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Fitness Fitness-Coach verr?t

So bereiten sich die Bayern-Spieler auf einen Liga-Start vor

| Lesedauer: 6 Minuten
Versuchen Sie doch mal, einen Fu?ball zu jonglieren und sich dabei Ihr T-Shirt auszuziehen. Schwierig? Auch für die Bayern-Stars. Sie trainieren zwar auch wieder auf dem Feld, machen aber auch Cyber-Training. Der Fitness-Experte der Bayern geht ins Detail.

Dieser Mann ist derzeit beim FC Bayern der heimliche Chef: Prof. Dr. Holger Broich (45) kümmert sich in enger Absprache mit Cheftrainer Hansi Flick (55) um die Fitness der Stars. Broich tr?gt beim Rekordmeister offiziell den Titel ?Wissenschaftlicher Leiter und Leiter Fitness“ – er wei? genau, wie sich die Corona-Zwangspause auf die K?rper der Spieler auswirkt.

Hat die Fitness der Stars gelitten? ?Nein, das hat sie sicher nicht“, sagt Broich: ?Natürlich wissen wir gut, wie negativ sich auch recht kurze Inaktivit?tsphasen physiologisch auswirken k?nnen. Diese Gefahr von Funktionseinbu?en durch Inaktivit?t trifft jeden Menschen.“

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Gemeinsam mit Peter Schl?sser (54), dem ?Trainer Fitness, Rehabilitation, Pr?vention“ arbeitete Broich das Cyber-Training aus: Die Fitness-Experten erkl?rten via Video-Schalte übungen für die Profis. Dabei habe es ?klare Belastungsspitzen“ gegeben, erkl?rt Broich: ?Wir haben das sogenannte ?Cyber-Training“ aus unserer Sicht bis jetzt sehr erfolgreich absolviert. Wir haben dabei gruppendynamische Vorg?nge, wie sie ja bei einer Mannschaftssportart v?llig unverzichtbar sind – soweit m?glich – im Blick gehabt.“

Prof. Dr. Holger Broich ist seit 2014 Leiter der Abteilung Wissenschaft, Leistungsdiagnostik und Fitness beim FC Bayern München
Prof. Dr. Holger Broich ist seit 2014 Leiter der Abteilung Wissenschaft, Leistungsdiagnostik und Fitness beim FC Bayern München
Quelle: pa/Pressebildage/ULMER

Dabei wurde beispielsweise ein Ball-Artist eingeladen: Die Spieler sollten u.a., w?hrend sie mit dem Ball jonglierten, ihr T-Shirt ausziehen. Das sorgte für gro?e Erheiterung, wie Thomas Müller (30) erkl?rt: ?Die Vasen in unseren Wohnzimmern waren in gro?er Gefahr.“

Trainieren wie die Profis

Die Bayern-Profis stehen mittlerweile wieder unter Einhaltung der Vorsichtsma?nahmen auf dem Feld. -Broich ist mit der Umsetzung zufrieden: ?Unsere Mannschaft hat auf diese ver?nderten Bedingungen hervorragend reagiert. Wir haben versucht, die Stoffwechselprozesse so anzuregen, dass es zu keiner gravierenden Deadaptation (Rückbildung, Stabilit?tsverlust; d. Red.) kommt.“

Das Fazit von Broich nach den ersten Einheiten auf dem Rasen an der S?bener Stra?e: ?Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir technisch, taktisch und konditionell auf dem hohen Niveau weitermachen -k?nnen.“

Die Bayern-Stars werden sowohl beim Cyber-Training, welches nach wie vor stattfindet, als auch auf dem Platz st?ndig kontrolliert. ?Sehr genau, intensiv und engmaschig“ seien die Ma?nahmen, sagt Broich: ?Alle praktischen Trainingseinheiten auf dem Platz zeichnen wir selbst auf, und natürlich verwenden wir die Daten der DFL bei den Spielen.“

Die Bayern sorgen dafür, dass die Stars für eine schnelle Wiederaufnahme des Liga--Betriebs bereit sind. Aber nicht nur die Spieler, auch die Bayern-Angestellten k?nnen an ihrer Gesundheit arbeiten. ?über eine interne Kommunikationsplattform k?nnen sich Mitarbeiter zu diversen Themen anmelden und dann gemeinsam mit meinem Kollegen Peter Schl?sser oder mir trainieren“, erkl?rt Broich: ?Die Resonanz war sehr positiv.“

Kein Wunder: Wer will nicht testen, wie lange er bei den übungen, die ursprünglich für Lewandowski (31), Thiago (29) & Co. bestimmt sind, mithalten kann?

Kann ein Team noch fitter durch die Krise werden?

Im kompletten Interview verr?t Holger Broich ausführlich, wie er die Bayern-Spieler fit macht.

Frage: Wie kam es zur Idee des Cyber-Trainings, wie lief hierfür die Absprache mit Hansi Flick und wie bewerten Sie die Ma?nahme?

Prof. Dr. Holger Broich: Die Idee ist direkt zu Beginn der Kontaktbeschr?nkungen durch die Corona-Krise im Gespr?ch mit dem Trainerteam und Kollegen entstanden. Wir haben beim FC Bayern ein Profi-Team auf dem h?chsten Niveau der Leistungsf?higkeit, und wir haben sehr schnell darüber nachgedacht, wie man die Notwendigkeiten der Erhaltung dieser k?rperlichen Leistungsf?higkeit mit modernen Kommunikationstechnologien verbinden kann. Hansi Flick war natürlich in allen Gespr?chen eingebunden und hat alles ma?geblich unterstützt.

Frage: Steigt durch die besonderen Umst?nde die Bedeutung der Fitness-Trainer aller Klubs?

Broich: Ich kann natürlich nicht für alle Vereine sprechen. Bei uns im FC Bayern ist die Bedeutung einer gut geplanten und wissenschaftlich abgesicherten Fitness schon seit langer Zeit sehr hoch. Wenn ich die Situationen in anderen Klubs beobachte, so scheinen mir ?hnliche Entwicklungen auch dort eingeleitet worden zu sein. Das gilt insbesondere für die gro?en Klubs. Dort arbeiten an vielen Stellen auch wissenschaftlich ausgebildete Personen zusammen mit erfahrenen Kollegen aus der Praxis des Fu?balls.

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Frage: Wie genau werden die Spieler kontrolliert?

Broich: Sehr genau, intensiv und engmaschig. Wir haben regelm??ige umfangreiche Ma?nahmen der Belastungs- und Leistungsdiagnostik im metabolischen und neuromuskul?ren Bereich. Alle praktischen Trainingseinheiten auf dem Platz zeichnen wir selbst auf und natürlich verwenden wir die Daten der DFL bei den Spielen. Gleiches gilt für den medizinischen Bereich, sowohl orthop?disch wie internistisch. Auf diese Weise haben wir einen sehr gro?en Pool an Daten, Kenntnissen und Erfahrungen gesammelt. Allein das Sammeln der Daten reicht natürlich nicht. Für die notwendigen Interpretationen und praktischen Schlussfolgerungen ist eine Verknüpfung aller Datens?tze erforderlich. Auch dafür setzten wir modernsten Verfahren ein.

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Frage: Die Spieler des FC Bayern stehen – unter gro?en Vorsichtsma?nahmen – wieder auf dem Platz. Wie fiel ihr Urteil nach der Pause aus: Hat die Fitness der Spieler darunter gelitten?

Broich: Nein, das hat sie sicher nicht. Natürlich wissen wir gut, wie negativ sich auch recht kurze Inaktivit?tsphasen physiologisch auswirken k?nnen. Diese Gefahr von Funktionseinbu?en durch Inaktivit?t trifft jeden Menschen. Ausgangspunkt dieser Negativanpassungen ist immer das Niveau vor Beginn der Inaktivit?t. Das gilt für k?rperlich weitgehend inaktive Menschen ebenso wie für Amateursportler, natürlich auch für Spitzensportler. Deshalb verfolgen wir in der Mikroperiodisierung ein Konzept, das klare Belastungsspitzen im metabolischen und neuromuskul?ren Bereich vorsieht. Regenerationsphasen sind darauf kurzwellig abgestimmt.

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So haben wir das sogenannte ?Cyber-Training“ aus unserer Sicht bis jetzt sehr erfolgreich absolviert. Wir haben dabei durchaus auch gruppendynamische Vorg?nge, wie sie ja bei einer Mannschaftssportart v?llig unverzichtbar sind, soweit eben m?glich, durchaus im Blick gehabt. Unsere Mannschaft hat auf diese ver?nderten Bedingungen hervorragend reagiert. Wir haben auf diese Weise versucht, die Stoffwechselprozesse so anzuregen, dass es zu keiner gravierenden Deadaptation kommt. Begonnen hatten wir ja in Abstimmung mit den zust?ndigen Beh?rden und nach klaren Regeln mit dem Training in Kleingruppen auf dem Platz. Nach diesen Einheiten sind wir sehr zuversichtlich, dass wir technisch, taktisch und konditionell auf dem hohen Niveau weitermachen k?nnen.

Hier finden Sie unseren Live-Ticker mit allen relevanten Updates zur Corona-Krise

Frage: Ex-Union-Berlin-Fitnesstrainer Dirk Keller, aktuell in Magdeburg, sagt: ?Die (Spieler) werden alle eine gute Basis haben. Ich erwarte, dass die Mannschaften noch fitter sein werden als vor dem Abbruch. Weil sie eben viel Laufen waren.“ Was denken Sie darüber?

Broich: Laufen ist natürlich wichtig, Fu?ball ist ja bekannterma?en eine Laufsportart, aber eben nicht nur. Es ist auch eine Sportart mit hohen Zweikampfanteilen. Deshalb sind viele andere Komponenten der Athletik und Fitness erforderlich. Denken wir nur an die hohen muskul?ren und metabolischen Belastungen im Bereich der Schnelligkeit, Reaktivit?t und Stabilit?t, die nicht nur für die Leistung im Spiel unverzichtbar sind, sondern auch für die Verletzungspr?vention.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, ?Sport-Bild“, ?Bild“) geführt und zuerst in ?Sport Bild“ ver?ffentlicht.

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