1. Home
  2. Regionales
  3. Thüringen
  4. Streit im Umgang mit Gift, M?usen und Hamstern

Thüringen

Streit im Umgang mit Gift, M?usen und Hamstern

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine Feldmaus liegt auf einem Acker Eine Feldmaus liegt auf einem Acker
Eine Feldmaus liegt auf einem Acker. Foto: Arno Burgi/zb/dpa/Symbolbild
Quelle: dpa-infocom GmbH
Thüringens Landwirte klagen über eine Feldmausplage - und würden am liebsten gro?fl?chig mit Gift gegen die Tiere vorgehen. Umweltschützer fürchten um die Feldhamster im Land. Nun scheint der Streit auch das Klima im Regierungskabinett vergiftet zu haben.

Erfurt (dpa/th) - Der Streit über den Einsatz von Gift gegen eine Feldmausplage in Thüringen spitzt sich weiter zu. Ein kurzfristig erarbeiteter Entwurf für eine Kabinettsvorlage aus dem Haus von Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) soll bereits am Dienstag beraten werden. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte, dies sei ?eine ungew?hnliche Verfahrensweise?. Dem darin skizzierten Vorgehen gegen die Plage werde sie nicht zustimmen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Sie sei aber bereit, auf Grundlage dieser Kabinettsvorlage über das Thema zu beraten. Ihr Haus habe bereits Vorschl?ge gemacht, um das Papier aus dem Landwirtschaftsministerium ?qualitativ zu verbessern?. Das Klima in der Koalition angesichts des Streits beschrieb Siegesmund so: ?Die Qualit?t einer Koalition bemisst sich daran, dass man Konflikte m?glichst intern l?st.?

Im Entwurf aus dem Ministerium Hoffs, das der dpa vorliegt, schl?gt dieser zur Bew?ltigung der Feldmausplage vor, so zu verfahren wie in Sachsen-Anhalt. Dort hatte Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) Landwirten jüngst gestattet, Gift gegen die M?use einzusetzen, wenn sie versichern, dass es auf ihren Feldern keine Feldhamster gibt.

Den geplanten Gift-Einsatz müssen die Bauern mit einem Vorlauf von mindestens fünf Werktagen bei den Beh?rden anzeigen. Au?erdem müssen sie dokumentieren, dass sie etwaiges Feldhamstervorkommen überprüft haben. Aus Hoffs Haus hei?t es, es sei nicht einzusehen, warum eine Grüne-Politikerin in Thüringen sich einer L?sung des Feldmaus-Problems sperre, die eine Grüne-Politikerin in Sachsen-Anhalt im Interesse des Artenschutzes und der Landwirte mittrage.

Siegesmund dagegen erkl?rte, sie wisse nicht genau, wie es um die Feldhamster in Sachsen-Anhalt stehe. Sie wisse aber sehr gut, dass das Feldhamstervorkommen in Thüringen um 95 Prozent gegenüber den einstmaligen Best?nden gesunken seien. ?Wenn wir nicht auf diese aussterbende Art achten, wird es in fünf Jahren keine Feldhamster mehr in Thüringen geben?, sagte sie. Das Gift, das gegen Feldm?use eingesetzt wird, ist auch für die Hamster t?dlich.

Zugleich zeigte sich Siegesmund kompromissbereit. Bisher bestand sie darauf, dass Gutachter vor jedem m?glichen Gifteinsatz die entsprechende Fl?che untersuchen, um auszuschlie?en, dass dort Feldhamster leben. Sie sei nun bereit zu akzeptieren, dass dies die Landwirte selbst gemeinsam mit dem Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft und L?ndlichen Raum prüfen, falls kein Gutachter verfügbar sei.

Auch nach einer Besprechung der Staatssekret?re der Landesregierung am Montag zur Vorbereitung der Kabinettssitzung war nicht klar, ob sich Landwirtschafts- und Umweltministerium auf einen Kompromiss werden einigen k?nnen. Es habe bei der Beratung keine Bewegung aufeinander zu gegeben, hie? es übereinstimmend aus Regierungskreisen. Eine Entscheidung darüber, ob es eine Einigung geben werde, falle damit erst in der Kabinettssitzung selbst.

Die Thüringer CDU-Fraktion macht derweil Druck: ?Die Bauern k?nnen nicht warten, bis Rot-Rot-Grün sich einig ist. Wir erwarten eine sofortige Entscheidung?, erkl?rte der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt am Montag. Es sei unverst?ndlich, dass in Thüringen etwas seit Wochen blockiert werde, was in Sachsen-Anhalt l?ngst m?glich sei. ?Rot-Rot-Grün nimmt bewusst massive Ernteverluste der Thüringer Landwirte in Kauf?, so Voigt.

Nicht nur die Grüne-Landtagsfraktion unterstützt derweil die Position des Umweltministeriums, auch Naturschutzverb?nde fordern von Siegesmund, nicht gegenüber Hoff einzuknicken. Die Organisationen BUND und Nabu planen nach eigenen Angaben deshalb für Dienstag vor der Staatskanzlei eine gemeinsame Protestaktion. Die letzten Feldhamstervorkommen im Freistaat müssten gesichert werden, hei?t es in einer Pressemitteilung der Verb?nde.

dpa-infocom GmbH

汤姆叔叔-官网