dem Impfstoff gegenüber skeptisch sind?

Hatton: Ich denke, ein Teil davon hat mit einem Mangel an Vertrauen in die Wissenschaft zu tun. Ich vertraue der Wissenschaft, ich vertraue den führenden Medizinern, die uns informieren. Das ist für mich der entscheidende Punkt, wichtiger als das, was in den Medien und anderswo zu h?ren ist. Es gibt eine Informationsüberflutung. Aber ich bin Mediziner, der Fachartikel liest, der den Richtlinien der Seuchenschutzbeh?rde CDC und der Arzneimittelbeh?rde FDA folgt. Wenn sich die Leute an diesen Richtlinien orientierten und den medizinischen Fachleuten vertrauten, w?ren wir heute in einer viel besseren Lage.

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WELT: Ist Ihr Familien- und Freundeskreis bereit, sich impfen zu lassen?

Hatton: Oh ja. Ich lebe schon seit Jahrzehnten in Amerika, w?hrend meine Eltern in Gro?britannien leben. Sie sind jetzt sehr neidisch darauf, dass ich die Impfung frühzeitig bekommen habe, weil ich im Gesundheitswesen t?tig bin. Ich bin jetzt mit ihnen regelm??ig per WhatsApp im Austausch, sage ihnen, wie es mir nach der Impfung geht, dass alles gut gelaufen ist. Das ist mir wichtig, gerade weil es eine Menge Befürchtungen über die Impfung gibt. Meine Eltern vertrauen mir, hoffen auf die Impfung, zumal sie sich schon seit einigen Monaten zu Hause abgeschirmt haben. Für den Rest meiner Familie gilt das Gleiche. Ich bin der einzige Arzt in meiner Familie, sie folgen meinem Rat.

Andrew Sellers, Internist, Leiter des medizinischen Dienstes im Birmingham VA Medical Center in Birmingham/Alabama
Andrew Sellers, Internist, Leiter des medizinischen Dienstes im Birmingham VA Medical Center in Birmingham/Alabama
Quelle: Daniel Friedrich Sturm

WELT: Wie war die Erfahrung, geimpft zu werden?

Andrew Sellers, Internist, Leiter des medizinischen Dienstes: Es war gut. Unser Team hat wirklich gute Arbeit geleistet, um den Prozess zu rationalisieren. Man füllt die Formulare aus, wird über den Impfstoff aufgekl?rt, bekommt die Spritze, dann sitzt man da und beobachtet sich etwa 15 Minuten lang. Die eigentliche Injektion ?hnelt der Grippeschutzimpfung.

WELT: Haben Sie irgendwelche Nebenwirkungen gespürt?

Sellers: Nein, aber ich habe meine Impfung auch erst vor einer Stunde bekommen.

WELT: Viele Menschen sind sehr zurückhaltend, wenn es um die Impfung geht. Verstehen Sie das?

Sellers: Ich verstehe die Bedenken. Es war ein verrücktes Jahr. Einige Menschen haben die Vermutung, dass man, um schnell einen Impfstoff zu bekommen, nicht gründlich genug war. Ich habe keine Beweise dafür gesehen. Die Daten, die wir haben, zeigen, dass die Impfung sicher und effektiv ist. Der Nutzen des Impfstoffs wird hoffentlich dazu beitragen, die Pandemie einzud?mmen. Ich denke, das überwiegt jedes theoretische Risiko, das damit einhergeht.

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WELT: Dieser Impfstoff wurde von zwei Firmen, Pfizer und Biontech, in den USA und Deutschland entwickelt …

Sellers: Das ist ein wunderbares Beispiel dafür, was gelingen kann, wenn Einzelpersonen und in diesem Fall Unternehmen für das Gemeinwohl zusammenarbeiten, selbst wenn es dabei auch um Profit geht. Es ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir vor 13 oder 14 Monaten noch nie von diesem Virus geh?rt haben und jetzt den Impfstoff auf breiter Front verabreichen.

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WELT: Die EU hat den Impfstoff noch nicht zugelassen. K?nnen Sie verstehen, dass viele Europ?er jetzt ungeduldig sind?

Sellers: Sicher verstehe ich die Ungeduld der Europ?er. Hier sind auch viele Leute ungeduldig. Wir müssen aber versuchen, das perspektivisch zu sehen. Die Pandemie dauert nun schon ein Jahr. Wir wollen zwar schnell handeln, aber die Prozesse ben?tigen nun einmal etwas Zeit.

WELT: Was halten Sie davon, wenn sich jetzt Menschen ohne Masken versammeln, Partys feiern?

Sellers: Das ist bedauerlich. Unsere Krankenh?user sind überfüllt, wir arbeiten hart. Und wir bitten die Menschen, auch wenn sie geimpft worden sind: Tragen Sie weiterhin eine Maske, betreiben Sie weiterhin physische Distanz. Versuchen Sie einfach, weise zu sein. Hoffentlich ist das Ende der Pandemie in Sicht, aber jetzt sind wir noch nicht so weit. Die Impfung gestern, heute oder n?chste Woche zu bekommen tr?gt nicht dazu bei, die jetzige Welle zu brechen. Wir sollten vernünftig und vorsichtig bleiben.

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