1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Luca-Software: So soll die Zettelwirtschaft in den Gesundheits?mtern enden

Wirtschaft ?Luca“

Diese Idee soll das gr??te Problem der Gesundheits?mter l?sen

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Bundeswehr hilft bei der Kontaktverfolgung: Soldaten werten im Gesundheitsamt Berlin-Mitte Daten aus Die Bundeswehr hilft bei der Kontaktverfolgung: Soldaten werten im Gesundheitsamt Berlin-Mitte Daten aus
Die Bundeswehr hilft bei der Kontaktverfolgung: Soldaten werten im Gesundheitsamt Berlin-Mitte Daten aus
Quelle: picture alliance/dpa
Die Gesundheitsbeh?rden sind in der Pandemie überfordert und arbeiten mit veralteter Technik. Eine neue Software zur Kontaktnachverfolgung soll Infektionsketten brechen. Für den Durchbruch fehlt ?Luca“ jedoch noch das Wichtigste.

Wenn deutsche Rap-Stars Werbung machen, geht es meistens um Klamotten, Alkohol oder Shishatabak. Der Frontmann der Fantastischen Vier, Smudo, hingegen ist w?hrend der Pandemie zum Kampagnengesicht einer Software geworden.

Seit Wochen zieht der Musiker durchs Land und macht Werbung für ?Luca“, ein Programm mit angeschlossener App zur Kontaktnachverfolgung. ?Damit lassen sich Konzerte sicher durchführen, die Gesundheits?mter werden entlastet und Infektionsketten schneller unterbrochen“, lautet das Versprechen.

Geld bekommt der ?Fanta Vier“-Frontmann dafür nicht. Vielmehr geh?re er zum Team, sagt Luca-Entwickler Patrick Hennig. Als Musiker allerdings dürfte Smudo selbst Interesse daran haben, dass viele Menschen ?Luca“ nutzen.

Weil gerade in Deutschland die Skepsis gegenüber der Weitergabe von Daten gro? ist, hat die App mehrere Sicherheitsstufen. über einen QR-Code bekommen Nutzer einen Schlüssel auf ihr Handy und loggen sich damit etwa beim Restaurantbesuch ein. Dabei werden automatisch die hinterlegten Kontaktdaten in einer Datenbank gespeichert. Betreiber und Veranstalter haben darauf keinen Zugriff.

Henning_Luca_App_
Patrick Hennig (links) und Philipp Berger von der neXenio GmbH
Quelle: neXenio

Im Infektionsfall schickt der Patient dann eigenm?chtig alle Check-ins an das Gesundheitsamt, das dadurch auf einen Schlag alle Kontakte informieren kann, anstatt mühsam hinterherzuforschen. Nach 14 Tagen werden die Daten gel?scht. ?Schlussendlich soll das, was bisher über Zettel organisiert wird, jetzt digital passieren“, erkl?rt Hennig das Konzept.

Auch nach neun Monaten der Pandemie müssen die Mitarbeiter der rund 400 deutschen Gesundheits?mter viel überflüssige Arbeit erledigen. Vom Ziel einer umfassenden digitalen Vernetzung ist man weit entfernt, immer noch wird in vielen ?mtern mit Faxger?t und Papierb?gen gearbeitet.

Keine Konkurrenz zur Corona-Warn-App

Die Zettelwirtschaft ist ein stark begrenzender Faktor bei der Nachverfolgung. Im November begründete die Regierung den Lockdown damit, dass man in 75 Prozent aller F?lle den Infektionsort nicht ermitteln k?nne.

Mit Programmen wie ?Luca“ lie?e sich diese Quote reduzieren, glaubt Hennig. ?Gerade der private Bereich und das Büro sind eine Blackbox, was Infektionen angeht“, sagt er. ?Der Datenschutz muss gar nicht aufgeweicht werden, die Nutzer wissen genau, was passiert, und müssen der Weitergabe zustimmen.“ Die Entwickler h?tten keine Einsicht in die Daten und sammelten diese nicht.

Lesen Sie auch

Eine Konkurrenz zur Corona-Warn-App sei ?Luca“ nicht – eher eine Erg?nzung. Allerdings haben deren Entwickler nun ein neues Feature programmiert, das dem Luca-Konzept ?hnelt. Seit einigen Tagen k?nnen die rund 24 Millionen Nutzer ein Kontakttagebuch führen. Unter Tech-Experten ruft das ein geteiltes Echo hervor: ?Für mich ist das Kontakttagebuch ein Eingest?ndnis, dass die Gesundheits?mter bisher keinen Nutzen hatten durch die Technologie der App“, sagt etwa Julian Teicke, Gründer des digitalen Versicherers Wefox.

NeXenio GmbH
NeXenio GmbH
Quelle: NeXenio GmbH

Die Luca-Entwickler der neXenio GmbH, einer Ausgründung des privat finanzierten Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering, werden trotzdem noch viel überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn das zentrale Element von ?Luca“ – der Check-in – k?nnte auf viele befremdlich wirken. Denn nicht nur im Restaurant, auch bei privaten Treffen oder im Büro müsste jedes Mal jemand einen QR-Code generieren, und alle Anwesenden müssten diesen einscannen.

Einige Experten haben Hennig und seine Mitstreiter aber schon auf ihrer Seite: Professor Dirk Brockmann vom Robert Koch-Institut (RKI) h?lt ?Luca“ für ?super clever“. Die Software sei ?v?llig komplement?r“ zur Corona-Warn-App. Marian Margraf, Professor an der Freien Universit?t Berlin, hat das Sicherheitskonzept von ?Luca“ mitentwickelt. ?Sicherheit und Datenschutz sind die wichtigsten Komponenten einer breit genutzten IT-L?sung“, sagt er. Anders schaffe kein technisches Hilfsmittel w?hrend der Pandemie Akzeptanz und Vertrauen in der Bev?lkerung.

Touristen sollen Luca-App nutzen

Für den Durchbruch fehlt ?Luca“ jedoch noch das Wichtigste: die Nutzer. Bislang wurde die App knapp 40.000-mal runtergeladen. Das Team um Hennig rechnet mit einem deutlichen Anstieg, sobald Kulturst?tten und Restaurants wieder ?ffnen. ?Hohe Nutzerzahlen allein bringen ohnehin nichts, die Gesundheits?mter müssen an die Software angebunden sein.“

Und hier hat das Jungunternhemen erstaunliche Fortschritte gemacht: Nach eigenen Angaben arbeiten alle 23 Thüringer Gesundheits?mter ab Januar mit ?Luca“. Mit anderen L?ndern und dem Bundesgesundheitsministerium sei man im Gespr?ch.

Auch auf der Urlaubsinsel Sylt findet die Idee Anh?nger. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Nordfriesland haben die fünf Sylter Bürgermeister entschieden, das Luca-System inselweit einzuführen, sagt Hennig. Noch im Januar sollen alle touristischen Betriebe damit ausgestattet sein, um sich auf eine ?ffnung vorzubereiten.

Auch bei privaten Treffen muss jedes Mal jemand einen QR-Code generieren, und alle Anwesenden müssen diesen einscannen
Auch bei privaten Treffen muss jedes Mal jemand einen QR-Code generieren, und alle Anwesenden müssen diesen einscannen
Quelle: NeXenio GmbH

Dass sich vor allem die Tourismus-und Veranstaltungsbranche über ?Luca“ freut, überrascht nicht. Werden Infektionsketten schnell gebrochen, k?nnten auch Restaurants ge?ffnet bleiben, Konzerte w?ren m?glich.

Daran denkt wohl auch der zweite Luca-Gesch?ftsführer: der Berliner Clubbbetreiber Marcus Trojan. Für Nutzer ist die App kostenlos und werbefrei. Aber Geld einbringen soll das Programm trotzdem irgendwann. Hennig hat vor, beispielsweise für Gro?veranstaltungen etablierte Ticketsysteme an “Luca“ anzuschlie?en, damit auch solche Besuche in der Historie erfasst werden k?nnen.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelm??ig nach Hause.

Quelle: Welt am Sonntag

Themen

KOMMENTARE WERDEN GELADEN
汤姆叔叔-官网