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Nasa testet erstmals die Abwehr von Asteroiden

| Lesedauer: 4 Minuten
Chefkorrespondent Wissenschaft
Animation - So soll ?Dart“ Didymos treffen

Die 500 Kilogramm schwere Sonde ?Dart“ soll am 7. Oktober 2022 den kleineren der beiden Didymos-K?rper mit einer Geschwindigkeit von 21.600 Kilometern pro Stunde treffen. Die Animation erkl?rt, wie das gelingen soll.

Quelle: JHU Applied Physics Laboratory

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Mit dem Aufprall einer Sonde will die Nasa einen Asteroiden so treffen, dass er aus seiner Bahn trudelt. Europa schickt ein Messger?t hinterher. Bei dem Test geht es um mehr als den Billard-Effekt.

Der Einschlag eines gro?en Asteroiden k?nnte die Menschheit ausl?schen. Würden Teleskope einen Himmelsk?rper mit Kollisionskurs zur Erde ausmachen, h?tten wir bislang keine M?glichkeit, das drohende Schicksal abzuwenden. Technische Abwehrma?nahmen stehen noch nicht zur Verfügung. Das soll sich ?ndern.

Die Nasa will im Oktober 2022 erstmals einen Asteroiden aus seiner Bahn ablenken – testweise. Mit einem solchen Man?ver k?nnte man im Ernstfall die Flugbahn eines Asteroiden so ver?ndern, dass er nicht die Erde trifft, sondern vorbeifliegt. Dazu kann bereits eine sehr kleine Bahn?nderung ausreichen, wenn man sie rechtzeitig macht.

Das Forschungsobjekt wird der Doppelasteroid Didymos sein. Der gr??ere der beiden Brocken hat einen Durchmesser von rund 800 Metern, der kleinere misst ungef?hr 150 Meter. Die beiden Zwillinge fliegen mit einem Abstand von etwas mehr als einem Kilometer durchs All. Solche Doppelasteroiden sind nicht selten. Rund jeder sechste erdnahe Asteroid besteht aus mindestens zwei Objekten.

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Die 500 Kilogramm schwere Sonde ?Dart“ soll am 7. Oktober 2022 den kleineren der beiden Didymos-K?rper mit einer Geschwindigkeit von 21.600 Kilometern pro Stunde treffen. Dieser Sto? wird die Bahngeschwindigkeit des Asteroiden um 0,4 Millimeter pro Sekunde ver?ndern.

Das klingt zwar nach wenig, dennoch sollte der Effekt gro? genug sein, um von irdischen Teleskopen gemessen werden zu k?nnen. Gelingt dies, w?re es ein Beweis dafür, dass die Impuls?nderung per ?Billardkugel-Effekt“ auch im Weltall funktioniert. Wirkliche Zweifel gibt es daran zwar nicht, dennoch muss man solche Dinge erst einmal in der Praxis überprüfen.

Dieser Asteroid k?nnte bald auf der Erde einschlagen

Für manche ist es nur Stoff für einen Hollywood-Film, doch die Gefahr aus dem All ist real. Rund 200 Teilnehmer aus mehr als 20 L?ndern diskutierten in Darmstadt über Gefahren aus dem Weltraum und M?glichkeiten ihrer Abwehr.

Quelle: WELT/Eybe Ahlers

Das Startfenster für die 12,5 mal 2,4 Meter gro?e Sonde ist von Ende Dezember 2020 bis Mai 2021. In diesem Zeitraum muss der Raketenstart glücken, damit Dart (Double Asteroid Redirection Test) Didymos erreichen kann.

Zum Zeitpunkt der Begegnung von Dart und Didymos wird das rund 530 Millionen Tonnen schwere Zwillingssystem rund elf Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein. Eine Bordkamera in Kombination mit einem autonom arbeitenden Navigationssystem wird dafür sorgen, dass die Sonde den Asteroiden auch nicht verfehlt.

Didymos wurde am 11. April 1996 entdeckt. Er kommt auf seinen Bahnen der Erde nicht gef?hrlich nahe. Aber die Forscher befanden, dass er sich gut als Demonstrationsobjekt eignet, um die Technik des Aus-der-Bahn-Sto?ens zu testen.

Getestet wird bei dieser Mission auch ein neuartiger elektrischer Antrieb namens NEXT-C. Dart wird mit seinen Solarzellen Sonnenenergie in elektrische Energie wandeln, mit der dann Xenon-Ionen beschleunigt werden. Diese Ionen werden mit hoher Geschwindigkeit nach hinten ausgesto?en, was nach dem Rücksto?prinzip – wie bei einer klassischen Rakete – zu einem Schub nach vorne führt. Der elektrische Antrieb wurde von Wissenschaftlern am Glenn Research Center der Nasa in Cleveland entwickelt.

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TOPSHOT - A boy watches the Milky Way in the sky over the Tatacoa Desert, in the department of Huila, Colombia, on October 11, 2018. (Photo by Luis ACOSTA / AFP) (Photo credit should read LUIS ACOSTA/AFP/Getty Images)
Astrobiologie

Dart ist zwar ein Projekt der Nasa, in Kooperation mit Forschern der John Hopkins University. Doch auf einer Meta-Ebene gibt es auch eine Zusammenarbeit mit der Europ?ischen Weltraumorganisation (Esa). Sie will ebenfalls eine Raumsonde zu Didymos schicken. Die Esa-Sonde ?Hera“ soll im Jahr 2023 starten und der Nasa-Sonde Dart zum Didymos-System folgen.

Zum Zeitpunkt des Aufschlags von Dart wird sie also noch nicht vor Ort sein, doch anschlie?end soll sie Messdaten über die beiden Didymos-Asteroiden sammeln und zur Erde funken.

Die Esa hat zudem die Firma GomSpace beauftragt, einen Nanosatelliten zu entwickelt, der auf dem kleineren der beiden Didymos-Asteroiden, auch Didymoon genannt, aufsetzen soll. Der Juventas genannte Lander wird mit ?Hera“ zu den Asteroiden fliegen.

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Der 400.000 Euro teure Juventas hat die Gr??e eines Schuhkartons und wird rund zw?lf Kilogramm schwer sein. Er soll das Schwerkraftfeld von Didymoon und damit seine innere Struktur vermessen. überdies wird Juventas mithilfe von Radarwellen in das Innere des Himmelsk?rpers blicken.

Auch diese Erkenntnisse sind für eine Technologie zur Abwehr von anfliegenden Asteroiden wichtig. Denn wie sich ein Himmelsk?rper beim Aufprall eines Objekts konkret verh?lt, ist auch von seiner inneren Struktur, der Dichteverteilung und auch der Beschaffenheit der Oberfl?che abh?ngig.

Noch steht die Menschheit bei der m?glichen Abwehr von gef?hrlichen Asteroiden technologisch ganz am Anfang. Es dürften noch Jahrzehnte vergehen, bis hier einsatzf?hige Systeme zur Verfügung stehen. Es bleibt also nur zu hoffen, dass bis dahin kein gr??erer Brocken die Erde ins Visier nimmt.

Dart trifft auf Didymos
So stellt sich die Nasa die Wolke vor, die dem Aufprall von "Dart" auf "Didymos" folgt
Quelle: picture alliance / dpa

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