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Wirtschaft Fluggesellschaft in Not

Radikaler Schrumpfkurs der Lufthansa

| Lesedauer: 4 Minuten
Wirtschaftsredakteur
Lufthansa will mehr Stellen als geplant streichen

Der Lufthansa-Konzern will noch mehr Stellen als bisher geplant streichen. Au?erdem sollen alle Gro?raumflugzeuge vom Typ Airbus A380 ausgemustert werden. WELT-Reporter Daniel Koop ordnet die aktuellen Entwicklungen ein.

Quelle: WELT

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Lufthansa verkündet die dritte radikale Sparrunde für Deutschlands führende Airline. Mittelfristig sollen weitere 50 Flugzeuge aus der Flotte verschwinden – auch der A380. Doch das wird nicht reichen. Lufthansa belastet n?mlich nicht nur die Corona-Krise.

Es ist die dritte Sparrunde und niemand wei?, ob es diesmal genügt. Deutschlands führende Airline Lufthansa verkündete jetzt offiziell, dass noch st?rker als zun?chst geplant die Flotte verkleinert und noch mehr Stellen abgebaut werden.

So soll die Flotte mittelfristig statt um 100 sogar um 150 Flugzeuge schrumpfen. Der bisher genannte Abbau von 22.000 Vollzeitarbeitskr?ften werde nicht ausreichen, teilte die Airline mit, ohne eine neue Zahl zu nennen. Branchenkenner gehen von grob 30.000 Stellen aus.

Dabei liegt folgende Kalkulation zugrunde: Hinter den offiziell genannten 22.000 Stellen standen umgerechnet auf Vollzeit tats?chlich 26.000 Stellen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor Mitarbeitern jüngst erkl?rt, dass ein Flugzeug mit grob 100 Stellen verknüpft ist. Wenn jetzt nochmals 50 Flugzeuge gestrichen werden, würden rechnerisch weitere 5000 Stellen wegfallen.

Hauptgrund für die weiteren Einschnitte ist die langsamer als erhoffte Wiederbelebung des Flugverkehrs in der Krise. Dabei geh?rt die Lufthansa zu einer Reihe von Airlines, die frühere Erwartungen wieder nach unten korrigiert haben.

Trotz Stellenabbau kein Widerstand aus Berlin

Mit steigenden Corona-Infektionszahlen und Reisebeschr?nkungen werden nur wenige Monate alte Pl?ne über einen langsamen Anstieg im Flugverkehr wieder zur Makulatur. Die Lufthansa treffen die Reisebeschr?nkungen besonders im früher lukrativen Langstreckengesch?ft.

So ist der Flugverkehr bei den früher dominierenden US-Verbindungen noch stark eingeschr?nkt. Auch der Wechsel von Corona-Tests an den Flugh?fen zurück zu Quarant?neregelungen belastet und verunsichert Flugwillige.

Obwohl der Staat zur Rettung bei der Lufthansa eingestiegen ist und ein Neun-Milliarden-Euro-Rettungspaket schnürte, muss Spohr selbst bei der weiteren Versch?rfung der Stellenabbaupl?ne nicht mit Widerstand aus Berlin rechnen. Die Bundesregierung hatte zugesagt, sich nicht in die operative Führung einzumischen.

Vor Mitarbeitern sagte Spohr, dass die Stellenkürzungen notwendig seien, um die verbleibenden gut 100.000 Stellen zu retten. Der Lufthansa-Chef hatte bereits angekündigt, dass auch Kündigungen notwendig sind. über Krisenpakete soll die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen begrenzt werden, hei?t es jetzt.

Restrukturierungsbedarf von bis zu 1,1 Milliarden Euro

Spohr hofft nun, dass zum Jahresende zumindest 20 bis 30 Prozent des früher angebotenen Sitzplatzvolumens erreicht wird. Ursprünglich wurden 50 Prozent erwartet. Intern sprach Spohr von einer ?Versch?rfung des Redimensionierungsplans“, der angesichts der schleppenden Entwicklung n?tig werde.

Nun reiche es nicht aus, im n?chsten Jahr 300, 2022 dann 200 und im Jahr 2023 rund 100 Flugzeuge am Boden zu lassen. Zur Einordnung: Ende 2019 hatte die Airline rund 760 Flugzeuge. Der Flottenschrumpfkurs f?llt jetzt 50 Prozent h?her aus. Das kostet auch Geld.

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Es ergebe sich ein weiterer Restrukturierungsbedarf von bis zu 1,1 Milliarden Euro, der noch im soeben auslaufenden dritten Quartal gebucht werden soll, teilte der Konzern mit. Die Airline ger?t damit noch tiefer in die roten Zahlen.

Zum Schrumpfkurs geh?rt auch das Einmotten der gesamten verbleibenden Flotte von acht Riesenairbus A380. Im Frühjahr wurde schon die Abgabe von sechs der Airbus-Jumbos beschlossen. Nun sollen die restlichen acht A380 sowie zehn Modelle vom Typ A340-600 in einen ?sogenannten Langzeitparkmodus überführt und aus der Planung genommen werden“.

Nachhaltigkeit setzt Lufthansa unter Druck

Nur im Falle einer unerwartet schnellen Marktbelebung sollen sie wieder anheben. Weitere sieben Airbus-Gro?raumflugzeuge vom Typ A340-600 werden endgültig au?er Dienst gestellt.

Der Lufthansa-Vorstand legte seine Pl?ne jetzt dem Aufsichtsrat auf einer zweit?gigen Sitzung vor. Dabei geht es nicht nur um kürzerfristige Entwicklungen, sondern auch um die Zehnjahresplanung, also um Fragen der Strategie und Aufstellung. Lufthansa belastet n?mlich nicht nur die Corona-Krise.

Vor Mitarbeitern verwies Spohr auch auf das ?ver?nderte Reiseverhalten, insbesondere der Gesch?ftskunden“. Zudem gewinne das Thema Nachhaltigkeit und CO2-Aussto? weiter an Bedeutung. Regulatorische Beschr?nkungen würden weiter zunehmen.

Nach der Corona-Krise werde der Luftverkehr in Westeuropa ?frühestens Mitte des Jahrzehnts“ auf die früheren Passagierzahlen steigen. Zudem werde sich der Passagiermix ?ndern: Spohr erwartet daher ?weniger Gesch?ftsreisende, aber mehr Privatreisende, die tendenziell weniger bezahlen“. Daher sei überhaupt nicht absehbar, ob noch einmal das frühere Umsatzniveau früherer Rekordjahre erreicht werde.

Spohr kündigt ?Tafelsilber“-Verkauf an

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Diese Umstellung werde eine gro?e Herausforderung für die Lufthansa sein. Der Lufthansa-Chef will nach eigenen Angaben erreichen, dass Deutschlands gro?e Airline am Ende der Krise im Wettbewerb gest?rkt ist. Er rechnet damit, dass sich l?ngerfristig weltweit zw?lf führende Airline-Gruppen herauskristallisieren, also die Konsolidierung weitergeht.

Spohr kündigte vor den Mitarbeitern auch einen weiteren Verkauf von ?Tafelsilber“ an, wie er sich ausdrückte. Dies soll dazu beitragen, die Milliardenhilfen des Staates m?glichst schnell zurückzubezahlen. So soll der angekündigte Verkauf des Europa-Gesch?ftes der Gastronomietochter LSG in Kürze abgeschlossen werden.

Zudem sei auch ein Verkauf der Servicekarten und Gesch?ftsreise-Abwicklungstochter Air Plus denkbar. An der Wartungstochter Lufthansa Technik k?nnte ein Minderheitsanteil verkauft werden. Auch von IT-Dienstleistern k?nnte sich der Konzern trennen. ?Ohne Verk?ufe von Unternehmensteilen werden wir die neun Milliarden Euro niemals zurückzahlen k?nnen“, sagte Spohr.

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