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Karriere Online-Assessment

So meistern Sie den gefürchteten ?Big-Five“-Test der Personaler

| Lesedauer: 5 Minuten
Niemand sollte ein Assessment-Center auf die leichte Schulter nehmen, blo? weil es online gehalten wird Niemand sollte ein Assessment-Center auf die leichte Schulter nehmen, blo? weil es online gehalten wird
Niemand sollte ein Assessment-Center auf die leichte Schulter nehmen, blo? weil es online gehalten wird
Quelle: Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc
Vor allem bei der Auswahl von Trainees und Einsteigern setzen Unternehmen gern auf Assessment-Center. Doch in Corona-Zeiten prüfen viele Firmen ihre Bewerber lieber online. Das hat Folgen – etwa für die gefürchtete Postkorbübung.

Mehrere Bewerber in einem Raum? Das gibt es bei der Deutschen Bahn nicht mehr. Kurz nach Beginn des Lockdowns im Frühjahr, als viele Firmen einen Gro?teil ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice schickten, stellte das Unternehmen kurzfristig seine Bewerberauswahl um. Das klassische Assessment-Center, bei dem mehrere Kandidaten vor Ort über einen Tag hinweg die verschiedensten Aufgaben l?sen müssen, ist damit Geschichte.

Seit Mitte April steht bei der Bahn alles unter dem Motto: online oder nichts. Viele digitale Assessment-Center haben die Mitarbeiter der Personalgewinnung für die zukünftigen Trainees – meist Berufseinsteiger, die frisch von der Universit?t kommen – seitdem organisiert.

Damit ist die Deutsche Bahn nicht allein. In vielen Branchen müssen Unternehmen derzeit in Sachen Bewerberauswahl umplanen. Um Jobkandidaten angemessen zu testen, scheint ein digitales Assessment-Center der einfachste Weg.

Auch der Versicherungskonzern Allianz setzt verst?rkt auf Online-Assessment-Center, zum Beispiel für die Auswahl neuer Azubis oder Trainees für die IT des Unternehmens. Zuerst müssen sich die Kandidaten dabei einem rund 70-minütigen Onlinetest stellen. Dann gibt es einen Videocall.

Bewerber sollten sich jedoch darauf einstellen, dass sich ein Online-Assessment-Center deutlich von der klassischen Variante vor Ort unterscheidet. Denn einige übungen lassen sich nicht ohne Weiteres ins Digitale übertragen.

Postkorbübung im Online-Assessment-Center weniger gefragt

Keiner wei? das besser als Christof Obermann. Der Professor für Wirtschaftspsychologie forscht zum Thema Assessment-Center und lehrt an der Fachhochschule K?ln. Eine Aufgabe, die h?ufig wegfalle, sei die von vielen Kandidaten gefürchtete Postkorbübung, sagt er.

Dabei müssen Bewerber unter Zeitdruck verschiedene Arbeitsanweisungen priorisieren – und anschlie?end ihren L?sungsweg begründen. Online gehe das nur schwer, sagt Obermann. Denn jede Entscheidung per Videochat zu erkl?ren, sei viel zu aufwendig.

Dass ein Kandidat aber einen fiktiven Fall l?sen müsse, k?nne auch bei einem Online-Assessment-Center vorkommen, sagt der Wirtschaftspsychologe. Ein typisches Beispiel ist ein Kundengespr?ch. Der Kunde, so eine m?gliche Simulation, beschwert sich am Telefon heftig über ein geliefertes Produkt.

Als Bewerber geht es darum, mit der Situation souver?n umzugehen, etwa den Kunden zu beruhigen und eine L?sung für das Problem zu finden. Solch ein Szenario kann es bei H?ndlern genauso wie bei Dienstleistern geben.

Bewerber müssen sich auch im Online-Assessment-Center Prüfungssituation bewusst machen

Obermann sieht bei der digitalen Variante des Assessment-Centers jedoch ein grunds?tzliches Problem: ?Wir beobachten inzwischen eine Tendenz zu einer gewissen Oberfl?chlichkeit“, sagt er. Die Standards litten bei vielen Unternehmen.

Da die Umstellung von analog auf digital mit viel Aufwand verbunden sei, lie?en die Unternehmen teilweise einige Tests einfach weg und fragten so weniger Eigenschaften der Kandidaten ab. Das kann für Bewerber bedeuten, dass sie unter Umst?nden nicht ihr volles Potenzial vermitteln k?nnen.

Die Deutsche Bahn versucht das zu verhindern. Sie hat ihr komplettes Assessment-Center digitalisiert. Wer es bis in diese Auswahlrunde geschafft hat, muss nicht nach Frankfurt oder Berlin fahren, sondern sitzt vor seinem Laptop in den heimischen vier W?nden.

Doch was bequem klingt, hat auch Tücken. ?Für unsere Teilnehmer ist es sehr wichtig, sich bewusst zu machen, dass sie jetzt in einer Prüfungssituation sind“, sagt Eva Herzog, Teamleiterin für Recruiting Trainees und Studenten.

Logiktests sind im Online-Assessment-Center beliebt

Die Kandidaten müssen sich das Kommunikationstool ?Microsoft Teams“ downloaden. Darüber k?nnen sie per Videochat sprechen und ihren Computerbildschirm teilen, etwa wenn sie eine Pr?sentation halten müssen. Dadurch beschleunigt sich der Ablauf etwas. Die digitale Variante dauere derzeit statt eines Tages nur einen halben Tag, sagt Herzog – vor allem, weil Wartezeiten oder Raumwechsel wegfielen.

H?ufig beschr?nken sich Online-Assessment-Center auf einige übungen. Vor allem Logik- und Pers?nlichkeitstests, Rechen- und Textaufgaben und ein Bewerbungsgespr?ch seien beliebt, sagt Walter Feichtner, Karrierecoach aus München. Wer normalerweise damit punkten k?nne, dass er sich in Gruppendiskussionen besonders gut einbringt oder sich in Rollenspielen gut zurechtfindet, der habe es in solchen F?llen schwieriger.

Logiktests werden dem Karrierecoach zufolge vor allem in Auswahlrunden für Traineeprogramme oder bei Berufseinsteigern genutzt. Eine typische, einfache Logikfrage lautet: ?Welches der folgenden W?rter passt nicht in die Reihe? Kochen, schneidern, lernen, schmieden oder schreinern.“ In diesem Fall passt ?lernen“ nicht, da alle anderen Verben eine handwerkliche T?tigkeit beschreiben.

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Eine andere Frage k?nnte sein: ?Wenn Ostern auf Pfingsten f?llt und Weihnachten nach Ostern ist, stimmt es dann zu sagen: Pfingsten ist vor Weihnachten?“ Die Antwort in dem Fall lautet: Es stimmt.

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Auch Zahlenreihen müssen Kandidaten fortsetzen. Etwa: ?4, 9, 19, 39, 79, – was kommt als N?chstes?“ Die richtige Antwort lautet 159. Die erste Zahl wird dabei mit fünf addiert. Anschlie?end verdoppelt sich jeweils der Additionswert. ?H?ufig bekommen Kandidaten mehr Aufgaben gestellt, als sie in kurzer Zeit l?sen k?nnen“, sagt Feichtner. Das Ziel sei es dann, sie zu überfordern.

Selbst wenn speziell solche Aufgaben im Online-Assessment-Center zum Schummeln anregen, r?t der Karrierecoach davon ab. Es sei zwar verlockend, einen Bekannten daneben sitzen zu haben, der beim L?sen hilft – doch h?ufig fragten die Prüfer im Nachhinein, wie man auf das Ergebnis gekommen ist. Sp?testens dann f?llt der Betrug auf.

Ein Online-Assessment-Center kann man nicht zu 100 Prozent l?sen

Bewerber sollten versuchen, alle Fragen m?glichst ehrlich zu beantworten, empfiehlt der Coach. Das gelte insbesondere für Fragen zur Pers?nlichkeit. Ein weitverbreiteter Test ist der ?Big Five“-Pers?nlichkeitstest.

Hier müssen Kandidaten ankreuzen, inwieweit gewisse Aussagen auf sie zutreffen. Etwa: ?Ich mag keine Unordnung – ich r?ume gerne auf“ oder ?Ich mag Abwechslung lieber als Routine“.

Am Ende k?nnen Unternehmen anhand der Antworten ein Pers?nlichkeitsprofil eines jeden Bewerbers erstellen. Der Test kann zum Beispiel aussagen, wie gewissenhaft oder offen für Neuerungen ein Kandidat vermutlich ist.

?Bei Pers?nlichkeitstest gibt es selten ein richtig oder falsch“, sagt Feichtner. Dennoch r?t er, die erwarteten Kompetenzen beim Beantworten der Fragen nicht v?llig au?er Acht zu lassen. ?Ich empfehle 80 Prozent Authentizit?t und 20 Prozent Show“, sagt er.

M?glichkeiten zur Vorbereitung gibt es laut Feichtner viele. Im Internet finden sich unz?hlige Beispiele etwa für Logiktests. Auch Vorbereitungsbücher, in denen verschiedene Aufgaben gesammelt und erkl?rt sind, k?nnen sinnvoll sein.

Eines sollte aber jedem Kandidaten klar sein: ?Man sollte sich grunds?tzlich nicht die Hoffnung machen, ein Online-Assessment-Center zu 100 Prozent l?sen zu k?nnen“, sagt Feichtner. Das verlangten die Unternehmen so ohnehin nicht.

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Dieser Artikel wurde erstmals im August 2020 ver?ffentlicht.

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