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Wirtschaft Corona-Warn-App

Jetzt muss Deutschland liefern

| Lesedauer: 5 Minuten
Neue App liefert ?Corona-Biografie“ des Tr?gers

Die derzeitige Lage macht vielen Menschen zu schaffen. Keine Besuche bei Freunden und Angeh?rigen, keine Reisen. In der Corona-Krise ist das nicht m?glich. Diese App kann helfen.

Quelle: WELT/ Jan-Friedrich Funk

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Die Tech-Giganten Google und Apple haben die technische Grundlage für eine Anti-Corona-App ver?ffentlicht. Doch sie ist nur der Unterbau für die massenhafte Nutzung. Jetzt müssen zwei deutsche Firmen nachziehen – bevor andere die Kontrolle übernehmen.

Mittwochabend war sie pl?tzlich da: die ?Covid-19 Exposure Notification“, die Covid-19-Expositionsbenachrichtigung. Unter diesem Namen tauchte erstmals die von Google und Apple angekündigte App auf, die Nutzer informieren soll, wenn sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten.

Wer sich die Beta-Version von Apples iOS-Betriebssystem 13.5 herunterl?dt, kann bereits jetzt den Schalter auf Grün stellen, um sein Smartphone für den Kampf gegen die Coronavirus-Ketteninfektionen zu rüsten. Mehr aber auch noch nicht.

Denn mit der nun ver?ffentlichten Anwendung wurde lediglich der technische Unterbau in den Betriebssystemen von Apple und Google freigeschaltet. Den Smartphone-Besitzern nutzt die neue Anwendung also bisher nichts. Doch für die Entwickler der eigentlichen Warn-Apps ist es ein gro?er Schritt: Mit der ?Exposure Notification“ haben sie nun die technische Basis, auf der sie die Warn-Apps programmieren k?nnen.

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Mitte Mai wollen Google und Apple Updates für s?mtliche Smartphone-Nutzer herausbringen. Dann kommt die Tracing-Technik automatisch aufs Smartphone. Zustimmen müssen die Nutzer dennoch, die Teilnahme ist freiwillig.

Google und Apple hatten erst Anfang April bekannt gegeben, dass sie ihre Smartphones für die anonyme Kontaktverfolgung per Bluetooth freischalten wollen – dass sie bereits jetzt erste Beta-Software ausliefern k?nnen, liegt in einer Kooperation mit europ?ischen Forschern und Entwicklern begründet: Die ?Exposure Notification“ basiert auf dem Projekt DP3T, das von Forschern der Eidgen?ssischen technischen Hochschule Zürich, der polytechnische Hochschule Lausanne, den Universit?ten Leuven und Delft sowie dem deutschen Fraunhofer Cispa-Institut entwickelt wurde.

Ein Gegengewicht zu Google und Apple

Apple und Google haben nicht nur das blo?e DP3T-Konzept einer dezentralen verschlüsselten Speicherung von Kontaktlisten auf den Smartphones von der Forscherinitiative übernommen, sondern befinden sich aktuell auch laut Auskunft des Fraunhofer Cispa in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess.

Wenn die beiden Techriesen die neue Schnittstelle erfolgreich in ihre Telefone integriert haben, schl?gt die Stunde der App-Entwickler. In Deutschland haben das Software-Unternehmen SAP und die Telekom-Tochter T-Systems diese Aufgabe übernommen.

Die beiden Konzerne wollen dies nach eigenen Angaben so transparent wie m?glich tun. Beide haben bereits angekündigt, ihre Programmierarbeit offen zug?nglich zu machen. Andere Programmierer und Datenschützer k?nnen so überprüfen, ob die Software sicher ist und Datenschutzanforderungen genügt.

Die Bundesregierung soll die beiden deutschen Techgr??en ausgesucht haben, um ein Gegengewicht bei Verhandlungen mit Apple und Google zu schaffen. In einer au?erplanm??igen Sitzung des Digitalausschusses des Bundestags soll Staatsministerin Dorothee B?r gesagt haben, die Kapazit?ten der beiden Unternehmen seien wichtig, um beispielsweise Nutzern Hilfsangebote bei technischen Problemen bereitstellen zu k?nnen.

Inwiefern es zwischen den deutschen Unternehmen und den US-Techgiganten Apple und Google Verhandlungen geben wird, habe die Staatsministerin nicht beantworten k?nnen.

Doch aus den beiden Konzernen ist zu h?ren, dass es gar nichts zu verhandeln gibt: Die Schnittstelle nach Vorbild von DP3T ist bereits festgelegt. Wer seine Warn-App auf die Smartphones der Nutzer bringen will, muss die Technik nutzen, die Apple und Google vorgeben.

Benutzeroberfl?che ist bereits fertig

Doch für die Entwickler gibt es trotzdem noch Gestaltungsspielr?ume: Google und Apple legen beispielsweise nicht fest, ab wann ein aus epidemiologischer Sicht relevanter Kontakt zustande gekommen ist, das bleibt etwa in Deutschland dem RKI überlassen.

Derzeit geht man davon aus, dass sich Personen für mehrere Minuten mindestens zwei Meter nahe gekommen sein müssen, um sich zu infizieren. Auch Zusatzfunktionen in der App k?nnen die App-Entwickler unabh?ngig von Google und Apple definieren.

Denkbar ist beispielsweise eine M?glichkeit, private Daten zus?tzlich freizugeben, um die Ausbreitung des Coronavirus besser nachverfolgen zu k?nnen.

Wie eine fertige Warn-App für deutsche Nutzer aussehen k?nnte, zeigt die Initiative ?Gesund zusammen“, zu der sich deutsche und europ?ische Start-ups zusammengeschlossen haben. Seit Mitte M?rz haben sie die App ?Eins“ entwickelt, die nach eigenen Angaben bereits seit Anfang April weitestgehend fertig ist.

Bereits ?sehr früh“, sei die Initiative auf das Bundesgesundheitsministerium zugegangen. Im Laufe der Zeit habe man nach eigenen Aussagen zu einem guten Austausch mit dem Ministerium gefunden.

Risiko-Bewertung samt Empfehlung

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Allerdings: Auch diese App kann den Smartphone-Nutzern noch nicht dabei helfen herauszufinden, ob die mit Corona-Infizierten Kontakt hatten. Bei der ?Eins“-App handelt es sich n?mlich nur um das sogenannten Frontend, also die Benutzeroberfl?che.

Dazu geh?ren alle Elemente, die der Nutzer einer App sehen kann, also Farbgestaltung, Bilder und Grafiken, aber auch das Bedienkonzept. Das Frontend ist im besten Fall so gestaltet, dass die Anwendung selbsterkl?rend ist und Smartphone-Nutzer schnell und unmissverst?ndlich verstehen, welche Funktionen die App bietet und wie sie zu nutzen ist.

In einem Video zur ?Eins“-App werden Nutzer beispielsweise gefragt, wie ihr ?Covid-19-Status“ sei, also ob sie positiv oder negativ getestet oder wom?glich bereits genesen seien.

Nutzer sollen demnach auch Symptome angeben k?nnen. Au?erdem soll die App natürlich ermitteln, ob sich der Smartphone-Besitzer in der N?he einer infizierten Person aufgehalten hat.

Anhand all dieser Angaben soll dann eine Risikobewertung samt Empfehlung, was zu tun ist, ermittelt werden. Die App-Entwickler wollen zudem erm?glichen, direkt über die Anwendung einen Termin zum Corona-Test zu buchen.

SAP und T-Systems müssen Mittelbau liefern

Zur Start-up-Initiative, die die App entwickelt hat, geh?rt auch Alexander Ingelheim, Gesch?ftsführer von Datenschutzexperte.de. ?Die Technik dahinter und der Datenschutz sind sehr wichtig“, sagt Ingelheim. Die App müsse aber auch in Sachen Design und Bedienbarkeit überzeugen, ?sonst werden die Menschen sie nicht herunterladen und nutzen“.

Ob und wann sich deutsche Smartphone-Besitzer die ?Eins“-App installieren k?nnen, ist unklar. Ein m?glicher Oberbau w?re damit aber fertig. Apple und Google haben beim Unterbau vorgelegt. Nun kommt es auf die deutschen Techfirmen SAP und T-Systems an, den Mittelbau zur Marktreife zu bringen. Und das am besten, bevor die deutsche L?sung hinf?llig wird.

Langfristig k?nnten die Nutzer n?mlich sogar ohne nationale App auskommen: Google und Apple haben eine ?Phase zwei“ für ihr ?Exposure Notification“-System angekündigt. Dann soll die Speicherung der Kontaktlisten nicht mehr per App, sondern auf Basis des Betriebssystems erfolgen.

Die Nutzer müssen dann gar keine zus?tzlichen Programme mehr installieren, um an dem Projekt teilzunehmen. Damit jedoch würde auch der Einfluss der nationalen Institute schwinden. Wann diese zweite Phase kommen soll, darüber bleiben die Konzerne vage: In der Projektdokumentation hei?t es nur: ?in einigen Monaten“.

Mit dieser App helfen Sie Wissenschaftlern im Kampf gegen das Virus

Die Wissenschaft bittet um eine kleine Datenspende: V?llig freiwillig und anonym sollen Besitzer von Fitnessarmb?ndern und Smartwatches ihre damit gesammelten K?rperfunktionsdaten der Corona-Forschung zur Verfügung stellen.

Quelle: WELT

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