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Hamburg Erfolgreiche Gründer

Als Arbeitsloser setzt dieser Hamburger seine Millionen-Idee um

| Lesedauer: 4 Minuten
Appinio-CEO Jonathan Kurfess konnte gro?e Kunden gewinnen, die sehr gezielte Meinungserhebungen ben?tigen Appinio-CEO Jonathan Kurfess konnte gro?e Kunden gewinnen, die sehr gezielte Meinungserhebungen ben?tigen
Appinio-CEO Jonathan Kurfess konnte gro?e Kunden gewinnen, die sehr gezielte Meinungserhebungen ben?tigen
Quelle: Bertold Fabricius
Als Jonathan Kurfess seinem damaligen Arbeitgeber ein Konzept für bessere Marktforschung pr?sentiert, ist dieser nicht interessiert. Also gründet er selbst. Appinio wird ein Erfolg und er selbst von ?Forbes“ in eine Bestenliste aufgenommen.

Was für eine Achterbahnfahrt! Als 23-J?hriger steht Jonathan Kurfess in der Warteschlange beim Arbeitsamt, sechs Jahre sp?ter zeichnet ihn das Wirtschafsmagazin ?Forbes“ in der Best-of-Liste ?30 unter 30“ als einen der erfolgreichsten europ?ischen Jungunternehmer aus. Kurfess ist Gründer des digitalen Marktforschungsunternehmens Appinio. Mit seiner Gesch?ftsidee, Unternehmen repr?sentative Befragungen ihrer Zielgruppen in wenigen Minuten zu erm?glichen, hat der Shootingstar die Branche durcheinandergewirbelt.

Die Idee kam dem heute 30-J?hrigen w?hrend seines Studiums an der Hamburg School of Business Administration. Die klassische Marktforschung erschien ihm ?zu langsam, zu teuer und basierend auf schlechter Datenqualit?t“. Geht das nicht besser? Kann Marktforschung für die Unternehmer nicht schneller und für die Befragten nicht attraktiver sein?

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Kurfess entwickelte ein Konzept. Beim Zigarettenkonzern Reemtsma, wo er parallel zu seinem Studium im Marketing arbeitete, stie? er damit auf taube Ohren. Also kündigte er, ging nach Berlin, wo er ein paar Monate für ein Start-up arbeitete bevor er zurück nach Hamburg kam, sich arbeitslos meldete und begann, den Plan für Appinio zu schmieden. 2014 war es soweit: Zusammen mit Kai Grana? hob Kurfess in einer kleinen Abstellkammer im Hafen seine Marktforschungsfirma der etwas anderen Art aus der Taufe – ?ohne eigentlich zu wissen wie man gründet“, gibt er heute zu. ?Aber es hat funktioniert.“

?Das ist die schnellste repr?sentative Marktforschung der Welt“

Und wie: Mehr als 700 Unternehmen, darunter Beiersdorf, Haspa, die Otto-Tochter About you, Telekom, VW und Unilever, nutzen die innovative Marktforschungsmethode ?developed in Hamburg“ bereits. ?Die Unternehmen k?nnen auf unserer Plattform eine gewünschte Zielgruppe angeben, beispielsweise 1000 weibliche Kunden zwischen 18 und 28 Jahren, die in Norddeutschland wohnen und gerne gesund essen“, erkl?rt Kurfess.

Auf Tastendruck schickt sein IT-System den Usern unter den rund 500.000 Appinio-App-Nutzern, die in dieses Raster passen, eine Push-Nachricht auf ihr Smartphone. Die beantworten die Fragen, das Kurfess-Team wertet das Feedback aus und stellt die Analyse dem Auftraggeber zur Verfügung.

?Das ist die schnellste repr?sentative Marktforschung der Welt“, behauptet der Entrepreneur. ?Wir schaffen in fünf bis acht Minuten bis zu 1000 Umfragen.“ Der Vorteil für die Unternehmen: Sie bekommen fast in Echtzeit ein Bild von der Meinung ihrer Zielgruppe, k?nnen den Konsumenten als konstanten Sparringspartner in ihre Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse integrieren.

Schnelligkeit ist das eine, hohe Datenqualit?t das andere. Um Nutzer in die App zu locken, haben Kurfess und seine 50-k?pfige Mannschaft ein soziales Netzwerk für Meinungen aufgebaut, in dem jeder Fragen stellen und beantworten kann. In dieses spielerisch anmutende Community-Leben streuen die Hamburger die von den Unternehmen bezahlten Umfragen ein.

Diese Art, Menschen für Marktforschung zu begeistern, nennen Fachleute ?intrinsische Motivation“. Genutzt wird die innere Bereitschaft von Teilnehmern, die bei T?tigkeiten entsteht, die man gern ausführt, weil sie Spa? machen, sinnvoll oder herausfordernd sind oder einen schlicht interessieren. ?Das sind hochmotivierte Konsumenten“, erkl?rt Andreas Trautmann, früher Chef von Werbeagenturen wie BBDO und McCann-Erickson, heute Berater auch von Appinio: ?So bekommt man viel ehrlichere Antworten als bei herk?mmlichen Befragungen.“ Torsten-J?rn Klein, Ex-Chef von Bertelsmann Buchclub und Gruner + Jahr, nennt das Kurfess-Konzept ?Marktforschung 4.0“. Die sei gemacht für junge Smartphone-Besitzer: ?Bei 70-J?hrigen funktioniert das eher nicht.“

Auch die User k?nnen etwas Geld verdienen

Und Jonathan Kurfess ist nicht allein auf dem Weg. Es gibt gro?e Konkurrenten wie Forsa oder Yougov. Und es gibt Google. Für Medienmarkt-Experte Klein sind der als Suchmaschine begonnene US-Technologieriese und Facebook die gef?hrlichsten Gegner der Aufsteiger vom G?nsemarkt.

Google arbeitet mit einer ?hnlichen Befragungssoftware wie Appinio. Das Online-Meinungsforschungstool Google Surveys und dessen Premium Variante Surveys 360 erm?glichen ebenfalls schnelle und kostengünstige digitale Meinungsforschung. Beim US-Riesen aus Mountain View zahlen die Unternehmen abh?ngig von der definierten Zielgruppe und der Stichprobengr??e. Der günstigste Preis für einen abgeschlossenen Fragebogen betr?gt 90 Cent. Das Preismodell von Appinio für Auftraggeber: 1,50 Euro pro Fragebogen aufw?rts – ebenfalls je nach Zielgruppe. Ein User, der via App an einer Umfrage teilnimmt, bekommt ?geringe Cent-Betr?ge“, so Kurfess.

Die disruptive Marktforschungs-Innovation des Hamburger Unternehmer-Duos hat schon viele Auszeichnungen erhalten – vom ?Best oft Mobile Award“ über den ?Webfuture Award“ bis zum ?Best European Business Start-up“. Die jungen Shootingstars wollen aber mehr: Bis Ende 2021 soll Appinio zum gr??ten Consumer Panel der Welt werden. ?Wir wollen, dass unser Netzwerk das wichtigste Instrument für Entscheidungsfindung wird“, sagt der ehrgeizige Firmengründer.

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