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Arbeitgeber in der Krise – Wann Sie kündigen sollten

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Corona-Krise hat viele Arbeitgeber hart getroffen Die Corona-Krise hat viele Arbeitgeber hart getroffen
Die Corona-Krise hat viele Arbeitgeber hart getroffen
Quelle: Getty Images/Halfpoint Images
Nicht immer ist ein Jobwechsel freiwillig: In Zeiten der Krise geht es in vielen Unternehmen wirtschaftlich stetig bergab. Wer nicht mit untergehen will, muss zur richtigen Zeit ins kalte Wasser springen. Wie Arbeitnehmer dabei klug vorgehen.

Einige Unternehmen k?mpfen sich seit Jahren durch schlechte Zahlen und düstere Zukunftsprognosen. Andere hat die Corona-Krise ins Wanken gebracht. Besonders für Besch?ftigte, die schon lange an Bord sind, stellt sich dann die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, das sinkende Schiff zu verlassen? Und wie stellt man das am besten an?

Zun?chst ist es wichtig, überhaupt zu bemerken, dass das Schiff sinkt. Nicht immer wird das von Anfang an offen kommuniziert. Deshalb sollte man wachsam sein, zum Beispiel, wenn Verbesserungsvorschl?ge und Anregungen von den Vorgesetzten nicht mehr angenommen werden, wie Psychologin und Coach Kristine Qualen erkl?rt.

?Auch wenn es einen Stilwechsel bei Entscheidungen gibt, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass es abw?rtsgeht.“ Mitarbeiter werden zum Beispiel weniger an Entscheidungsprozessen beteiligt und weniger darüber informiert. Holt der Arbeitgeber für unangenehme Entscheidungen eine Unternehmensberatung, kann man das ebenfalls als Indiz sehen.

Auch die Stimmung ver?ndert sich oftmals, wenn es abw?rtsgeht, wie Karrierecoach Bernd Slaghuis erkl?rt. ?Es bricht eine gewisse Hektik aus, alle versuchen etwas zu retten, und der Druck wird h?her.“ Sicher kann man sich sein, wenn die ersten Ma?nahmen zur Kosteneinsparung wie zum Beispiel Umstrukturierungen durchgeführt werden oder in Jahresmeldungen sogar Verluste Thema sind.

Den einen richtigen Zeitpunkt zum Gehen gibt es natürlich nicht. ?Manche bewerben sich bei den ersten Anzeichen weg, um gr??tm?gliche Sicherheit zu haben“, wei? Slaghuis. ?Manche wollen aber ihren Beitrag zu einer guten Abwicklung leisten und bleiben.“

Was für einen selbst der richtige Weg ist, sollte man sich gut überlegen: Wie viel Sicherheit brauche ich? Wie viel Zeit brauche ich für die berufliche Neuorientierung? Will ich abwarten, ob sich das Unternehmen wieder berappelt? Manchmal zahle sich Abwarten auch auf andere Weise aus, denn mitunter bekommen die Mitarbeiter eine Abfindung.

Alternativen im Unternehmen und au?erhalb suchen

Psychologin Qualen r?t, vor dem Absprung Bilanz zu ziehen: Was sind meine pers?nlichen und professionellen Entwicklungen in dem Unternehmen? Was sind meine Kernkompetenzen? Was wünsche ich mir für meinen künftigen Job? ?Solche überlegungen setzen Energien und Ideen frei, und es geht nicht mehr nur darum, wegzukommen.“

Nicht immer kr?nkelt das gesamte Unternehmen, mitunter sind auch nur Teilbereiche betroffen. Dann ist vielleicht auch die Umorientierung intern eine M?glichkeit, wie Qualen sagt.

Das sei ein recht sicherer Weg: ?Man kennt sich aus, hat ein Netzwerk und kann sich so informell ins Gespr?ch bringen.“ Wenn das keine Option ist, sollte man bedenken: ?Aus ungekündigter Position heraus bewirbt es sich sehr viel leichter und entspannter, als wenn man Hals über Kopf alles hinschmei?t und nach etwas Neuem sucht“, betont Qualen. ?Man l?uft dann Gefahr, aus ?ngsten heraus Kompromisse zu schlie?en, die wieder in eine Sackgasse führen.“

Auch Slaghuis r?t, aktiv zu werden. ?Als Arbeitnehmer sollte man aus der passiven Untergangsstimmung herauskommen und zum Chef des eigenen Lebens werden.“ Auch er empfiehlt, mit dem Chef zu sprechen und herauszufinden, ob es interne M?glichkeiten für einen Jobwechsel gibt. Au?erdem sollte man sich nach Alternativen au?erhalb des Unternehmens umschauen und sich Rat von au?en holen.

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Wem der Absprung schwerf?llt, der sollte sich auch überlegen, woran das liegt: Vielleicht weil man schon lange im Betrieb ist oder weil einem die Kollegen sehr am Herzen liegen. Wichtig sei dann, gut mit dem alten Arbeitgeber abzuschlie?en, wie Slaghuis erkl?rt.

Manchen sei es in dem Zusammenhang zum Beispiel wichtig, ihr Projekt noch fertigzustellen, letzte Gespr?che mit Kollegen zu führen oder auch dem oder der Vorgesetzten Feedback zu geben.

Erfolgsjournal kann beim Jobwechsel helfen

Manchmal ist das nicht m?glich, weil das Ende schnell und pl?tzlich kommt. ?Viele, die nicht mehr gut Abschied nehmen k?nnen, belastet das Alte noch stark, und es f?llt ihnen schwerer, sich auf etwas Neues einzulassen.“ Vielleicht kann man sich in solchen F?llen mit den Lieblingskollegen zu einer kleinen Abschiedsfeier treffen, auch virtuell.

Oft stecken auch ?ngste dahinter, wenn man das sinkende Schiff nicht verlassen mag. Das ist ganz normal: ??ngste sind nahezu zwangsl?ufig mit Umbrüchen verbunden“, betont Qualen. In solchen Situationen helfe es, sich klarzumachen, welche Ver?nderungen man schon gut gemeistert hat. Dem folgt dann oft die Erkenntnis: ?Ich kann mich auf meine F?higkeiten verlassen.“

Hilfreich kann es auch sein, ein Erfolgsjournal zu führen. In diese Art ?Tagebuch“ tr?gt man ein, was man alles geschafft hat: Wie ging es mir im ersten Moment damit? Welche Arbeitsschritte habe ich dann unternommen? Was war der Effekt?

In welchem Rhythmus man ein solches Erfolgsjournal führt, kann jeder für sich selbst bestimmen. Wichtig ist, dass man in Momenten des Umbruchs darauf zurückgreifen kann. ?Das gibt Mut und Auftrieb, auch von au?en erzwungene Ver?nderungen anzugehen.“

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Dieser Artikel wurde erstmals im Januar 2021 ver?ffentlicht.

dpa

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