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Europa Das Reisejahr 2020

Und dann spielten sich surreale Szenen hinterm Brenner ab

Corona hat die Welt ver?ndert – nicht zuletzt für Urlauber. Zu Beginn des Jahres war ?Flugscham“ noch ein Thema, und Corona schien weit weg. Doch das ?nderte sich rapide. 2020 war gepr?gt von Sorgen, Ungl?ubigkeit, aber auch Hoffnung.
| Lesedauer: 7 Minuten
Urlaub in Coronazeiten – Darauf sollte man achten

Trotz Corona ist der Wunsch nach Urlaub bei vielen gro?. Die gute Nachricht: Ganz unm?glich ist das Reisen in Pandemie-Zeiten nicht, allerdings sollte man dabei ein paar Dinge beachten.

Quelle: WELT

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Zu Beginn des Jahres 2020 stritt man in Deutschland darüber, ob der Ferienkorridor im Sommer verkürzt werden sollte. Die Tourismusbranche hatte die Pleite von Thomas Cook zu verdauen. Au?erdem nahm das Ph?nomen ?Flugscham“ viel Platz in der ?ffentlichen Debatte ein. Weniger fliegen für den Klimaschutz? Darüber wurde zum Teil hitzig diskutiert. Im Rückblick k?nnte man also sagen: Im Januar war die Welt des Reisens noch in Ordnung.

Januar: Corona scheint zun?chst weit weg

Die meisten Bundesbürger waren im traditionell buchungsst?rksten Monat des Jahres damit besch?ftigt, ihre Urlaubsziele auszuw?hlen, so wie immer. Zwar gab es Berichte über eine ?neue Lungenkrankheit in China“, doch die Auswirkungen ahnten wohl die wenigsten.

Bis pl?tzlich alles sehr schnell ging. Das Coronavirus Sars-CoV-2 ging um die Welt – und stürzte den weltweiten Tourismus in seine tiefste Krise.

Februar: Kreuzfahrtschiff in Japan unter Quarant?ne

Deutsche Veranstalter wie die TUI sagen Reisen nach China ab, doch dort macht im Winter sowieso fast niemand Urlaub. Noch immer scheint es sich nach Ansicht der meisten eher um ein regionales Problem zu handeln.

Mehr Besorgnis rufen Mitte Februar schon die Bilder der ?Diamond Princess“ hervor. Nach zahlreichen Corona-Infektionen an Bord haben die japanischen Beh?rden das Kreuzfahrtschiff in Yokohama unter Quarant?ne gestellt, unter den Fahrg?sten sind auch Deutsche. ?Angst ist jetzt zu viel“ – so schildert ein betroffener Pension?r aus München seine Gefühle. Eine treffende Formulierung für die Stimmung, die auch im fernen Deutschland herrscht.

Ein einziger Passagier soll über 700 Infektionen ausgel?st haben

Die mehr als 700 Corona-Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff ?Diamond Princess“ gehen einer Studie zufolge h?chstwahrscheinlich auf einen einzigen Passagier zurück. Nach einer genetischen Analyse weisen alle Coronaviren dieselbe Mutation auf.

Quelle: WELT

Ein festgesetztes Schiff irgendwo in Asien, das scheint aber zun?chst nichts mit den eigenen Reisepl?nen zu tun zu haben. Das Virus ist weit weg – bis es scheinbar binnen weniger Tage über Norditalien hereinbricht.

Surreale Szenen sind es, die sich hinter dem Brenner in einem der beliebtesten Reisel?nder der Deutschen abspielen: Gemeinden werden zu Sperrzonen, Bars, Restaurants und Gesch?fte geschlossen, der Markusplatz in Venedig ist wie leer gefegt.

Mit den verst?renden Bildern zwingt sich der Eindruck auf, dass das Virus nicht mehr aufzuhalten ist. Ende des Monats wird die weltgr??te Tourimusmesse ITB in Berlin abgesagt, wenige Tage vor ihrem Beginn.

M?rz: Aus für Reisen auf der ganzen Welt

Es ist der Monat, der die Welt ver?ndert: Die Pandemie erfasst den Globus. Innerhalb von rund zwei Wochen schlie?en die meisten L?nder ihre Grenzen, der Flugverkehr wird eingestellt, Veranstalter sagen s?mtliche Reisen ab, touristische übernachtungen in Deutschland werden verboten und die Ferieninseln für Urlauber gesperrt. Die Welt ist im ?Shutdown“ – und alle Reisepl?ne sind pl?tzlich Makulatur.

M?rz 2020: Ein Arbeiter in Schutzkleidung reinigt die Piazza del Duomo in Mailand (Italien)
M?rz 2020: Ein Arbeiter in Schutzkleidung reinigt die Piazza del Duomo in Mailand
Quelle: picture alliance / Photoshot

Von Mexiko bis Thailand hocken Deutsche in Hotelzimmern und bemühen sich um die letzten Rückflüge in die Heimat. Die Bundesregierung startet die gr??te Rückholaktion in der Geschichte. Das Ausw?rtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung bis Ende April aus. ?Das ist für viele schmerzlich, aber absolut notwendig“, stellt Au?enminister Heiko Maas (SPD) fest. Sein Appell: ?Bleiben Sie zu Hause!“

April: ?rger über Airlines und Reiseveranstalter

Das Frühjahr ist die Zeit der schwindenden Horizonte. Der Osterurlaub: gestrichen. Mallorca, Kreta und Antalya: in weite Ferne gerückt. Von anderen Kontinenten gar nicht zu sprechen. Die weiteste Reise führt in diesen Tagen meist in den Supermarkt um die Ecke.

Zugleich geht für viele Urlauber der ?rger los: Fluggesellschaften und Reiseveranstalter lassen sich mit der Erstattung abgesagter Reisen Zeit, ver?rgern ihre Kunden. Zeitweise steht zur Debatte, ob Verbraucher Gutscheine statt einer Rückzahlung akzeptieren müssen. Das setzt sich nicht durch. Doch viele warten ewig auf ihr Geld. Die Reisebranche steckt da schon mitten in der Existenzkrise.

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Ende April werden die letzten gestrandeten Deutschen heimgeholt, 157 Passagiere aus Kapstadt erreichen Frankfurt. Insgesamt hat die Regierung 240.000 Reisende nach Hause geholt. Wenige Tage sp?ter wird die weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni verl?ngert. Banges Hoffen auf den Sommer. Denn viele wollen am liebsten schon wieder los.

Doch dieses Jahr k?nnte alles anders werden. Von einer Renaissance des Wanderns in heimischen Gefilden ist zum Beispiel die Rede. F?llt Reise-Deutschland zurück in die 1950er-Jahre, in eine Zeit vor dem Massentourismus mit Charterflügen ans Mittelmeer?

Mai: Hoffen auf Urlaub im Sommer

Im sch?nen Monat Mai w?chst ein zartes Pfl?nzchen Hoffnung: Die Corona-Einschr?nkungen werden vor Pfingsten gelockert, die ersten Urlaubsg?ste zieht es wieder an die Nordsee. Doch über allem steht die Frage: Was wird aus dem Sommer, was wird aus ?Malle“?

Ende des Monats dann die frohe Botschaft: Die Reisewarnung für Touristen soll ab 15. Juni für 31 europ?ische Staaten aufgehoben werden, sofern die Pandemie das zul?sst. Pl?tzlich sieht es so aus, als k?nnte Corona schon bald hinter uns liegen.

Juni & Juli: Masken im Hotel, Mallorca ohne Bierk?nig

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Mit etwas Verz?gerung ?ffnet auch Spanien wieder seine Grenzen. Manch einer ergreift sofort die Chance und steigt in den Flieger nach Palma de Mallorca oder zu anderen Sonnenzielen rund um das Mittelmeer. Urlauber zieht es nach Griechenland und Kroatien, nach Frankreich und Portugal. Auch im gebeutelten Italien machen wieder viele Menschen Urlaub.

Zwar reisen l?ngst nicht alle, aber doch mehr Menschen, als man noch vor wenigen Wochen h?tte vermuten k?nnen. Viele bleiben im eigenen Land: Zwischen Hiddensee und Oberstdorf wird es teilweise krachend voll – die touristische Wiederentdeckung des Heimatlandes.

Der Sommer mit seinen hohen Temperaturen weist das Virus in die Schranken und erm?glicht wieder relativ viel Reisefreiheit. Doch es ist eine Reisesaison unter den Bedingungen einer globalen Pandemie, die lediglich eine Sommerpause eingelegt: Maskenpflicht im Flugzeug, Hygieneregeln in den Hotels, Mallorca ohne Bierk?nig.

Die eingefleischten Kreuzfahrtfans müssen sich noch gedulden. Ende Juli laufen wieder erste Schiffe aus, zun?chst zu Fahrten ohne Landg?nge. ?Blaue Reisen“ nennt TUI Cruises das.

Auch der gro?e Traum vom Urlaub in den USA muss warten, das Land l?sst weiterhin keine ausl?ndischen Touristen rein. Und für mehr als 160 L?nder auf der ganzen Welt gilt weiterhin die Reisewarnung. Wer in den Sommermonaten ins Ausland reist, nutzt ein Zeitfenster relativer Sorglosigkeit – das sich schon bald wieder schlie?en wird.

August & September: Reisewarnung – auch für Spanien

Dass die Pandemie nicht einfach überstanden ist, dürfte den meisten klar sein. Experten warnen vor der zweiten Welle im Herbst. Und auch für Urlauber schr?nken sich die M?glichkeiten langsam wieder ein.

Mit Spanien trifft es ausgerechnet das beliebteste Auslandsziel: Ab Mitte August gilt wieder eine Reisewarnung für das ganze Land, mit Ausnahme der Kanarischen Inseln, weil die Infektionszahlen stark steigen. Das ist kein Reiseverbot, aber schreckt bewusst ab.

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Ende August wird auch die bestehende Reisewarnung für die L?nder au?erhalb Europas verl?ngert, wenige Tage sp?ter folgt Anfang September die Reisewarnung für die Kanaren. Auch in anderen L?ndern Europas schnellen die Corona-Zahlen wieder hoch.

Der Blick auf die Liste der Risikogebiete wird nun obligatorisch. Das Klein-Klein sich schnell ?ndernder Regelungen trübt die Urlaubslaune.

Schon blicken Urlauber voller Sorge auf den Herbst: War das sommerliche Reisen etwa nur eine kurze, sch?ne Ausnahme von der trüben Realit?t der Pandemie? Die Gewissheit folgt rasch.

Oktober & November: Wird Skifahren m?glich sein?

Als der Herbst anbricht, wird fast allen klar: Die zweite Welle rollt – und mit ihr folgen neuerliche Einschr?nkungen. Gro?e Teile Europas werden bis Ende Oktober zu Corona-Risikogebieten, schon sehr bald ist eher die Frage, wo man überhaupt noch hinreisen kann.

Auch innerhalb Deutschlands bricht Anfang des Monats Verwirrung aus. Wer aus einem Corona-Risikogebiet anreist, braucht vielerorts den Nachweis über einen negativen Corona-Test, der aber wiederum Geld kostet.

Die Bundesl?nder haben zum Teil uneinheitliche Regeln. Unklar ist auch, ob Urlauber ohne Test das Geld für ihre stornierte Buchung zurückbekommen. Chaos pünktlich zu den Herbstferien.

Es ist ein schwacher Trost, dass die Bundesregierung die Reisewarnung für die Kanaren Ende Oktober wieder aufhebt. Und auch, dass die Warnung für manche L?nder au?erhalb Europas gefallen ist, ermuntert nur wenige dazu, jetzt noch die Koffer zu packen.

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Schlie?lich folgt der Teil-Lockdown im November. Hotels müssen wieder schlie?en. Die Skisaison steht zur Disposition. Nicht die Flugscham h?lt die Menschen vom Reisen ab, es ist die Pandemie. Sie dauert an. Kaum jemand denkt noch an Urlaub. Und der Winter wird sehr lang.

Mancher Reisende mag sich da an den Sommer zurückerinnern, ans Ferienhaus in D?nemark und Allg?uer Bergspitzen, an Latte macchiato am Lago Maggiore und Tapas in Spanien. Und an die unschuldigen Zeiten, als über den Ferienkorridor gestritten wurde.

Das müssen Sie bei Reisen über Weihnachten beachten

Viele Deutsche wollen über die Feiertage ins Ausland – trotz aller Warnungen der Regierung. Was ist m?glich, und was müssen Reisende beachten? Der Reiserechtsexperte Paul Degott gibt im WELT-Interview einen überblick.

Quelle: WELT/Laura Fritsch

dpa

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