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?Das globale Energiesystem wird nicht über Nacht klimaneutral werden“

| Lesedauer: 5 Minuten
Wirtschaftsredakteur
Keine Klimaneutralit?t über Nacht: Unter anderem mit der Gasturbine Industrial Trent 60 will Siemens Energy Gaskraftwerke ausrüsten oder modernisieren Keine Klimaneutralit?t über Nacht: Unter anderem mit der Gasturbine Industrial Trent 60 will Siemens Energy Gaskraftwerke ausrüsten oder modernisieren
Keine Klimaneutralit?t über Nacht: Unter anderem mit der Gasturbine Industrial Trent 60 will Siemens Energy Gaskraftwerke ausrüsten oder modernisieren
Quelle: Siemens AG
Die erste Bilanz des von Siemens abgespaltenen Energiekonzerns startet wie angekündigt mit einem Milliardenverlust durch Aufr?umarbeiten und Bilanzkorrekturen. Ein radikaler Wechsel zu klimaneutraler Stromerzeugung bleibt aber aus.

über Jahrzehnte geh?rte der Bau von Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung zu den Siemens-Aktivit?ten. Der neu abgespaltene und jetzt eigenst?ndige Siemens Energy-Konzern stellt nun die Weichen für den Ausstieg aus der Kohleverstromung. Ab sofort werde sich Siemens Energy zumindest nicht mehr an der Ausschreibung von neuen Kohle-Kraftwerken beteiligen, kündigte Vorstandschef Christian Bruch auf der ersten Bilanzpressekonferenz des Konzerns an.

Trotz der gro?en Symbolwirkung der Botschaft sind die Auswirkungen begrenzt. So bezieht sich der Rückzug nur auf das Neugesch?ft mit reinen Kohlekraftwerken und nicht auf bestehende Projekte, den Service oder laufende Ausschreibungen.

Dazu geh?rt ein Riesenprojekt auf der indonesischen Insel Java (Jawa 9/10). Nicht betroffen ist auch das Gesch?ft mit Kraft-W?rme-Kopplung. Der Kohleverstromungsumsatz aus dem Neugesch?ft liege im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich beim Konzernumsatz von rund 27,5 Milliarden Euro.

Siemens-Energy-Chef Bruch verwies darauf, dass unver?ndert vor allem in Asien neue Kohlestromkraftwerke gebaut werden. 40 Prozent der weltweiten Stromversorgung beruhe auf Kohle als Energietr?ger und der Strombedarf steige weiter. Nach wie vor sei das Neugesch?ft profitabel gewesen. ?Die Entscheidung tut uns weh“, sagte Bruch.

Der Siemens-Energy-Chef sieht keinen Grund, die Rei?leine komplett zu ziehen und auch aus dem Einsatz von Gas zur Stromerzeugung auszusteigen. Es sei ein schrittweises Vorgehen und kein radikales Ende für die konventionelle Stromerzeugung.

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?Wir werden für eine übergangszeit konventionelle Energietr?ger, allen voran Erdgas, ben?tigen“, sagte Bruch. Nur so sei die Stromnachfrage zu bew?ltigen, Versorgungssicherheit gegeben und CO2-Emissionen k?nnten durch die Modernisierung veralteter Kraftwerke gesenkt werden. ?Das globale Energiesystem wird nicht über Nacht klimaneutral werden, auch wenn wir das alle gerne wollen“, sagte Bruch.

Gefordert sei jetzt Mut für neue L?sungen, wie die Wasserstofftechnologie. Zudem h?lt Siemens Energy eine Mehrheitsbeteiligung am ebenfalls b?rsennotierten Windkrafthersteller Siemens Gamesa Renewable Energy.

Kaesers Angebot an Luisa Neubauer wurde abgelehnt

Die strategische Weichenstellung zum Kohlestrom-Ausstieg zeichnete sich ab, nachdem nicht nur Klimaschutzgruppen wie Fridays for Future gegen das Kohle-Engagement von Siemens protestiert hatten. Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser, der an diesem Donnerstag die letzte Bilanz des Siemens-Konzerns unter seiner Führung pr?sentiert und zudem Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy ist, sprach sich wiederholt für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung aus.

Kaeser bot Anfang des Jahres der für Fridays for Future t?tigen Klimaschützerin Luisa Neubauer einen Posten in einem Nachhaltigkeitsgremium für Siemens Energy an. Sie lehnte ab.

Kaeser hatte den Vorstand von Siemens Energy ultimativ zu einer Kohleentscheidung aufgefordert. Zudem erh?hen gro?e Investoren den Druck auf Unternehmen für mehr Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften.

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Für die kommenden Jahre kündigte Bruch eine ?Transformationsreise“ und Restrukturierungen bei dem Energietechnikkonzern an. Die Auswirkungen aus der Kohle-Entscheidung für die Besch?ftigten k?nnten noch nicht beziffert werden.

Sie würden nun mit Arbeitnehmervertretern sowie den Gesch?ftspartnern besprochen. Bruch verwies darauf, dass Dampfturbinen auch mit Gas als Brennstoff eingesetzt werden. Kohlekraftwerksturbinen stellt Siemens Energy beispielsweise am Standort Mühlheim her.

Wie erwartet schlie?t Siemens Energy sein erstes Gesch?ftsjahr durch Sondereffekte mit tiefroten Zahlen unter dem Strich ab, konkret mit 1,86 Milliarden Euro. Vereinfacht ausgedrückt r?umt der erst vor gut einem halben Jahr von Linde zu Siemens Energy gewechselte Manager Bruch in dem Unternehmen auf, das noch vor wenigen Monaten vollst?ndig zur Siemens AG geh?rte. Die Abspaltung tr?gt auch mit dazu bei, dass Kaesers letzte Bilanz bei der Siemens AG etwas besser ausf?llt.

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Weil sich die Gesch?ftsaussichten bei einigen Angeboten eingetrübt haben und die Werte von früher zugekauften Aktivit?ten nach unten korrigiert wurden – etwa wie in dem 2014 von Kaeser von Rolls-Royce gekauften Gesch?ft mit kleineren Industrie-Gasturbinen –, strich Bruch die Wertans?tze für Aktivit?ten um 956 Millionen Euro zusammen.

Rein operativ (Ebita, Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) gab es ein kleines Minus von 17 Millionen Euro. Durch negative Sondereffekte über gewaltige 1,52 Milliarden Euro stand unter dem Strich aber der Riesenverlust. Wie angekündigt gibt es für 2020 keine Dividende.

Ausblick trotz Corona best?tigt

Bruch vermied eine konkrete Aussage über das Nettoergebnis für das neue Gesch?ftsjahr und wie hoch dann Sondereffekte belasten. Bis 2023 laufe eine erste Phase zur Neuaufstellung und Neuausrichtung des Konzerns. Bruch verwies darauf, dass 2020 der Auftragseingang mit 34 Milliarden Euro (plus ein Prozent) über dem Umsatz von 27,46 Milliarden Euro (minus fünf Prozent) lag und der Auftragsbestand sich auf 79 Milliarden Euro bel?uft.

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Die Ziele für das Gesch?ftsjahr 2020 seien vollst?ndig erreicht worden und trotz der Corona-Pandemie würde der Anfang September verkündete Ausblick best?tigt. Danach soll der Umsatz im neuen Gesch?ftsjahr um zwei bis zw?lf Prozent steigen und die operative Marge (Ebita) vor Sondereffekten von minus 0,1 auf drei bis fünf Prozent klettern.

Konkrete Angaben über Stellenanpassungen in dem Konzern mit über 90.000 Besch?ftigten gibt es noch nicht. Bruch verwies darauf, dass ein spezieller Standortsicherungsvertrag, der in der Regel betriebsbedingte Kündigungen ausschlie?t und Siemens-intern den Namen Radolfzell II tr?gt, sich nur auf den Ex-Mutterkonzern Siemens bezieht. Der Ausstieg aus dem Kohlestrom-Neugesch?ft habe viele Facetten, die jetzt sorgsam abgewogen würden.

An der B?rse sorgten die Siemens-Energy-Zahlen und die hohen Abschreibungen für Druck auf die Aktie. Sie verlor zwischenzeitlich über 3,5 Prozent auf 20,42 Euro. Die seit Ende September neu an der B?rse notierte Siemens-Energy-Aktie entstand durch die Abspaltung aus der Siemens AG. Der Startkurs lag bei 22,01 Euro. Siemens ist direkt nur noch mit 35,1 Prozent beteiligt. Die Anteile sollen aber binnen zw?lf bis 18 Monaten ?weiter deutlich reduziert“ werden.

Wasserstoff-Strategie der EU vorgestellt

EU-Kommissionspr?sidentin Ursula von der Leyen will vor allem mit Wasserstoff die europ?ische Industrie langfristig klimaneutral machen. Die Kommission setzt dabei in erster Linie auf sogenannten grünen Wasserstoff.

Quelle: WELT

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