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Panorama Maybrit Illner

?Finanzielle Unterstützung kommt bei den Familien nicht an“

| Lesedauer: 4 Minuten
Boris Palmer provoziert mit ?u?erungen zu Corona-Beschr?nkungen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer meint, dass die Corona-Beschr?nkungen vor allem Menschen helfen, die ohnehin bald sterben. Er provoziert mit seinen ?u?erungen im Sat1-Frühstücksfernsehen eine Welle der Entrüstung.

Quelle: WELT

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Bei Maybrit Illner fordert ein Schulleiter, die Schulen mehr selbst entscheiden zu lassen. Udo Di Fabio vernimmt einen ?verfassungsrechtlich prek?ren Tonfall“, und Christian Lindner modifiziert Vorwürfe.

Am Donnerstagabend ging es bei Maybrit Illner um das Thema ?Die Politik macht auf – die Unsicherheit bleibt“. Hintergrund der Sendung waren die Lockerungen, die in den vergangenen Tagen verkündet worden waren. Zu Gast im Studio waren neben Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner auch Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut der Universit?t Hamburg, und Diplom-P?dagogin Katia Saalfrank, die durch das RTL-Format die ?Die Super Nanny“ bekannt wurde. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio wurde per Videoanruf zugeschaltet. Im Einzelgespr?ch beantwortete Robert Giese, Leiter einer Gemeinschaftsschule, Fragen zum Thema Schul?ffnungen.

Die Frage des Abends

Den Schutz von Leben k?nne man nicht absolut setzen, sagte Bundestagspr?sident Wolfgang Sch?uble. Als gehe es in unserer Gesellschaft darum, dass wir bestimmte Opfer, auch Todesopfer, bewusst in Kauf nehmen müssten für unsere Freiheit. ?Ist das so?“, fragt Maybrit Illner. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio antwortet ausweichend. Illner hakt nach und stellt die Frage erneut. ?Wir nehmen bestimmte Risiken als sozialad?quat hin und gehen nicht davon aus, dass es einen absoluten Lebensschutz in allen Bereichen geben muss“, sagt Di Fabio.

Doch wie l?sst sich verhindern, dass man Alt und Jung dabei gegeneinander ausspielt, will Illner wissen. ?Wenn wir mit Aussagen an die ?ffentlichkeit gehen und sagen, da sterben nur Menschen, die sowieso sterben müssten, dann hat man einen verfassungsrechtlich prek?ren Tonfall angeschlagen. Jedes Menschenleben ist gleich wertvoll“, antwortet Di Fabio und spielt auf die ?u?erung des Tübinger Bürgermeisters Boris Palmer (Grüne) an.

Der Vorwurf des Abends

Mit P?dagogin Katia Saalfrank und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey spricht Illner darüber, inwiefern Kinder bei diesen Abw?gungen zwischen Freiheit und Sicherheit ?unter den Tisch gefallen“ sind. Giffey z?hlt auf, welche Ma?nahmen bereits für Familien eingeleitet wurden: Notfallkinderzuschlag, Kurzarbeitergeld, erweiterte Notbetreuung.

?Sie sagen, es gibt auch finanzielle Unterstützung: Das kommt bei den Familien nicht an“, erwidert Saalfrank. Denn es bestehe das Problem, dass Homeoffice und Kinderbetreuung gleichzeitig nicht m?glich seien. Viel lieber als finanzielle Unterstützung würden Eltern etwa mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren wollen, dass ein Partner beruflich kürzertritt.

Auch die erweiterte Notbetreuung reiche als L?sung nicht aus. Eltern müsse freistehen, ob sie ihre Kinder von Menschen betreuen lassen wollen, die die Kinder oft nicht kennen, die Mundschutz tragen und Abstand halten müssen.

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Der Schlagabtausch des Abends

Die 16 Schulminister der L?nder h?tten ein Konzept entwickelt, unter welchen Bedingungen Schulen ?ffnen k?nnen, erkl?rt der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner. In Nordrhein-Westfalen bestehe Einigung zwischen Regierung, Schultr?gern und Gewerkschaften. ?Frau Merkel sagt: ,Wir sprechen diese Woche nicht, erst n?chste Woche‘“, wirft er der Regierung vor. ?Herr Lindner das stimmt einfach nicht. Ich war heute in der Ministerpr?sidentenkonferenz selbst mit dabei. Und es wurde sehr, sehr viel darüber gesprochen“, erwidert Giffey. Doch es müssten noch Zeitpunkte festgelegt werden – die Aufgabe für die n?chsten zwei Arbeitstage.

?Dann modifiziere ich meinen Vorwurf: Wenn das noch nicht passiert ist, dann halte ich das für einen echten Mangel“, sagt Lindner. Es dürfe nicht noch eine Woche ins Land ziehen.

Die Reaktion des Abends

Mehrmals w?hrend der Sendung muss die Moderatorin Lindner einfangen und bremsen. Etwa als dieser dem Virologen Christian Drosten vorwirft, innerhalb von 24 Stunden zwei gegenteilige Informationen verbreitet zu haben: Am Mittwoch habe er gesagt, Kinder seien genauso ansteckend wie Erwachsene, einen Tag sp?ter aber, dass sie nur ein Drittel so ansteckend seien. ?Das Verrückte ist, Herr Lindner, dass sie jeden Tag schlauer werden. Und dass sie dieses Schlauerwerden und Mehrwissen mit Ihnen teilen. Wir sind beide keine Virologen“, kontert Illner.

Doch es sitzt einer am Tisch: Jonas Schmidt-Chanasit gibt Illner sp?ter recht und erkl?rt, dass Drosten einfach eine weitere Studie zu dem Thema gesehen und dann auch dieses Ergebnis ver?ffentlicht habe.

Die Forderung des Abends

Dem Gemeinschaftsschulleiter Robert Giese stellt Illner Fragen zur ?ffnung seiner Schule. ?Es sind vor allem abschlussbezogene Jahrg?nge wieder in die Schule geholt worden, und als N?chstes werden die, ich nenne es mal Auslesejahrg?nge, genommen“, sagt Giese. Mit Auslesejahrg?nge meint er etwa die sechste Klasse in Berlin, die auf die weiterführende Schule vorbereitet. ?Wir sind da ein bisschen unglücklich drüber. Wir h?tten uns gewünscht, dass man uns als Schulen mehr Vertrauen entgegenbringt und uns die Entscheidung überl?sst, wie wir das machen.“ Zudem gebe es einerseits Schulen, bei denen bis zu 20 Prozent der Kinder aktuell nicht erreichbar sind, andererseits gebe es aber Gymnasien, auf denen jedes Kind einen eigenen Laptop besitzt. über alle Schulen hinweg einfach etwas Einheitliches festzulegen, sei deshalb falsch.


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