1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Impfstoffmangel: Mit diesen drei Ma?nahmen reagiert die EU

Wirtschaft Nachschubprobleme

Mit diesen drei Jokern will die EU das Impfstoff-Debakel verhindern

| Lesedauer: 5 Minuten
Korrespondent in Brüssel
So wirken die verschiedenen Impfstoffe

Weltweit sind bereits verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus im Einsatz. Allerdings unterscheiden sich diese in ihrer Wirksamkeit und ihrer Verabreichung. Ein überblick.

Quelle: WELT

Autoplay
An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Podigee
Um mit Inhalten aus Podigee und anderen Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung.
Die EU-Kommission bemüht sich angesichts der massiven Kritik, mehr Impfdosen bereitzustellen. Sie setzt dabei auf die ?Aus-5-mach-6-Methode“ und das baldige Vakzin von Moderna. Inoffiziell wird jetzt zudem eine weitere Option forciert.

Die Corona-Impfungen in Europa haben begonnen – und beinahe gleichzeitig die Diskussion darüber, ob die EU-Kommission nicht genügend Impfstoff bestellt hat.

Tats?chlich bemüht sich die m?chtige Beh?rde seit einiger Zeit, mehr Impfdosen zur Verfügung zu stellen. Bereits in den kommenden Tagen k?nnte sie dabei erste Erfolge melden.

Das gilt etwa für die Zulassung einer neuen Variante der Impfung von Biontech und dem Vermarktungspartner Pfizer. Anwender hatten relativ schnell entdeckt, dass beim Einsatz spezieller Spritzen aus einer Ampulle des Biontech-Impfstoffes nicht nur fünf Impfdosen gewonnen werden k?nnen, sondern sogar sechs. Damit würde die Zahl der verfügbaren Impfdosen auf einen Schlag um 20 Prozent steigen.

Allerdings muss die Europ?ische Arzneimittelagentur (EMA) diese Nutzungsvariante der Impfung erst genehmigen. Sie warnte Anfang der Woche, dass medizinisches Personal vor Ort auf jeden Fall die Genehmigung dieser Variante abwarten und auf keinen Fall eigenm?chtig die Sechser-Variante anwenden sollte. Andernfalls schr?nke das die Haftung der Hersteller ein.

Das ist ein gewichtiges Instrument, sollen doch Pfizer und Biontech in den Verhandlungen mit der Kommission lange auf eine reduzierte Haftung gedrungen haben.

Die Zulassung der neuen Nutzungsvariante k?nnte zeitnah erfolgen

Die Hersteller haben inzwischen die Zulassung der neuen Nutzungsvariante der EMA in Amsterdam beantragt. Die Zulassung sollte in den kommenden Tagen erteilt werden; schon am Mittwoch k?nnte es so weit sein.

Dann liegt es an den lokalen Beh?rden, die für die Impfungen zust?ndig sind, die notwendigen speziellen Spritzen schnell zu beschaffen und in die Impfzentren und zu den Impfteams zu bringen.

Die Spritzen sind zwar teurer als jene, die in der Regel für die Impfungen eingesetzt werden, gelten aber als gut verfügbar. Wenn es trotzdem Engp?sse bei der Beschaffung und der Verteilung gibt, k?nnte das allerdings für Verz?gerungen bei der ergiebigeren Impfvariante sorgen.

Lesen Sie auch
Im Saarbrücker Impfzentrum werden zurzeit 200 Menschen am Tag gegen das Virus immunisiert. Zehnmal so viele w?ren machbar
Start der Impfkampagne

Auch an anderer Stelle kann Brüssel jetzt verst?rkt auf den in Deutschland entwickelten Impfstoff setzen. Ende Dezember sicherte die Kommission sich bereits 100 Millionen zus?tzliche Dosen und zog damit eine Option, die sie schon im November mit den Herstellern vereinbart hatte.

Offenbar verhandle die Beh?rde gerade über 300 Millionen weitere Dosen, berichtet ?Spiegel“. Ein neues Werk, das Biontech und Pfizer in Marburg aufbauen und das schon ab Februar Impfstoff produzieren k?nnte, soll dafür sorgen, dass die Hersteller auch schnell liefern k?nnen.

Darüber hinaus setzen Kommissionspr?sidentin Ursula von der Leyen und ihre für Gesundheit zust?ndige Kommissarin Stella Kryiakides auf den Impfstoff des US-Herstellers Moderna, der in Europa kurz vor der Zulassung steht.

Lesen Sie auch

Wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer nutzt dieses Produkt das neuartige mRNA-Verfahren. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die EMA ihre Beratungen über die Zulassung bereits am Mittwoch abschlie?en wird. Für diesen Tag hat die Agentur eine Videoschalte angekündigt, bei der die Gespr?che zwischen den beteiligten nationalen Beh?rden fortgesetzt werden sollen.

Die EU hat bei Moderna 160 Millionen Dosen Impfstoff bestellt – ungef?hr halb so viel wie inzwischen von Biontech. Die Zurückhaltung hatte offenbar zwei Gründe: Der Impfstoff war und ist mit umgerechnet 14,70 Euro pro Dosis der teuerste unter der Gruppe von Impfstoffen mit den gr??ten Chancen auf eine frühe Zulassung.

Zudem hielt die Kommission es offenbar für m?glich, dass die Trump-Regierung einen Exportstopp für den in den USA produzierten Impfstoff erlassen k?nnte.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt laut einem internen Papier seines Ministeriums auf den Moderna-Impfstoff. Insgesamt 50 Millionen Dosen davon habe sich die Bundesrepublik davon für dieses Jahr gesichert.

Allerdings werde die Versorgung erst langsam anlaufen; in den ersten Wochen nach der Zulassung stünden nur 1,5 Millionen Dosen zur Verfügung. Zum Vergleich: Bis Ende der Woche sollen rund zwei Millionen Dosen des Biontech-Vakzins in Deutschland ausgeliefert sein – auch wenn sie m?glicherweise die Impfzentren und -teams noch nicht erreicht haben.

Anzeige

Deutlich mehr Dosen, n?mlich jeweils 400 Millionen, hat die EU beim US-Pharmariesen Johnson & Johnson und dem britischen Hersteller Astra Zeneca bestellt.

Diese sechs Impfstoffkandidaten k?nnten schon bald kommen

Der Corona-Impfstoff von Biontech ist schon zugelassen. Doch es gibt sechs weitere aussichtsreiche Impfstoffkandidaten, die schon bald folgen k?nnten. Sehen Sie hier einen überblick darüber und erfahren Sie au?erdem, wie Deutschland im internationalen Impf-Vergleich dasteht.

Quelle: WELT

Beide Impfstoffe befinden sich in einem beschleunigten Zulassungsverfahren bei der EMA. In Gro?britannien ist der Impfstoff, der ausgerechnet bei ?lteren Personen keine gro?e Schutzwirkung hat, bereits mit einer Notfallzulassung im Einsatz, in der EU ist eine Zulassung hingegen noch nicht absehbar.

Von einem weiteren Impfstoff des deutschen Herstellers Curevac, für dessen Entwicklung die Bundesregierung sich auch finanziell stark eingesetzt hatte, hat die EU sogar 405 Millionen Dosen bestellt. Allerdings: Das Curevac-Vakzin hat noch nicht einmal die Zulassung bei der EMA beantragt.

Aus dem Europ?ischen Parlament kommt denn auch die Forderung, sich auf ein m?gliches Versagen des Curevac-Impfstoffes in der klinischen Prüfung einzustellen. Peter Liese (CDU), ausgebildeter Arzt und Koordinator der konservativen EVP-Fraktion im Gesundheitsausschuss, erwartet zwar, dass der Curevac-Wirkstoff sich in den Studien bew?hrt.

Curevac k?nnte den Biontech-Impfstoff produzieren

Aber selbst bei einem Scheitern in den klinischen Tests habe die EU mit dem Know-how von Curevac einen Trumpf im ?rmel. Curevac k?nnte in diesem Fall den vom Konkurrenten Biontech entwickelten Impfstoff produzieren. ?Eine Produktion eines mRNA-Impfstoffs durch ein Unternehmen, das bisher nicht damit gearbeitet hat, ist kurzfristig schwer darstellbar“, sagt Liese, der in seiner Heimatgemeinde Meschede jede Woche im Corona-Testzentrum aushilft. ?Curevac verfügt aber über das notwendige Know-how.“

Franz-Werner Haas, CEO von Curevac, habe ihm zugesagt, dass seine Firma bereit sei, den Biontech-Impfstoff zu produzieren, falls der Impfstoff von Curevac nicht erfolgreich die dritte Phase der klinischen Prüfungen bestehen sollte.

Chaos und Impfstoffmangel – Bundesregierung massiv in Kritik

Die Debatte in Deutschland über das Impfen gegen Corona wird immer heftiger. Sowohl die Bundeskanzlerin als auch Gesundheitsminister Spahn werden deswegen von allen Seiten kritisiert.

Quelle: WELT/ Christoph Hipp

Themen

KOMMENTARE WERDEN GELADEN
汤姆叔叔-官网