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Panorama ?Hart aber fair“

?Der Lockdown macht mürbe“

| Lesedauer: 4 Minuten
Diese Ausnahmen gelten jetzt in Ihrem Bundesland

Die neuen Versch?rfungen zielen vor allem auf Kontaktbeschr?nkungen, zudem sind Eltern wieder besonders betroffen, weil Schulen und Kitas geschlossen bleiben. Die eigentlich klaren Regeln setzen die L?nder aber erneut sehr unterschiedlich um.

Quelle: WELT/Sebastian Plantholt

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Wie sinnvoll ist die Spirale immer h?rterer Lockdown-Ma?nahmen? Frank Plasberg diskutiert mit seinen G?sten über den aktuellen Corona-Kurs der Politik. Malu Dreyer muss sich scharfe Kritik gefallen lassen. Dann holt ein junger Arzt die Runde wieder auf den Boden der Tatsachen.

Trotz immer h?rterer Ma?nahmen gelingt es Deutschland nur bedingt, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Zweifel werden lauter. K?nnte sich die Spirale an Lockdown-Versch?rfungen am Ende als reiner Aktionismus seitens der Politik entpuppen? Oder ist das Vorgehen angesichts hoher Todeszahlen und voller Krankenh?user genau richtig?

Unter der überschrift ?L?nger, h?rter, einfallsloser: Wie sinnvoll ist der Dauerlockdown?“ diskutierte Frank Plasberg in ?Hart aber fair“ mit seinen G?sten über die Strategie der Politik.

Neben Malu Dreyer (SPD), der Ministerpr?sidentin von Rheinland-Pfalz, waren WELT-Autorin Susanne Gaschke, der Virologe Alexander Kekulé, der Lungenfacharzt Cihan ?elik und der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther im Studio.

?Der Weg zu Aldi ist der einzige H?hepunkt des Tages“

Dass neue Lockdown-Regeln in Talkshows infrage gestellt werden, bevor sie 24 Stunden alt sind, zeigt bereits, wie angespannt die Lage inzwischen ist. Wie mürbe die Bev?lkerung wegen der zunehmenden Isolierung ist, sollte ein ?lterer Herr im Einspielfilm gleich zu Beginn der Sendung verdeutlichen. ?Der Weg zu Aldi ist der einzige H?hepunkt des Tages“, sagte er resigniert.

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Für Malu Dreyer nachvollziehbar. ?Der Lockdown macht mürbe“, gestand sie ein. ?Ich kenne keinen Menschen mehr, der dem nicht negativ gegenübersteht.“ Gleichzeit machte sie aber auch klar: ?Es geht um Menschenleben. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Ma?nahmen die richtigen sind, denn wir müssen von den hohen Infektionszahlen runterkommen.“ Dreyer hatte in der Runde keinen leichten Stand und musste sich hartn?ckiger Kritik erwehren.

?Nicht mehr sicher, ob die hohe Zahl an Inzidenzen der richtige Feind ist“

Die kam unter anderem von Susanne Gaschke. Sie bezweifelte offen das Narrativ, nachdem niedrige Infektionszahlen automatisch die L?sung bringen. ?Ich bin mir einfach nicht mehr sicher, ob die hohe Zahl an Inzidenzen der richtige Feind ist“, kritisierte sie. Der Feind sei der Tod, der in den Altenheimen wüte. Dem müsse man dort mit pr?ventiven Mitteln begegnen.

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Daran, dass sich das Virus gro?fl?chig mithilfe von Lockdowns nach unten regulieren l?sst, glaubt Gaschke nicht. ?Es ist schlichtweg unm?glich, in einer freien, offenen und weltweit verflochtenen Gesellschaft auf Dauer das Virus auf null zu stellen“, prognostizierte sie. ?Die Politik muss sich von der Illusion verabschieden, mit dem ganz gro?en Hammer das ganz gro?e Problem wegschaffen zu wollen.“

?Ich finde es gar nicht so schlimm, dass wir eine neue Krankheit haben“

Michael Hüther ging noch einen Schritt weiter und stellte gleich ganz den Zusammenhang zwischen Lockdown-Ma?nahmen und sinkenden Infektionszahlen infrage. Den von der Bundesregierung angestrebten Wert von unter 50 hielt er für unrealistisch. ?Gibt es ein europ?isches Land in der gleichen Klimazone, das bei viel h?rteren Lockdownma?nahmen unter einen Wert von 100 gekommen ist? Da finden Sie kein einziges“, so der Wirtschaftswissenschaftler. Um diese Zahlen zu erreichen, müsse man den Lockdown noch bis April weiterlaufen lassen.

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Alexander Kekulé, der sich bereits im Frühjahr der Ruf des etwas lockereren TV-Virologen gesichert hatte, fand schnell in seine Rolle: ?Ich finde es gar nicht so schlimm, dass wir eine neue Krankheit haben, die uns noch etwas l?nger plagen wird“, bemerkte er lapidar und gut gelaunt.

Da die Bev?lkerung schneller durchseucht als geimpft werde, sei mit einer weiteren Welle im Herbst nicht mehr zu rechnen. Zudem pl?dierte er gemeinsam mit Hüther dafür, endlich verst?rkt auf digitale M?glichleiten zur Pandemiebek?mpfung zu setzen.

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Als Zuschauer konnte man zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen, die Pandemie sei halb so schlimm und ohnehin nur für Greise ein relevantes Thema. W?re da nicht noch Cihan ?elik gewesen. Der 34-j?hrige Funktionsoberarzt für Lungenheilkunde betreut nicht nur Covid-Patienten auf einer Intensivstation in Darmstadt, er landete auch selbst als Patient mit einem schweren Verlauf dort, nachdem er sich vermutlich w?hrend seiner Arbeitszeit angesteckt hatte.

?Ich versuche, mich nicht darüber zu ?rgern“

Als gleich in mehrfacher Hinsicht Betroffener h?rte sich ?elik immer wieder erstaunlich gelassen die Kritik und die Relativierungen der anderen G?ste an, um dann ruhig seine Sicht der Dinge zu erz?hlen. ?Ich hatte innerhalb von Stunden nur eine Lunge, mit der ich richtig durchatmen konnte“, berichtet er über seine Erkrankung. Es k?nne eben auch unkonventionelle Verl?ufe geben und junge Menschen ohne Vorerkrankungen treffen.

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Auch bei eingespielten Bildern von Menschen, die ?ffentlich dicht gedr?ngt feiern, blieb ?elik ruhig: ?Ich versuche, mich nicht darüber zu ?rgern“, sagte er. ?Das ist natürlich respektlos gegenüber den Menschen, die daran erkranken, und denen, die sie behandeln. Dennoch werden auch solche Leute in den Krankenh?usern die n?tige Behandlung finden.“

Die Infektionszahlen mit dem Lockdown zu reduzieren, hielt ?elik für zwingend notwendig. Auch ?rzte und Pfleger h?tten ein Privatleben, und auch unter ihnen würde das Virus zirkulieren. Insgesamt niedrigere Zahlen würden somit auch den Krankenh?usern und Pflegeheimen helfen, weitere Ausbrüche zu vermeiden.

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