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Gesundheitsminister Spahn bü?t an Beliebtheit stark ein

| Lesedauer: 4 Minuten
Redakteurin Innenpolitik
Spahn – ?Wir haben mehr als genug Impfstoff bestellt“

Wegen des schleppenden Impfbeginns steht die Bundesregierung in der Kritik. Gesundheitsminister Jens Spahn versichert, man habe genug Impfstoff bestellt, um im Sommer jedem in Deutschland eine Impfung anbieten zu k?nnen.

Quelle: WELT

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Der Bundesgesundheitsminister kommt inmitten der schleppend anlaufenden Corona-Impfkampagne auf den niedrigsten Zufriedenheitswert seit Mai. Der Anteil der Bürger, die sich auf jeden Fall impfen lassen wollen, steigt sprunghaft an.

Bisher war er einer der gr??ten politischen Krisengewinner der Pandemie: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Seine Bekanntheit und seine Beliebtheit wuchsen seit dem Frühjahr bis auf wenige Ausnahmen konstant; sogar die Opposition lobte den CDU-Politiker fast durchweg für sein Krisenmanagement. Ende Dezember zog Spahn einer repr?sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar zufolge mit einem Prozentpunkt sogar an seiner Parteikollegin Angela Merkel vorbei und wurde zum angesehensten Politiker der Republik.

Doch die Ereignisse in der Corona-Krise überschlagen sich schnell – und damit auch die Stimmungen in der Bev?lkerung. Laut dem Deutschlandtrend, der von Infratest Dimap im Auftrag von WELT und ARD-?Tagesthemen“ durchgeführt wurde, hat Spahn Anfang Januar deutlich an Rückhalt eingebü?t. Der Befragung von Montag und Dienstag zufolge verlor er bei der Zustimmung der Bürger acht Prozentpunkte. W?hrend im Dezember noch 64 Prozent der Bev?lkerung mit dem Minister sehr zufrieden oder zufrieden waren, sind es mittlerweile nur noch 56 Prozent. Damit f?llt Spahn auf seinen niedrigsten Zufriedenheitswert seit Mai 2020.

Quelle: Infografik WELT

Im Vergleich zu anderen Bundespolitikern rutscht der Gesundheitsminister im Ranking vom zweiten Platz hinter Kanzlerin Merkel (72 Prozent Zustimmung) auf den dritten Platz. Vor ihm liegt auch Bayerns Ministerpr?sident Markus S?der (CSU). Doch die Differenz zwischen den beiden ist knapp:

S?der liegt lediglich mit einem Prozentpunkt vor Spahn. In der Bewertung folgen Finanzminister Olaf Scholz (SPD, 55 Prozent), Au?enminister Heiko Maas (SPD, 45 Prozent) und Innenminister Horst Seehofer (CSU, 42 Prozent).

Grund für Spahns deutliche Einbu?en ist wohl die laufende Debatte zu den Vers?umnissen der Bundesregierung bei der Beschaffung der Impfstoffe gegen Covid-19. Kritiker werfen insbesondere dem Gesundheitsminister und der Kanzlerin vor, im Rahmen des EU-weiten Einkaufs zu sp?t und zu wenige Impfstoffdosen von geeigneten Herstellern bestellt zu haben – vor allem von Biontech/Pfizer.

Dass Deutschland nicht im nationalen Alleingang eingekauft hat, wird vom Gro?teil der Bev?lkerung allerdings begrü?t: 70 Prozent befürworten das gemeinsame Vorgehen der Europ?ischen Union (EU). Vor allem unter Parteianh?ngern der Grünen ist die Begeisterung gro? (94 Prozent), gefolgt von Anh?ngern der SPD (79), Linkspartei (78) und CDU/CSU (75). Anh?nger der FDP sind etwas skeptischer: Zwei Drittel befürworten das EU-weite Vorgehen; bei der AfD ist es nur etwa jeder Dritte.

Kritischer sieht die knappe Mehrheit der Befragten die Geschwindigkeit der Ende Dezember in Deutschland begonnenen Impfungen. 52 Prozent sind der Ansicht, dass zu langsam geimpft werde; für 36 Prozent ist das Tempo angemessen.

Ins Auge fallen hierbei die Unterschiede bei den jeweiligen Parteianh?ngern: 77 Prozent der FDP-Anh?nger bem?ngeln das Impftempo, gefolgt von 63 Prozent der SPD-Anh?nger.

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In den vergangenen Tagen waren es auch insbesondere die sozialdemokratischen Politiker, die Gesundheitsminister Spahn wegen dessen Impfpolitik hart angriffen. So übergab etwa Vizekanzler Scholz Spahn einen umfassenden vierseitigen Fragebogen zur Beantwortung – ein Affront in den Augen des Koalitionspartners Union.

Von ?chaotischen Zust?nden“ sprach am Wochenende auch SPD-Generalsekret?r Lars Klingbeil; der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post forderte gar einen Untersuchungsausschuss.

Die geringsten Probleme mit dem Impftempo haben derweil die Anh?nger der Grünen – lediglich 45 Prozent empfinden den Prozess als zu langsam; neun Prozent geht es sogar zu schnell.

überraschend ist auch das Ergebnis zur Anh?ngerschaft der AfD: Die Partei ist zuletzt zunehmend durch ihre N?he zum Lager der Impfgegner und der ?Querdenken“-Bewegung aufgefallen. Jeder zweite AfD-Unterstützer aber empfindet die Impfungen ebenfalls als zu langsam. Dies k?nnte jedoch auch mit einer grunds?tzlichen Ablehnung des Regierungshandelns zu tun haben.

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Quelle: dpa; Infografik WELT/J?rn Baumgarten

Die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs durch die Europ?ische Arzneimittelagentur Ende Dezember hat derweil die Impfbereitschaft der Deutschen offenbar deutlich beflügelt. Im Vergleich zum November ist die Zahl derjenigen, die sich ?auf jeden Fall“ impfen lassen wollen, von 37 Prozent auf 54 Prozent stark gestiegen.

Insgesamt wollen sich nun drei Viertel der Bev?lkerung ?wahrscheinlich“ oder ?auf jeden Fall“ impfen lassen. Psychologisch k?nnte der Stimmungswandel auch mit der Debatte über die begrenzte Verfügbarkeit des Impfstoffes und mit den Erfolgsmeldungen aus L?ndern wie Israel oder Gro?britannien zu tun haben.

Quelle: Infografik WELT

Die Zahl der Skeptiker ging deutlich zurück: Wollten sich im November noch 29 Prozent ?wahrscheinlich nicht“ oder ?auf gar keinen Fall“ impfen, sind es heute noch 23 Prozent.

Auch die Themen CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur der Union wurden im Deutschlandtrend abgefragt. Im Vorfeld des voraussichtlich am Freitag kommender Woche startenden CDU-Bundesparteitags sprechen sich weiterhin 27 Prozent der Befragten für Friedrich Merz als künftigen Parteivorsitzenden aus, gefolgt vom aufholenden Norbert R?ttgen mit 22 Prozent (plus sechs Punkte) und dem weiterhin abgeschlagenen Armin Laschet (18 Prozent, plus drei Punkte). Die Vergleichswerte beruhen auf dem Deutschlandtrend im ARD-?Morgenmagazin“ aus dem November 2020.

Quelle: Infografik WELT
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Bei der Frage nach einem geeigneten Kanzlerkandidaten schneidet CSU-Chef S?der mit Abstand am besten ab: 55 Prozent der Befragten halten ihn für einen guten Kandidaten. Friedrich Merz (35 Prozent) und Norbert R?ttgen (34 Prozent) liegen fast Kopf an Kopf. Das Schlusslicht ist auch hier Laschet – mit 27 Prozent.

Für den Deutschlandtrend hat Infratest Dimap am 4. und 5. Januar 2021 1020 Wahlberechtigte befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten.

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