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Europa Per Zug durch Tschechien

Eine Bahnreise von Dresden bis zum Ursprung der Elbe

Wer der Elbe von Deutschland durch Tschechien bis zu ihrer Quelle im Riesengebirge folgt, erlebt traumhafte Landschaften, romantische Orte und vollmundige Weine. Und zwischendurch wechselt man für einen Ausflug mal aufs Rad.
| Lesedauer: 5 Minuten
Bahnfahrt entlang der Elbe: Mit dem Zug geht es quer durch Tschechien Bahnfahrt entlang der Elbe: Mit dem Zug geht es quer durch Tschechien
Immer entlang der Elbe: Mit dem Zug geht es quer durch Tschechien
Quelle: dpa-tmn

Unmerklich wird aus der S?chsischen die B?hmische Schweiz. Wenige Minuten nach Abfahrt vom Dresdener Hauptbahnhof liegt links die Elbe, rund 20 Meter breit. Rote Kanus schwimmen mit dem Strom, ein paar Schlauchboote, vereinzelte H?user ziehen vorbei.

Ein hoch gewachsener Ober, dessen Schultern ein wenig zu breit wirken für die schmalen G?nge des Zuges, eilt geduckt heran. Er serviert kaltes Pils, Schnitzel mit Kartoffeln und Gurkensalat. Die G?ste sitzen an wei? eingedeckten Tischen auf roten Sesseln.

Nach knapp einer halben Stunde im EC naht die tschechische Grenze. Bad Schandau, ein Schatz des Elbsandsteingebirges, ist die letzte Stadt elbaufw?rts auf deutscher Seite. Souvenirl?den s?umen den Flusslauf.

Tschechien
Quelle: Infografik WELT

Früher fuhren Touristenschiffe nach Tschechien hinein, heute führt die Elbe, die in Tschechien Labe hei?t, zu wenig Wasser. Daher nimmt man am besten den Zug mit Nostalgiefaktor.

Aus ganz Tschechien reisen Besucher nach Melnik

Die Stunde im Speisewagen vergeht wie im Flug. Dann hei?t es aussteigen und umsteigen. Tagesziel: Melnik über ústí nad Labem. Eine Weinstadt, malerisch gelegen über dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau, knapp 90 Winzer auf 20.000 Einwohner.

Spannendes über die Stadt wei? Sárka Kalfarová. Enthusiastisch schreitet die Reiseführerin voran, durch ihre mittelb?hmische Heimat, und erz?hlt von der Heiligen Ludmilla, die den ersten Fürsten des K?nigreiches B?hmen zum Mann nahm und Christin wurde. ?So kam das Christentum – und der Wein.“

B?hmische Weinstadt in Tschechien: Stolz ragt Schloss Melnik über dem Elbstrom auf, im historischen Weinkeller gibt es Verkostungen
Stolz ragt Schloss Melnik über dem Elbstrom auf, im historischen Weinkeller gibt es Verkostungen
Quelle: picture alliance / DUMONT Bildarchiv

Apropos Wein, der lagert unter anderem im Schloss Melnik. Der historische Weinkeller ist so sehenswert wie die Gesamtheit der Innenr?ume des Renaissancebaus. Schlossherr Jirí Jan Lobkowicz plaudert salopp über die Besitztümer: ?Drei Schl?sser in B?hmen, zwei in Frankreich.“

80.000 Touristen besichtigen sein 4000-Quadratmeter-Reich pro Jahr, machen 25.000 Weinverkostungen. ?Der Weinabsatz ist gewachsen, die Qualit?t hat sich verbessert“, sagt Lobkowicz.

Tats?chlich überraschen die ?rtlichen Weine durch ihre Vollmundigkeit. Seit die Heilige Ludmilla die ersten Weinberge bepflanzte, ist viel geschehen. Aktuell, so Lobkowicz, entstünden etwa 80.000 Flaschen Ertrag. ?Das wird ausgebaut.“

Und so kommen Weinfreunde in Melnik rund ums Jahr auf ihre Kosten, nicht nur, wenn hier traditionell um dem Namenstag der heiligen Ludmilla am 16. September herum das ?lteste Weinfest der Republik stattfindet. üblicherweise reisen dazu Besucher aus ganz Tschechien an.

Tschechien: Die malerische Weinstadt Melnik lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher an
Die malerische Weinstadt Melnik lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher an
Quelle: dpa-tmn

Und zwar nicht nur wegen des Weines. Die einst gotischen H?user im zauberhaften Stadtkern von Melnik wurden im Renaissance-, Barock- und zum Teil Jugendstil weiter gestaltet. Im Prager Tor, einem erhaltenen Stadttor mit Turm und Teestube, findet man Ruhe nach dem langen Reisetag.

Quellen mit Mineralwasser im Kurort Podebrady

Morgens geht es zurück auf die Schienen, n?chster Halt: Podebrady. Aus dem Bahnhof heraus stolpert man in den Kurpark. Leises Pl?tschern von Springbrunnen, üppige Büsche. Der Weg zur Elbe führt an Buchsb?umen vorbei, die zu Kugeln und Dreiecken geschnitten wurden.

Stolz ragt das Schloss von Podebrady am Ufer auf. In dessen Innenhof stie? 1905 ein Wünschelruteng?nger auf eine m?gliche Wasserader. Tats?chlich brachte eine Bohrung in fast 100 Meter Tiefe eine Mineralquelle hervor. Seither werden in Tschechiens jüngstem Kurort vor allem Herz- und Kreislauf-Patienten behandelt. Die Zahl der j?hrlichen Kurg?ste übersteigt die Einwohnerzahl.

Der Renner sind die Kohlens?urequellb?der. Aus etlichen Quellen im Kurpark darf man eigenh?ndig Mineralwasser zapfen. Empfohlen sind zwei Becher pro Tag von der salzigen, erdigen, prickelnden Mischung.

Radtour entlang der Elbe in Pardubice

Nach einer St?rkung in einem der gro?en Hotels entlang der Kurpromenade wartet am Bahnhof bereits die n?chste ?Schienendroschke“. Das Ziel des Zuges hei?t Pardubice.

Dort wird von der Bahn auf das Rad gewechselt. Jede gr??ere Stadt in Tschechien hat einen Fahrradverleih der Tschechischen Bahn. Wer will, kann natürlich auch sein eigenes Rad mitnehmen. Je nach Strecke kostet das ungef?hr zwischen drei und fünf Euro.

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Egal ob mit eigenem oder geliehenem Fahrrad: In Pardubice, 100.000 Einwohner, lockt eine Tour entlang der Elbe. Flach sind die Wege, zauberhaft die Ausblicke auf Wiesen, Laubw?lder, kleine Kan?le und scheinbar endlose Felder.

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Wer es skurril mag, radelt zum Lebkuchenhaus (Perníková chaloupka), irgendwo im Wald unweit der Burg Kuneticka Horá in Ráby. Das Museum, ein Jagdschl?sschen von 1882, zeigt das berühmte Geb?ck im Herz- bis Krippenformat. Am Eingang erh?lt man einen Reisepass für die Lebkuchenwelt plus ein paar Gruselgeschichten.

Erste Lebkuchenb?ckereien gab es in Pardubice bereits im 16. Jahrhundert. Die Geschichte der Stadt als Austragungsort des Pferderennens Steeplechase reicht immerhin bis 1874 zurück.

Durch das Grüne Tor, ein 60 Meter hohes Turmhaus mit grünem Dach, geht es mit dem Rad zurück in den Ortskern. Dort klingt der Tag in der historischen Altstadt aus. Abends gibt es Hermelin, einen k?stlichen, eingelegten Weichk?se auf ?lpfütze, und Brot mit Tartar, einer nahezu süchtig machenden Remouladenso?e.

Wandern im Nationalpark Riesengebirge

Nun wartet noch die Quelle des 1112 Kilometer langen Elbstromes. Ab Pardubice f?hrt der Zug ratternd über Stará Paka und Kuncice nach Vrchlabí (Hohenelbe). Zwei Umstiege sp?ter, nach kurzer Taxifahrt bis Spindlermühle, sieht man die Elbe wieder.

Tschechien: überall im Gebirge sieht man Bergchalets. Hier k?nnen Wanderer einkehren und sich st?rken
überall im Gebirge sieht man Bergchalets. Hier k?nnen Wanderer einkehren und sich st?rken
Quelle: dpa-tmn

Jetzt ist Wanderzeit. Die Luft ist erfrischend klar im Nationalpark Riesengebirge. Weitl?ufige Ziehwege, Wiesen und Waldstrecken betten raue Gebirgsk?mme ein. Unterwegs kommt man bei einem regionaltypischen Martinova bouda vorbei, einem Bergchalet. Pittoresk sind diese kleinen Unterkünfte, die versprengt im Gebirge auf Einkehrer warten.

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Es gibt jedoch Ausnahmen: Alles andere als sch?n anzusehen ist die vielgeschossige Labská bouda. ?Eine Bausünde des Kommunismus“, sagt der einheimische Gebirgsführer. Der Pfad zieht sich, kurz asphaltiert, dann wieder sandig und steinig, der Quelle entgegen.

Schlie?lich erreicht man die Elbwiese (Labská louka) auf 1602 Meter H?he. Am Boden: ein unscheinbarer Steinring. Er markiert symbolisch den Ursprung der Elbe. Die eigentliche Quelle liegt 150 Meter h?her im Torfmoor und ist nicht zug?nglich. Doch wenn man tagelang die vielseitige Landschaft und Kultur entlang der Elbe genossen hat, dann tut es auch ein steinerner Ring.

Tschechien: Der unscheinbare Steinring markiert symbolisch den Ursprung der Elbe. Die eigentliche Quelle liegt 150 Meter h?her im Torfmoor und ist nicht zug?nglich
Der unscheinbare Steinring markiert symbolisch den Ursprung der Elbe. Die eigentliche Quelle liegt 150 Meter h?her im Torfmoor und ist nicht zug?nglich
Quelle: dpa-tmn

Tipps und Informationen

Corona: Wegen hoher Infektionszahlen wurde Prag zum Risikogebiet erkl?rt, auch weitere Teile Tschechiens sind betroffen. Aktuelle Infos beim Ausw?rtigen Amt (auswaertiges-amt.de).

Tickets: üblicherweise bei der Deutschen Bahn (bahn.de) und der Tschechischen Bahn (cd.cz).

Auskunft: czechtourism.com

dpa

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