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US-Wahl Covid-Infektion

Trump im Krankenzimmer –?und Biden ?ndert pl?tzlich seine Wahlkampf-Strategie

| Lesedauer: 7 Minuten
USA-Korrespondent
Dr. Conley: ?Trump war etwa eine Stunde lang am Beatmungsger?t“

Bei der ersten Pressekonferenz des ?rzte-Teams von Donald Trump wurde es noch verschwiegen, nun gab Dr. Sean Conley zu: der erkrankte US-Pr?sident erhielt am 2. Oktober eine Stunde lang Sauerstoff. Sein Zustand habe sich aber deutlich verbessert.

Quelle: WELT

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Trump k?nnte am Montag das Walter Reed Hospital verlassen. Seine Kundgebungen aber bleiben abgesetzt, die Zeit bis zur Wahl ist knapp. Herausforderer Biden rückt überraschend von einer monatelangen Strategie ab. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

?Als ich hierherkam, fühlte ich mich nicht so gut. Jetzt fühle ich mich viel besser“, sagte Donald Trump in einer am Samstagabend ver?ffentlichten Videobotschaft aus dem Milit?rkrankenhaus Walter Reed. Es war die erste Ansprache des Pr?sidenten aus einer Klinik. In den n?chsten Tagen komme ?die wahre Prüfung“, sagte der Pr?sident in seiner Botschaft, fügte aber hinzu: ?Ich denke, ich werde bald zurück sein.“

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Zu Beginn des Wochenendes sandten seine ?rzte und das Wei?e Haus widersprüchliche Botschaften. Bei den Aussagen der ?rzte handelt es sich nicht um unabh?ngige Analysen. Viele Amerikaner sind skeptisch, da das Wei?e Haus und Trump zu anderen Themen immer wieder falsche und irreführende Aussagen gemacht haben.

Was sagen die ?rzte?

Wenn es ihm weiter so gut gehe wie bisher, k?nne er wom?glich schon am morgigen Montag entlassen werden, hie? es bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend. Er sei auf und verbringe nun ?viel Zeit au?erhalb des Bettes“. Die Sauerstoffwerte des Pr?sidenten seien in den vergangenen Tagen zweimal kurz gefallen, er sei mit Steroiden behandelt worden und für eine Stunde an ein Beatmungsger?t angeschlossen worden. Das klang kurz zuvor noch anders.

Der Pr?sident sei ?noch nicht über den Berg“, hatte sein Leibarzt Sean Conley in der Nacht zu Sonntag mitgeteilt. Er habe aber bereits am Samstag gearbeitet und eine zweite Dosis des zun?chst als Ebola-Medikament entwickelten Stoffes Remdesivir erhalten. Am Sonntagabend sagte Conley dann mit Blick auf kursierende Spekulationen, er habe ?nicht versucht, etwas zu verbergen“. Vielmehr sei ihm daran gelegen gewesen, die ?optimistische Einstellung“ von Trump und seines ?rzteteams widerzuspiegeln.

Zuvor hatte es Verwirrung über den Zeitpunkt von Trumps Covid-Diagnose gegeben. US-Medien berichten zudem, Donald Trump sei wütend auf seinen Stabschef Mike Meadows gewesen. Der hatte zu Beginn des Wochenendes gesagt, Trumps Zustand sei in den vergangenen 24 Stunden ?sehr besorgniserregend“ gewesen.

Trump w?hrend der Ansprache aus seinem Krankenhauszimmer
Trump w?hrend der Ansprache aus seinem Krankenhauszimmer

Seit wann ist von Entlassung die Rede?

Darüber spekulierten die ?rzte überraschend am am Sonntagmittag. Seine Behandlung k?nne vermutlich im Wei?en Haus fortgesetzt werden, hie? es. Aber: Trump ist 74 Jahre alt, mit 110 Kilogramm leicht übergewichtig und daher Risikopatient. Bei seiner Einlieferung in das Milit?rkrankenhaus am Freitag war zun?chst von einem Aufenthalt ?einiger Tage“ die Rede. ?rzte sprechen von einer kritischen Phase von sieben bis zehn Tage nach einer Covid-Infektion. Sollte sich Trump bei der Pr?sentation seiner Kandidatin für den Obersten Gerichtshof am 26. September im Rosengarten des Wei?en Hauses angesteckt haben, w?re diese Phase am Dienstag vorüber. Im Falle einer Ansteckung w?hrend des Hubschrauber-Fluges mit seiner infizierten Beraterin Hope Hicks am vorigen Mittwoch, w?re diese Phase Ende dieser Woche erreicht.

Kann Trump an Kundgebungen teilnehmen?

Vorerst nicht, s?mtliche Termine sind abgesagt. Die Zeit l?uft davon, gew?hlt wird am 3. November, in weniger als einem Monat. Um die Wahlkampf-Lokomotive Trump zu ersetzen, sollen nun seine Kinder und Vizepr?sident Mike Pence einspringen.

Trumps Wahlkampfteam rief dafür am Wochenende die ?Operation MAGA“ aus – in Anlehnung an das Motto ?Make America Great Again“, mit dem es Trump vor vier Jahren ins Wei?e Haus geschafft hatte. Der Pr?sident sagte in seiner Videobotschaft, er wolle ?den Wahlkampf so abschlie?en, wie er begonnen hat“. Das hie?e, unmittelbar vor der Wahl fl?ge er von Bundesstaat zu Bundesstaat, hielte mindestens eine Kundgebung am Tag ab.

Trump will ungeachtet seiner Corona-Infektion bei grünem Licht der ?rzte so schnell wie m?glich wieder in den Wahlkampf eingreifen – und sogar das zweite TV-Duell mit Joe Biden bestreiten. Das deutete Regierungssprecherin Kayleigh McEnany am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders Fox News an. Ihr Chef sei ?sehr zuversichtlich, unverzüglich wieder drau?en zu sein, wenn die ?rzte es für angemessen halten“, sagte sie.

Für kurze Zeit verlie? Trump am Sonntagabend die Klinik, um sich an Anh?ngern vorbeifahren zu lassen.

Wer wurde noch positiv getestet?

Allein acht Personen, die am 26. September in den Rosengarten gekommen waren: Donald und Melania Trump, die republikanischen Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, Trumps einstige Beraterin Kellyanne Conway, New Jerseys Ex-Gouverneur Chris Christie, der Pr?sident der katholischen Privatuniversit?t Notre Dame, John Jenkins sowie ein ungenannter Korrespondent. Der gro?e Teil der über 150 Teilnehmer der Veranstaltung trug keine Maske, verzichtete auf den Sicherheitsabstand. Im Internet kursieren Filme, die Senator Lee beim Umarmen anderer G?ste zeigen.

Wird Trump seinen Umgang mit Corona ?ndern?

Seit Monaten spielt Trump das Virus herunter, sehr wohl um seine Gefahr wissend – und obwohl er selbst Freunde infolge von Corona verloren hat. Trump hatte das Tragen der Maske politisiert. Deshalb wird in republikanisch gepr?gten Staaten wenig Maske getragen, bei Trumps Kundgebungen taten dies nur einzelne Besucher.

?So aufregend, Adrenalin pumpt durch meinen ganzen K?rper, so viel Liebe“

Donald Trump befindet sich mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus. Sein Gesundheitszustand soll aber gut sein. Das Wei?e Haus zeichnet das Bild von einem arbeitsf?higen Pr?sidenten. WELT-Reporter Steffen Schwarzkopf beschreibt die Stimmung vor dem Krankenhaus.

Quelle: WELT

Im Wei?en Haus herrscht eine regelrechte Anti-Masken-Kultur. Dass Trump nun (mit über 208.000 Opfern und 7,3 Millionen Infektionen) seinen Kurs so knapp vor der Wahl umkehrt, ist trotzdem unwahrscheinlich. Sollte er alsbald gesund werden, so k?nnte er dies mit der Botschaft verbinden: Seht her, ich habe das Virus besiegt. Wie das bei den Millionen Amerikanern ank?me, die Familienmitglieder und Freunde verloren haben? Unklar.

Was macht Vizepr?sident Mike Pence

Er h?lt sich seit einigen Tagen in seiner Residenz in Washington auf, meidet das Wei?e Haus. Der Vizepr?sident und seine Ehefrau wurden jüngst negativ auf Corona getestet. Er dürfte sich weiterer Tests unterziehen. Pence würde für Trump einspringen, w?re dieser nicht mehr in der Lage, sein Amt auszuführen. Grunds?tzlich gilt: Im Falle eines Todes des Pr?sidenten würde er im Amt nachrücken. So ist es im 25. Zusatzartikel der Verfassung geregelt.

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Insgesamt haben in der amerikanischen Geschichte acht Vizepr?sidenten den Pr?sidenten nach dessen Tod ersetzt, zuletzt 1963: Da folgte Lyndon B. Johnson auf den erschossenen John F. Kennedy. Gerald Ford beerbte 1974 Richard Nixon mit dessen Rücktritt. Pence will in dieser Woche für den Wahlk?mpfer Trump einspringen. Für Donnerstag hat er eine Kundgebung in Arizona ankündigen lassen.

Wann folgt der n?chste H?hepunkt im Wahlkampf?

Sofern absehbar, der kommende Mittwochabend in Salt Lake City (Bundesstaat Utah). Da ist ab 19 Uhr Ortszeit (Donnerstagmorgen 3 Uhr MESZ) die einzige TV-Debatte von Vizepr?sident Mike Pence mit der demokratischen Vize-Kandidatin Kamala Harris angesetzt. Der Debatte kommt nun h?heres Gewicht zu als ursprünglich vermutet. Pence würde Trump im Fall der F?lle als Pr?sident beerben. Sollte der Demokrat Joe Biden, 77, die Wahl gewinnen, dürfte ?ffentlich sogleich diskutiert werden, ob und wie gegebenenfalls seine Vizepr?sidentin Harris ihn beerbt. Im Falle von Bidens Wahlsieg w?re er bei der Inauguration im Januar 2021 78 Jahre alt – und damit der ?lteste Pr?sident in der amerikanischen Geschichte.

Was macht Joe Biden?

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Am Sonntag hatte er keine Termine, bei denen er auftrat, weilte in seinem Haus in Wilmington (Bundesstaat Delaware). Ansonsten hat Biden zuletzt seinen Wahlkampf ausgebaut, war mehrfach aufgetreten, trug stets eine Maske, jüngst sogar w?hrend er sprach. Er tourt durch Schlüsselstaaten, will am Donnerstag erstmals seit langer Zeit gemeinsam mit Kamala Harris, seiner Kandidatin für das Vizepr?sidenten-Amt, auftreten – im Bundesstaat Arizona.

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Bidens Wahlkampagne ermuntert inzwischen ihre Anh?nger, an Haustüren (mit Masken) für den Kandidaten zu werben. Das ist eine Abkehr von der monatelangen Strategie totaler physischer Distanz. Die Trump-Kampagne fragte Biden am Sonntag, warum er dies nun tue, ?nachdem Sie monatelang gesagt haben, es sei gef?hrlich, an Türen zu klopfen“. Trumps Sohn Eric sagte am Samstag: ?Biden wünscht sich, er h?tte nur ein Hundertstel der Begabung, die mein Vater in diesem Augenblick hat.“

Was sagen die Umfragen?

Belastbare bundesweite Erhebungen nach Bekanntwerden von Trumps Infektion gibt es noch nicht. Die Auswirkungen der Erkrankung des Pr?sidenten auf das Wahlverhalten l?sst sich schwerlich seri?s prognostizieren. Trump k?nnte von einem Mitleidseffekt profitieren – oder weiter Glaubwürdigkeit in seinem Corona-Krisenmanagement verlieren. In den bundesweiten Umfragen liegt Biden derzeit im Schnitt rund acht Prozentpunkte vor Trump, Tendenz zuletzt steigend. Die jüngste Umfrage von NBC und ?Wall Street Journal“ sieht Biden gar bei 53 Prozent, Trump bei 39 Prozent. Befragt wurden die Bürger vor Bekanntwerden von Trumps Infektion.

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mit dpa

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