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Fast nur noch Covid – Andere Krankheiten in Pandemie seltener geworden

| Lesedauer: 4 Minuten
?Es gibt den Impfstoff als den Ausweg aus der Krise“

In vielen Bundesl?ndern ?ffnen weitere Impfzentren – da das Serum immer noch knapp ist, k?nnen sich aber nach wie vor nur Risikogruppen impfen lassen und Menschen, die aufgrund ihres Berufes einem h?heren Risiko ausgesetzt sind.

Quelle: WELT

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Andere Krankheitserreger als das Coronavirus wurden 2020 deutlich seltener registriert als in den Jahren zuvor. Das zeigt eine Analyse des Robert-Koch-Instituts. Die Gründe dafür sind vielf?ltig.

Die letzte Erk?ltung? Eher eine dunkle Erinnerung. Und selbst das Kind, das st?ndig kr?nkelte, ist auff?llig lange am Stück gesund. Solche Beobachtungen machten einige Menschen w?hrend und nach dem Lockdown im vergangenen Frühjahr. Damals konnte man sich noch fragen: Ist das nur Einbildung? H?rt man vielleicht aus Sorge vor Corona mehr in sich hinein oder wei? Symptomfreiheit erst jetzt richtig zu sch?tzen?

Mittlerweile ist 2020 vorbei und Wissenschaftler haben erste Bilanzen gezogen. Sie scheinen die Beobachtungen des Frühjahres zu best?tigen: ?Die Fallzahlen von vielen anderen Infektionskrankheiten sind w?hrend der Covid-19-Pandemie im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen“, teilt Sonia Boender vom Fachgebiet Surveillance am Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage mit. Nicht nur zu Covid-19, auch zu vielen anderen Leiden laufen dort die Daten zusammen.

Um m?gliche Pandemieeffekte zu untersuchen, stellten die RKI-Experten eine Analyse zu relevanten meldepflichtigen Krankheiten an, von Tuberkulose über Salmonellose bis zu Hepatitis E. Zwischen M?rz und Anfang August 2020 wurden demnach knapp 140.000 solcher Nicht-Covid-19-F?lle gemeldet. Das entspreche einem Rückgang um 35 Prozent verglichen mit dem Wert, der anhand der Vorjahre (Januar 2016 bis Februar 2020) zu erwarten gewesen w?re. M?gliche j?hrliche Schwankungen und Trends seien berücksichtigt worden.

Besonders stark rückl?ufig waren der Analyse zufolge Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen. Sexuell übertragbare Infektionen gingen weniger stark zurück. Aus Expertensicht gibt es nicht den einen Grund für das Sinken der Zahlen. Dies sei von mehreren Faktoren abh?ngig, erregerspezifisch und nicht allein mit Datenanalyse zu erkl?ren, erl?uterte Boender. Aber: Sicherlich h?tten auch die Ma?nahmen zur Eind?mmung der Pandemie einen Einfluss gehabt. Schul- und Kitaschlie?ungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschr?nkungen und Handhygiene h?tten insbesondere die Mensch-zu-Mensch-übertragung von Erregern von Atemwegs- und Magen-Darm-Krankheiten verhindert.

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Der Gesamtrückgang betraf laut RKI alle Altersgruppen und war bei Kindern bis 14 Jahre und Senioren über 80 am st?rksten. Krankheiten wie Windpocken und Keuchhusten traten laut der Auswertung im Untersuchungszeitraum weniger als halb so oft auf wie erwartet. Bei Masern f?llt das Minus mit 85 Prozent besonders dick aus. Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk von der Martin-Luther-Universit?t Halle-Wittenberg erkl?rt, dass er bei Masern aber weniger den Effekt in den Corona-Einschr?nkungen suchen würde. Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr sind bei Masern üblich. Auch schon Anfang 2020 seien die Zahlen niedrig gewesen.

Erfasste F?lle zeigen nie ein vollst?ndiges Bild

Dass die reisefreudigen Deutschen wegen der Pandemie weniger in die Ferne schweifen konnten, macht sich laut Expertin Boender ebenfalls bemerkbar: Dadurch seien weniger Krankheiten wie Denguefieber und Malaria beobachtet worden, die sonst bei Reiserückkehrern diagnostiziert werden, erkl?rte sie.

Bei Meldezahlen ist immer zu berücksichtigen, dass diese nicht nur von den tats?chlichen Erkrankungen abh?ngen, sondern zum Beispiel auch vom Gang zum Arzt und von Tests. Erfasste F?lle zeigen daher nie ein vollst?ndiges Bild. K?nnte es also sein, dass die niedrigeren Zahlen auch mit der Furcht mancher Menschen vor Corona-Ansteckungen in Wartezimmern, dem starken Sars-CoV-2-Fokus im Gesundheitssystem und der überlastung der Beh?rden zusammenh?ngen?

Eine Verschlechterung der Erfassung durch anderweitige Belastungen in der Pandemie sei zwar denkbar, meint Rafael Mikolajczyk. ?Dem würde ich aber geringere Bedeutung zuschreiben – und würde schon auch erwarten, dass die Kontrollma?nahmen Effekte auf andere Infektionen gehabt haben.“ Er nimmt ebenso wie Fachleute vom Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin an, dass die Ma?nahmen vor allem bei Infektionskrankheiten, die gleich oder ?hnlich wie Sars-CoV-2 übertragen werden, ein Grund für deren Rückgang sein k?nnen.

Schon im Frühjahr 2020 hatte sich gezeigt, dass der erste Lockdown der Grippewelle ein verfrühtes Ende bereitete. Auch im Herbst und Winter 2020 sind Erk?ltungen und Influenza nach den bislang verfügbaren Daten seltener als in Vorjahren. Seit September werde ein deutlich niedrigeres Niveau bei der Rate der akuten Atemwegserkrankungen verzeichnet als in den Vorsaisons, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI im Wochenbericht zum Jahresende.

Nicht einmal 300 im Labor best?tigte Influenza-F?lle sind seit Saisonbeginn im Herbst bundesweit gemeldet worden, vor einem Jahr waren es ungef?hr zu der Zeit schon mehr als 5000. In der Metropole Berlin sind sogar erst fünf Influenza-F?lle seit Oktober best?tigt. ?Es wird bisher von einer Zirkulation von Influenzaviren auf einem extrem niedrigen Niveau in der Saison 2020/21 ausgegangen“, schreiben die RKI-Experten. Das deckt sich mit Beobachtungen im Ausland.

Nicht nur Meldedaten, auch die Analyse von Krankschreibungen zeigen Effekte im Pandemiezusammenhang. Wie die Krankenkasse AOK Nordost kürzlich berichtete, bremsten die Schutzma?nahmen von Ende September bis Mitte November 2020 in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern andere Infektionskrankheiten stark aus. Krankschreibungen seien im Vergleich zu den Vorjahreszeitr?umen zurückgegangen, etwa wegen Grippe, Magen-Darm-Infekten, Lungenentzündungen und akuter Bronchitis.

In der RKI-Analyse zu den Meldezahlen ab M?rz zeigte sich bei nur einer der betrachteten Krankheiten eine Zunahme: bei der Hirnentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die von Zecken übertragen wird. Auch das muss wohl nicht allein mit dem Drang vieler Menschen zusammenh?ngen, in Lockdown-Zeiten ins Grüne zu gehen. Es gab Warnungen, etwa vom Roten Kreuz, dass es wegen des milden Winters mehr Zecken gebe und die Saison bereits im M?rz begonnen habe.

dpa/cwu

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